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Finanzen

Haßberge: Deutsche Mark: 16 Jahre (un)vergessen

16 Jahre nach der Währungsreform sind noch immer 12,6 Milliarden Deutsche Mark im Umlauf. In der Region gibt es noch viele Umtäusche. Banken berichten.
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Thomas Engert, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Sparkasse Schweinfurt-Haßberge   präsentiert alle D-Mark-Scheine. Es ist gar nicht mehr so einfach, die  alten Scheine aufzutreiben.Jutta Rudel
Thomas Engert, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Sparkasse Schweinfurt-Haßberge präsentiert alle D-Mark-Scheine. Es ist gar nicht mehr so einfach, die alten Scheine aufzutreiben.Jutta Rudel

70 Jahre ist es her, als die Deutsche Mark eingeführt wurde und vor 16 Jahren endete ihre Zeit als Währungsmittel. Doch noch immer ist die alte Währung von Bedeutung - nicht umsonst nimmt die Modefiliale C&A derzeit auch Zahlungen in D-Mark an. Sei es aus nostalgischen Gründen in der Münzsammlung aufbewahrt oder in einem Versteck vergessen - laut Angaben der Deutschen Bundesbank befinden sich aktuell noch 12,6 Milliarden D-Mark im Umlauf, darunter Banknoten im Wert von 5,9 Milliarden und Münzen im Wert von 6,7 Milliarden D-Mark.

"Kunden bringen uns noch immer Scheine und Münzen bunt gemischt. Darunter sind auch viele fünf oder zehn D-Mark-Sondermünzen", erzählt Thomas Engert (im Bild), Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Sparkasse Schweinfurt-Haßberge. "Meist werden sie zurück gebracht, wenn jemand gestorben ist oder wenn die Kunden umräumen oder umbauen." Denn dann werden häufig alte Geldverstecke entdeckt.

Wo ist ein Umtausch möglich?

Der Umtausch ist in der Sparkasse nur für Kunden möglich, denn das Geld "wird bei uns nicht bar umgetauscht, sondern der Kunde bekommt den Gegenwert auf sein Konto gutgeschrieben." Selbst kleine Pfennigbeträge nimmt die Bank an, "allerdings wird der Kunde bei Kleinbeträgen auf die eventuell anfallenden Buchungsgebühren hingewiesen. Da es sich meist nicht lohnt, spenden sie den Betrag oftmals als sogenannte Sternstunden", erzählt Engert. Die Sparkasse unterstützt damit eine Benefizaktion durch den Bayrischen Rundfunk. Die Altbestände werden laufend an die Bundesbank geliefert. So hat die Sparkasse selbst kaum noch D-Mark gelagert. Auch in der Raiffeisen-Volksbank Haßberge, wie Vorstandsmitglied Christian Schwab mitteilt, gibt es keine Restbestände mehr. Darüber hinaus "nimmt die Bank seit mehreren Jahren keine D-Mark-Bestände mehr an".

Deutsche Bundesbank tauscht in Euro

In Filialen der Deutschen Bundesbank hingegen ist der Umtausch gebührenfrei und ohne zeitliche Begrenzung für alle möglich, wie Johann Rebl, Leiter der Filiale in Würzburg mitteilt. Sie ist die einzige Filiale der Deutschen Bundesbank in der Region. "Viele haben Sammlermünzen dabei, die noch in einem Album stecken", erklärt er. Die Münzen müssten dann erst einmal herausgenommen werden, daher sollten Kunden die Münzen lose in einem Beutel mitbringen. Der Umtausch erfolgt "sofort in bar". Nur bei größeren Summen wird der Betrag überwiesen. Ein Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt, dass die D-Mark nach wie vor Thema ist: Allein im laufenden Geschäftsjahr wurden in der Filiale "pro Geschäftstag durchschnittlich acht Umtauschvorgänge abgewickelt", so Rebl. Insgesamt wurden so Altbestände im Wert von rund 1,2 Millionen D-Mark in Würzburg umgetauscht.

Blick in die Vergangenheit

Dass viele Deutsche noch an der Mark hängen, bestätigt sich darin, dass laut Meinungsforschern über ein Drittel aller Bundesbürger regelmäßig den Euro-Preis in die alte Währung umrechnet. Wie war es damals, als sich die Menschen von jener verabschieden mussten? In der Bank hat man vom Abschiedsschmerz wenig gemerkt: "Es ging zu wie auf einem Volksfest", so Engert von der Sparkasse. "Die Kunden standen Schlange, weil es die sogenannten Euro-Starterkits gab."

Auch für die Bankangestellten war das ein Ausnahmezustand. Das weiß Vorstandsmitglied Christian Schwab, der damals Projektverantwortlicher für die Umstellung in der Raiffeisenbank war, genau: "Besonders erinnere ich mich an den 30. Dezember. An diesem Tag mussten alle Filialen ihren kompletten D-Mark-Bestand nach Haßfurt bringen und bekamen im Gegenzug ihre Euro-Ausstattung. So viel Geld wie an diesem Tag habe ich noch nie auf einen Haufen gesehen." Die Lagerung musste durchdacht sein: "Es musste geprüft werden, ob die Statik des Gebäudes das Gewicht der Münzen aushält." In den ersten Tagen seien sie ausschließlich damit beschäftigt gewesen, "Geld durch die Gegend zu fahren, zu zählen und zu verpacken."

Im ersten Halbjahr 2002, erinnert sich Engert, haben sich Säcke mit D-Mark getürmt. Damals waren die Angestellten froh, wenn das Geld in der Bundesbank abgegeben wurde - mittlerweile ist es auch für sie etwas Besonderes, die alte Währung in der Hand zu halten. Jetzt vor Weihnachten stehen die Chancen dafür gut: Vielleicht stößt der eine oder andere beim Geschenkeverstecken auf dem Speicher oder im Keller ja noch auf vergessene D-Mark.

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