Laden...
Ebern
Krankenhaus

Haßberg-Klinik Ebern bezieht Essen aus Haßfurt

Die Menüs für die Haßberg-Klinik in Ebern werden seit 1. Oktober aus der Kreisstadt geliefert. Die Umstellung geht zwar ohne Entlassungen ab, aber nicht ganz ohne Startschwierigkeiten.
Artikel drucken Artikel einbetten
Zuletzt sorgte Heinz Bulheller zehn Jahre lang dafür, dass es den Patienten schmeckte. Doch die großen Zeiten der Krankenhausküche in Ebern sind vorbei. Maitre Berthold Schüllner bildete dort einst manchen Jungkoch aus und die Küche wurde weithin gelobt. "Herr Schüllner, das war ein toller Chef", schwärmt Regine Körner (unser Bild), die bereits seit 1981 in der Krankenhausküche steht. Jetzt werden dort "kleinere Brötchen" gebacken. Die Mittagsmenüs kommen seit Monatsbeginn aus Haßfurt.  Fotos...
Zuletzt sorgte Heinz Bulheller zehn Jahre lang dafür, dass es den Patienten schmeckte. Doch die großen Zeiten der Krankenhausküche in Ebern sind vorbei. Maitre Berthold Schüllner bildete dort einst manchen Jungkoch aus und die Küche wurde weithin gelobt. "Herr Schüllner, das war ein toller Chef", schwärmt Regine Körner (unser Bild), die bereits seit 1981 in der Krankenhausküche steht. Jetzt werden dort "kleinere Brötchen" gebacken. Die Mittagsmenüs kommen seit Monatsbeginn aus Haßfurt. Fotos: Eckehard Kiesewetter
+4 Bilder
Was die Zigarette vor der Haustüre angeht, sind sich beide einig. Die schmeckt. Sonst aber gehen die Geschmäcker auseinander. Während sie mit dem Krankenhaus-Essen, ob nun aus Haßfurt oder Ebern, allgemein nicht viel anfangen kann, findet er es meistens lecker: "Is doch ok", urteilt der Mittdreißiger im blauen Trainingsanzug.

Sie dagegen, schätzungsweise 50, befindet : "Schlecht gewürzt und oft ziemlich matschig." Weil sie noch ein paar Tage hier essen muss, möchte sie nicht , dass ihr Name in der Zeitung steht. Erschließt sich da sofort an:

"Der Name tut ja nichts zur Sache." Aber nach seiner Meinung ist es "halt mal wieder typisch, dass die Krankenhausküche in Ebern zum 1. Oktober geschlossen wurde. "Die Haßfurter reißen doch alles an sich! Und noch ehe die Zigarette zu Ende geraucht ist, hat sich das Gespräch auf die EBN-Kennzeichen verlagert und darauf, dass man doch am Besten den alten Landkreis Ebern wieder einführen sollte...

Die Sache mit dem Apfelstrudel

Eine ältere Dame, deren Mann gerade für sie den Koffer zum Auto trägt, hat nicht bemerkt, dass die Menüs neuerdings aus der Kreisstadt geliefert werden oder dass, sich das Essen im Krankenhaus in den letzten Tagen verändert hätte. "Es schmeckt doch gut", meint sie. "Auch der Fisch heute Mittag!" "Auf jeden Fall besser als daheim", grinst ihr Mann, denn er hatte sich zu Hause allein versorgen müssen und hatte bereitwillig ihren Teller leer gegessen. Jetzt ist er froh, dass das ein Ende hat. "Ach ja", fällt ihr dann am letzten Treppenabsatz doch noch ein, "der Apfelstrudel am Dienstag war scheußlich. Gummisoße!"

"Anlaufschwierigkeiten", räumt Manfred Engel, Küchenchef im Haus Haßfurt der Haßberg-Kliniken, ein: "Es wäre doch ein Wunder, wenn alles auf Anhieb reibungslos klappen würde." Eine Mitarbeiterin hatte eine Heizplatte zu hoch eingestellt und so war die Vanillesoße eingedickt. Der Fehler war rasch behoben, doch mancher empfindliche Magen sorgte dafür, dass der Lapsus rasch die Runde machte.

Kein Anlass zur Sorge

Wie überhaupt viele Eberner hinter dem Ende der eigenen Küche, die schon unter Chefkoch Berthold Schüllner immer ein Aushängeschild des Hauses Ebern war, gleich wieder Schlimmes vermuten.
Doch Stephan Kolck, Vorstandsvorsitzender der Haßbergkliniken mit Sitz in der Kreisstadt, winkt ab. Das Haus ist nicht in Gefahr. Er macht deutlich, dass betriebswirtschaftliche Überlegungen zur Aufgabe der Eberner Küche geführt haben. 50 bis 60 Essen pro Tag wurden dort zuletzt von einem kompletten Team mit fünf Personen produziert. Das rechnet sich nicht.
Da die Chefköche, Heinz Bulheller, in Ebern (zuletzt bereits zur Hälfte in Haßfurt beschäftigt), und Manfred Engel in Haßfurt demnächst beide den Kochlöffel an den Nagel hängen werden, habe man sich entschlossen, die Produktion neu zu organisieren. Ein Jahr lang habe eine Arbeitsgruppe an dem Konzept gefeilt.

Beteiligt waren die Küchenleiter, eine Diätassistentin, Verwaltungspersonal und vor allem ein unabhängiger externer Berater. Auch der Personalrat sei einbezogen und die Klinikmitarbeiter in Personalversammlungen informiert worden, sagt Kolck. Mit dem Küchenpersonal habe man Einzelgespräche geführt.

Bekenntnis zur eigenen Küche

"Wir wollen unsere hauseigene Küche erhalten und haben nun die Abläufe so organisiert, dass dies auch wirtschaftlich darstellbar ist", lautet der Grundansatz. Dazu gehöre es, in Haßfurt weiterhin Küchenpersonal auszubilden und eine regionale Essenskultur anzubieten. Ausdrücklich betont der Vorstandssprecher, dass niemand entlassen wurde.

Koch Heinz Bulheller wird zunächst den Kochlöffel in Haßfurt schwingen; Wenn beide Küchenchefs nächstes Jahr altersbedingt ausscheiden, wird eine der beiden Stellen eingespart. Zwei jüngere Mitarbeiterinnen aus der Eberner Küche, die in Obertheres und Albersdorf beheimatet sind, seien bereitwillig nach Haßfurt gewechselt, die Übrigen bleiben in Ebern.

Eine wichtige Funktion in dem Konzept hat die Hauswirtschafterin und bisherige Stellvertreterin des Küchenchefs, Christine Bayer. Sie ist die neue Küchenleitung in Ebern und sorgt dafür, das alles rund läuft.
Eine weitere ältere Mitarbeiterin wird bis zu ihrem altersbedingten Ausscheiden in Ebern weiterbeschäftigt; als zusätzliche erfahrene Kraft mit dafür sorgen, dass die Anfangsschwierigkeiten in Ebern gelöst werden. Auch die Diätassistentin Martina Barfuß bleibt vor Ort.

Stephan Kolck sagt, man könne da in Ebern auf Personal bauen, das wirklich etwas von Lebensmitteln versteht. Die Frauen sind in der Lage, sofort fachgerecht einzugreifen, wenn etwas schief laufen sollte. Und man könne nach wie vor "kurzfristig reagieren, wenn Patienten kurzfristig aufgenommen werden oder Sonderkost verordnet wird."

Schockkühlung

Das Frühstück wird nach wie vor komplett durch das Küchenteam in Ebern zubereitet und das Abendessen zumindest dort hergerichtet oder fertig zubereitet. Nur der Mittagstisch ist neuerdings Import aus Haßfurt.
Das Geheimnis für die Frische heißt dabei"Schockkühlung". Kolck erklärt: "Das Essen wird zwar bereits am Vortag hergestellt, durch moderne Frosttechnik aber "ein Zustand hergestellt, der gleichbedeutend ist mit einer Produktion zwischen 9.15 Uhr und 11.15 Uhr des Ausgabetages".
In gekühlten Wagen werden die Tabletts nach Ebern transportiert und dort schonend mit Heißluft erwärmt. Neue Transportwagen sind geliefert und neue Aufwärmstationen mit Umlufttechnik werden in den nächsten tagen installiert. In Hofheim funktioniere das unproblematisch seit 2005 und auch bei der Belieferung von Schulen im Landkreis (Haßfurt, Hofheim und Ebern) habe man hinreichend Erfahrung gesammelt.

Der Einkauf, das ist neu für den Bereich Ebern, erfolgt nun ausschließlich in Haßfurt. Man berücksichtige überwiegend regionale Lieferanten aus dem Landkreis Haßberge und aus dem Bamberger Raum. Fertiggerichte, versichert Kolck, sind nur als letzte Rückversicherung vorgesehen. Zum Beispiel wenn ein hungriger Patient erst spät eingeliefert wird und in der Küche niemand mehr erreichbar ist.

Für die Patienten im Haus Ebern ändert sich im Prinzip nichts, außer, dass sie jetzt wieder unter drei Gerichten wählen können. Die Essensabfrage liegt weiterhin in Händen der Eberner Hostess. Sie leiten auch Beschwerden der Patienten direkt an das Küchenteam in Ebern und Haßfurt weiter. "So kann der Mangel rasch abgestellt werden," verspricht Kolck.

"Wir sind sicher," sagt er, "dass die Krankenhausküche nun zukunftssicher aufgestellt ist und der gute Ruf der Speisenversorgung in unseren Krankenhäusern dauerhaft erhalten bleibt."

Vielen der Patienten in Ebern ist vor allem wichtig, dass sie satt werden, dass das Essen frisch ist und dass es schmeckt.Zur Genesung gehört nun mal auch ein gutes Gefühl im Bauch. Dafür soll morgen, Sonntag, zum Beispiel Rinderrahmbraten mit Rotkohl und Klößen sorgen, Kalbsrollbraten mit gedrehten Nudeln und Mixsalat oder Möhren-Lauch-Kartoffel-Auflauf mit Salat. Klingt doch verlockend!
Verwandte Artikel

Kommentare (1)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren