Haßfurt
Ernte 2018

Haßberge-Landwirte erleben eine harte Juli-Ernte

Die Ernte läuft auf Hochtouren. Die Bauern im Landkreis Haßberge haben selten so früh begonnen. Das Manko: Ertragseinbußen drohen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Distel, ein Sinnbild: Wunderschön anzusehen, aber ganz schön stachelig. Goldgelb das Korn, aber im übertragenen Sinne stachelig ist der Ertrag beim Getreide in diesem Jahr. Die Mengen stimmen nicht, finanzielle Einbußen drohen den Landwirten. Ein schwacher Trost, dass sie schon Ende Juli mit der Ernte fertig sind.Brigitte Krause
Die Distel, ein Sinnbild: Wunderschön anzusehen, aber ganz schön stachelig. Goldgelb das Korn, aber im übertragenen Sinne stachelig ist der Ertrag beim Getreide in diesem Jahr. Die Mengen stimmen nicht, finanzielle Einbußen drohen den Landwirten. Ein schwacher Trost, dass sie schon Ende Juli mit der Ernte fertig sind.Brigitte Krause
Eine Ernte ähnlich wie in diesem Jahr hat Landwirt Werner Wunderlich bisher nur einmal erlebt, "das ist jetzt das zweite Mal in meiner Laufbahn". Das war 1976. Da hatten sie die Ernte bereits im Juli vor dem 1. August eingebracht. Und Wunderlich ist inzwischen vier Jahrzehnte Landwirt in Maroldsweisach.


Das Jahr bisher: zu trocken, zu heiß

Sein Berufskollege Alexander Krauser, mit 47 Jahren etwas jünger, kann sich nur an 2003 erinnern. Da war es ähnlich lange trocken und heiß. Krauser bewirtschaftet von Holzhausen aus Flächen zwischen Haßfurt und Hofheim. Für ihn ist es das erste Mal, dass eine Ernte überhaupt im Juli komplett eingebracht werden kann. "Bisher war es immer August."

Die beiden Landwirte sehen es ähnlich: Vor allem das Korn ist schnell ausgereift und klein, weil es heiß und trocken war, Regen gab es punktuell, und das auch wiederum in höchst unterschiedlichen Mengen. Werner Wunderlich maß vergangenen Donnerstag die Menge: 38 Liter pro Quadratmeter, drei Kilometer weiter, erzählt er, fielen gerade einmal zwei Liter Wasser pro Quadratmeter. "Zu wenig", sagt Wunderlich, für eine gute Ernte.

Und so konstatieren nicht nur der Maroldsweisacher und der Königsberger, auch der Knetzgauer Landwirt und Kreisobmann des Bauernverbandes Klaus Merkel deutliche Mengeneinbußen beim Getreide. Merkel konstatierte vor einigen Wochen "50 Prozent weniger beim Wintergetreide", diese Befürchtung musste er korrigieren, "leider ging die Schätzung nicht weitgehend genug, es ist vielfach gerade ein Drittel einer normalen Ernte bei der Wintergerste".

Wenigstens, das stellt der Zeiler Landwirt Daniel Diehm fest, der gerade bei Sand ein Feld aberntet mit seinem Helfer Dominik Stöckert: "ist der Proteingehalt höher wie normal". Das weiß er, weil er im Zeiler Hafen bei der Agrarhandlung "Proagrar" die Körner hat untersuchen lassen. Aber natürlich hat auch Diehm von der Menge her "noch keine so schlechte Ernte erlebt". Der junge Zeiler Landwirt nimmt's mit Humor: "Ich such' scho immer die Löcher im Mähdrescher, ich hab noch keine gefunden..."

Der Blick auf die anderen Feldfrüchte ist auch nicht sehr viel erfreulicher. Der Mais "vertrocknet jetzt, wo er schiebt", hat Klaus Merkel festgestellt, sprich: jetzt entwickeln sich die Maiskolben, es bräuchte Regen. Und zwar mehr, als in den letzten Tagen gefallen ist. Die Hoffnungen richten sich auf die nächsten Wochen.

Das gilt ebenso für die Zuckerrüben. Alexander Krauser ist bei dem Gespräch via Handy gerade draußen auf dem Feld und rupft mit dem Spaten Schösser, also Rübensamen, die hochschießen und den "guten" Rüben die Kraft nehmen. Auch ihnen fehlt das Wasser, allerdings konnten sie ihre Wurzeln in die Tiefe treiben, "bis zu einem Meter reichen die tiefen Gangwurzeln", beschreibt Krauser.

Ähnliche Einbußen wie beim Getreide konstatiert Alexander Krauser beim Raps. Normalerweise sind 40 Doppelzentner pro Hektar zu erwarten, heuer kommt man auf 15 bis 25 Doppelzentner. Die Bauern ernten den Raps mit gemischten Gefühlen: "Wie entwickelt sich der Preis, das ist die Frage", meint Krauser, zumal jetzt der Bio-Diesel steuerlich unattraktiv geworden ist und nicht mehr ins Gewicht fällt. Rapsöl findet noch Verwendung zum Teil in Speiseöl, vor allem aber bei den technischen und synthetischen Ölen. Unterm Strich gilt beim Raps für die Landwirte: "Die Attraktivität lässt nach", denn die Bauern sind auf Wirtschaftlichkeit angewiesen.

Selbst der Blick auf die Wiesen macht die Landwirte nicht froh: Auch hier kommt der Ertrag "bestenfalls auf die Hälfte" guter Jahre, meint Klaus Merkel. Nicht ohne Grund dürfen auf amtliche Erlaubnis hin momentan Brachflächen genutzt werden, um Futter für das Vieh zu gewinnen.


Opfer des Klimawandels


Merkel gibt als Bauern-Kreisobmann eine grundsätzliche Meinung wider: "Mich ärgert es maßlos, dass wir das Opfer des Klimawandels sind." Die regenerativen Energien wurden zurückgedrängt; für Biokraftstoffe gibt es eine Obergrenze: Das dient nur "als Schutz von den Mineralölkonzernen", ist Merkel überzeugt.


was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren