LKR Haßberge
Repressalien

Hakenkreuz wird Symbol des Terrors

Mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus installierte sich ein System von Drohung und Unterdrückung. Der politische Gegner wurde Schritt für Schritt ausgeschaltet, die Machtfülle demonstrativ ausgebreitet.
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Von den Schutzhäftlingen wurde im Amtsgerichtsgarten in Eltmann eine Fotografie angefertigt. Die vorübergehende Verhaftung namhafter Personen der Bayerischen Volkspartei (BVP) und ihre Inhaftierung im Amtsgerichtsgefängnis in Eltmann sollte die Anhänger einschüchtern; in der Mitte ist der Zeiler Pfarrer Josef Dümler zu sehen.
Von den Schutzhäftlingen wurde im Amtsgerichtsgarten in Eltmann eine Fotografie angefertigt. Die vorübergehende Verhaftung namhafter Personen der Bayerischen Volkspartei (BVP) und ihre Inhaftierung im Amtsgerichtsgefängnis in Eltmann sollte die Anhänger einschüchtern; in der Mitte ist der Zeiler Pfarrer Josef Dümler zu sehen.
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Einschüchterung und Angst, das waren die Methoden der Nationalsozialisten, um die Menschen in die Richtung zu bewegen, die man wollte. Planmäßig schickte man kurz nach der Machtergreifung mit der SA in vielen Orten des heutigen Landkreises politische Gegner ins Konzentrationslager (KZ) nach Dachau.

Und: Mit voller Absicht sorgte man dafür, dass solche Aktionen über die Presse bekannt wurden. Im vorauseilenden Eifer warnte in Hofheim etwa ein Lehrer seine Schüler. Kritiker kämen nach Dachau. Da werde Schmierseife aus ihnen gemacht. Die Partei verwarnte den Schulmeister zwar, der Zweck einzuschüchtern war aber erfüllt.

Im Kreis Haßfurt wurden nach einer Weisung Kommunisten sowie prominente Mitglieder der "Eisernen Front" (ein Zusammenschluss des SPD-nahen Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold und des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes) verhaftet.
Es traf die Haßfurter SPD-Stadträte Michael Baum, Georg Süßmann und Georg Wirth.

Schriftliche Eingaben wurden ignoriert. So etwa das Schreiben des Zeiler Wilhelm Zauzich, der den groben Verstoß der Behörde gegen seine Person kritisierte. Zauzich war fast zwei Jahre in Dachau; dort traf er im Übrigen Dr. Hundhammer - später Kultusminister. Als er heimkam, schwieg Zauzich. Er hatte gesehen, wie dort der junge jüdischen Rechtsanwalt Willi Aron aus Bamberg totgeschlagen wurde und wie die Wachmannschaft die aus dem Hofheimer Raum angekarrten Juden empfangen hatte. Aber: Wer aus dem KZ entlassen wurde und seinen Mund nicht halten konnte, musste das büßen.

Dachau als "Heilmittel"

Der Kreisleiter sprach im Juni 1933 davon, dass das Konzentrationslager Dachau das beste Heilmittel für "Sabotage" der Gegner sei. Nach den Sozialdemokraten und Kommunisten begann man, Aktive der Bayerischen Volkspartei (BVP) auszuschalten.

Das betraf auch katholische Pfarrer. In Hofheim nahm man vier Geistliche in Schutzhaft. Pfarrer Schuck aus Friesenhausen wegen angeblicher Hetzreden. Pfarrer Neder soll in Birnfeld bei einer SA-Durchsuchung gesagt haben: "Da sind die braunen Rotzkäfer schon wieder." Pfarrer Kuhn aus Goßmannsdorf war BVP-Bezirksvorsitzender, Kaplan Ott in Hofheim hatte angeblich von der Kanzel herab versucht, "die Maßnahmen der Regierung und der nationalen Revolution verächtlich zu machen".

Auch den Zeiler Stadtpfarrer Josef Dümler holten sich die Nazis. Seine Verhaftung durfte wegen Feiertag und Kriegerwallfahrt etwas aufgeschoben werden und verlief geradezu kurios: Um 18 Uhr brachten ihn die Gendarmen mit dem Auto ins Gefängnis nach Eltmann; um 22 Uhr wurde er für den Feiertag beurlaubt. Um 5 Uhr früh musste der Stadtpfarrer wieder einrücken. Auf ein Attest hin, das ihm der Zeiler Sanitätsrat ausstellte, durfte Dümler um 11 Uhr heim; später hielt er die Frühmesse. Predigen konnte er vor Aufregung nicht. Stattdessen las er die Epistel "Petrus im Gefängnis" vor. An seinen Bischof schrieb er: "Fast alle Leute weinten, auch Männer, die mir sonst nicht so wohlgesinnt waren."

Prominente Häftlinge

Mit ihm wanderten aus Zeil prominente BVP-Mitglieder ins Gefängnis nach Eltmann: der Bankbeamte und Stadtrat Michael Waldhäuser, Zweiter Bürgermeister Georg Popp, Hauptlehrer und Schulleiter Alfred Becher und Tierarzt Dr. Wachsmuth aus Schmachtenberg. Weil der Steinhauer Lorenz Pottler voller Erregung wegen der Verhaftung des Pfarrers auf dem Marktplatz laut "Pfui!" rief, nahm man auch ihn gleich mit.

32 Verhaftungen an einem Tag; 18 Personen nach Eltmann. Das Gefängnis quoll über. Dümler steckte man in einen Raum, in dem nichts war als ein Ofen und ein Abort. Seine Abendsuppe aß er auf dem Klo-Deckel.
Im Juli 1933 rief der Würzburger Bischof Ehrenfried den Klerus auf: "Die kath. Kirche hat sich von jeher aus innerer Gewissensüberzeugung auf Seiten der rechtmäßigen Obrigkeit und staatlichen Autorität gestellt. Daher werden jederzeit die katholischen Priester und das katholische Volk die rechtmäßige nationale Regierung anerkennen und sich in Übereinstimmung mit den göttlichen und kirchlichen Gesetzen gehorsam unterordnen."
Auch Dümler fügte sich schließlich.


Geistliche stützen den Führer


Es gab andere: In Neuschleichach wurde Pfarrer Baumann bei einer NSDAP-Versammlung "freudig begrüßt". Und der Pfarrer ermahnte die Teilnehmer, einmütig hinter dem Führer Adolf Hitler zusammenzustehen. Zur selben Zeit nahmen in Haßfurt die Geistlichen beider Konfessionen an einer Wahlkundgebung der NSDAP teil.
Als sich das NS-Regime sicher fühlte, ging es mit der Kirche ruppiger um. 1934 zahlte die Stadtverwaltung die Prozessionsmusik nur zur Hälfte. Die Caritas musste für Wohltätigkeitsveranstaltungen Steuern zahlen. Schließlich durfte auch die Zeiler Caritas nicht mehr sammeln. Sammeln war nun Privileg der Nazis.

Die Gründungsversammlung für einen Orgelbau- und Kirchenrenovierungsverein wurde verboten. Diejenigen, die an einer Versammlung der Männer-Kongregation teilgenommen hatten, verhörte die Polizei. Manche ließen sich einschüchtern und kamen nie mehr. Ende September verbot man Lehrern und Priestern, für katholische Jugendvereine zu werben. Arbeitern, die im katholischen Arbeiterverein waren, legte man nahe, auszutreten, sonst würden sie aus der Arbeitsfront ausgeschlossen - das bedeutete oft die Entlassung aus den Betrieben.
Umgekehrt maßte sich die NSDAP Rechte an. Da gab es Brücken- und Pflasterzollbefreiung für auswärtige Fahrzeuge bei allen nationalsozialistischen Feiern. Die Hitler-Jugend zahlte nur halben Eintritt fürs Mainschwimmbad.


SA-Uniformen aus jüdischem Stoff

In den ersten Jahren nach der Machtübernahme kauften manche NSDAP-Größen die Stoffe für ihre Partei- und SA-Uniform von dem bis 1907 in Zeil wohnhaften Haßfurter Juden Hess. Manche stotterten den Preis pfennigsweise ab. Als die Juden als "vogelfrei" galten, warfen einige den jüdischen Kaufmann aus dem Haus, wenn er seine kleine Rate kassieren wollte.

Nach der "braunen Revolution" inserierte in Haßfurt eine Schneiderei, dass sie von der Reichszeugmeisterei zur Anfertigung von SA- und SS-Uniformen zugelassen sei. Die Stoffe trugen eine Schutzmarke.
Viele Arbeiter und Handwerker hatten 1933 die Nazis gewählt, weil sie sich eine Verbesserung erhofften. Die kam scheinbar mit den "Arbeitslagern". Die bessere Beschäftigungslage in den Fabriken (Zeiler Weberei, Mölter in Zeil und Haßfurt), aber auch in der Sand- und Basaltsteinindustrie feierten die Nazis als Erfolg. In der Weberei arbeiteten statt 220 nun 320 Menschen.

Hitlergruß ist Pflicht

Sie erfuhren, dass beim Ein- und Ausgehen nur noch mit "Heil Hitler!" zu grüßen sei. Im August 1933 wurde in Haßfurt am Ziegelbrunn für 216 Mann ein Arbeitsdienstlager errichtet. Ähnliche Lager folgten in Eltmann und Ebelsbach 1933 und 1935. In vielen Kommunen beschäftigte man beim "freiwilligen Arbeitsdienst" die Männer im Wegebau, für Hochwasserfreilegungen, beim Maindurchschnitt bei Ebelsbach oder in Königsberg beim Bau eines Freibads.

Polemische Propaganda

Die polemische Propaganda durchzog alle Lebensbereiche: Der Kreis-Bauernführer forderte zu treuester Pflichterfüllung auf; versicherte, dass die Bauern geschlossen hinter dem "Bauernkanzler Adolf Hitler" stehen. Und er drohte: "Wenn von gewisser Seite in letzter Zeit gestänkert wird, wird das nicht mehr lange dauern. Man wird hier aufzuräumen wissen." Woanders hieß es, dass Gegner reif für den "Staubsauger" bei München seien.
Das Regime verstand es glänzend, Emotionen zu befriedigen. Die Inszenierung von Festen erreichte eine nie dagewesene Form. Das begann in Zeil in der Frühe mit einem Weckruf. Dann durften die Bürger auf dem Marktplatz oder in einem Saal einer Rundfunkrede Hitlers oder Goebbels' lauschen. Eine Kirchenparade mit Festgottesdienst konnte ebenso dazugehören wie ein Konzert auf dem "Ritter-von-Epp-Platz". Sonnwendfeiern wurden germanisch in Szene gesetzt.

Die Manipulation bei Wahlen blieb nicht aus: Bei einer Kundgebung im Haßfurter Zentralsaal sagte der Landgerichtsdirektor Engert aus Regensburg: "Wer am 12. November seine Pflicht nicht erfüllt, ist ausgeschlossen aus der Gemeinschaft des deutschen Volkes. Ich kann mir als deutscher Richter wohl vorstellen, daß man sehr schnell ein Gesetz schaffen würde, wonach derjenige, der am Wahltag seine Pflicht nicht erfüllt, seiner Staatsangehörigkeit für verlustig erklärt wird."

Der von den Nazis angezettelte Zweite Weltkrieg kostete etwa sieben Millionen Deutschen das Leben. Insgesamt starben im Krieg sowie durch den Holocaust 55 Millionen Menschen.

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