LKR Haßberge
Wohnen

Günstige Wohnungen entstehen im Landkreis Haßberge

Wohnraum zu fairen Preisen ist in Deutschland kaum noch zu finden. Auch im Landkreis Haßberge sind die Mieten in den vergangenen Jahren angestiegen. Einzelne Kommunen haben mit dem Bau von Sozialwohnungen begonnen.
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An der Ecke Dülbigweg/Seelohe in Knetzgau entstehen aktuell zehn staatlich geförderte Mietwohnungen. Foto: Rebecca Vogt
An der Ecke Dülbigweg/Seelohe in Knetzgau entstehen aktuell zehn staatlich geförderte Mietwohnungen. Foto: Rebecca Vogt
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Wohnen wird immer teurer. Auch 2020 werden die Mieten in Deutschland weiter steigen, schätzt der Deutsche Mieterbund (DMB). Eine Trendwende sei nicht abzusehen. Um Abhilfe zu schaffen, müssten unter anderem pro Jahr mindestens 80 000 Sozialmietwohnungen und 60 000 bezahlbare Mietwohnungen neu gebaut werden, äußerte sich Mieterbund-Präsident Lukas Siebenkotten in einer Pressemitteilung des DMB.

Auch auf dem Land haben sich die Preise für eine Wohnung in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Im Landkreis Haßberge bietet die Caritas seit mittlerweile 14 Jahren eine soziale Wohnungsbörse an, die Vermieter und Wohnungssuchende mit geringem Einkommen zusammenbringen will. Das Angebot wird vom Landkreis Haßberge gefördert. 2019 haben sich über 370 Wohnungssuchende bei "FairMieten" gemeldet, wie Sabine Wagner, die Verantwortliche der sozialen Wohnungsbörse, berichtet. "Das Angebot reicht leider nicht annähernd, um allen Anfragenden eine Wohnung anbieten zu können."

Hoher Bedarf an Wohnraum

Seit 2015 habe sich die Nachfrage nach Wohnraum erhöht und so die Lage auf dem sozialen Wohnungsmarkt verschärft. "Die angespannte Situation hat sich jüngst zwar wieder etwas entspannt", berichtet Wagner. "Problematisch wirkt sich aber der Anstieg der Miethöhen aus, der sich aufgrund der hohen Nachfrage eingestellt hat." Vor allem einkommensschwache Haushalte litten unter dem Anstieg. Außerdem fehle es an barrierefreiem Wohnraum für Senioren und behinderte Menschen, erklärt die Expertin.

Wie Wagner berichtet, ist der Bedarf an Wohnraum seit vielen Jahren sehr hoch. Vor allem kleine Wohnungen, die Platz für ein bis zwei Personen bieten, würden nachgefragt. "Aber auch Familien ab fünf Personen suchen zum Teil verzweifelt nach Mietangeboten", sagt die "FairMieten"-Betreuerin. "Nicht selten bestehen bei Vermietern auch deutliche Vorbehalte, an kinderreiche Familien zu vergeben", weiß Wagner.

Die angespannte Situation auf dem Mietmarkt wirke sich vor allem für jene Nachfragenden negativ aus, die aus Sicht von Vermietern "eher unattraktiv erscheinen". Manchen Menschen sehe man spezielle Lebenssituationen an, wie zum Beispiel eine chronische psychische Erkrankung oder etwa einen Migrationshintergrund. Diese Menschen würden dann als Nachfragende von den Vermietern rasch aussortiert, sagt Wagner.

Der Caritasverband Haßberge plant selbst aktuell auf einem Grundstück in der Brüder-Becker-Straße in Haßfurt den Bau von acht barrierefreien Einzel-Apartments, wie Geschäftsführerin Anke Schäflein berichtet. "Wir stehen schon lange in den Startblöcken. Finanzmittel sind akquiriert, die Planung, inklusive Fachplanung, ist fertig." Allerdings sei die deutsche Baubürokratie ein Bremsklotz.

Sozialer Wohnungsbau

Erste Kommunen im Landkreis sind inzwischen aktiv geworden, was den Bau von Sozialwohnungen betrifft. In der Gemeinde Knetzgau erfolgte im Herbst der Spatenstich für den Bau eines Mehrfamilienhauses am "Dülbig" (wir berichteten). Zehn Wohneinheiten sollen dort für Mieter mit geringem Einkommen entstehen. Geplant sind Ein- bis Vier-Zimmer-Wohnungen, deren Mieten sich an den Sätzen des Jobcenters orientieren (zwischen 5,33 und 5,98 Euro pro Quadratmeter). Wie Stefan Paulus (CWG/SPD), der Bürgermeister der Gemeinde Knetzgau, berichtet, laufen aktuell die Rohbauarbeiten.

Sorgen bereite ihm vor allem die Situation auf dem Baugewerbe-Markt, sagt Paulus. "Es gibt wenige Angebote. Die Handwerker sind ausgelastet. Das merken wir natürlich auch", erklärt er. Firmen und Ingenieurbüros hätten gut zu tun. "Es könnten viel mehr Wohnungen gebaut werden."

Um auch jenseits des sozialen Wohnbauprojekts weiteren Wohnraum zu schaffen, bemühe sich die Gemeinde zum Beispiel, Leerstände im Altort wiederzubeleben. Bei neu entstehenden Baugebieten achte man darauf, den Platz sinnvoll zu nutzen und möglichst kompakt zu bauen. So sollen aktuell etwa auf einem Baugebiet in der Gemeinde - anstelle der ursprünglich geplanten Einfamilienhäuser - nun Doppelhaushälften beziehungsweise Mehrfamilienhäuser entstehen.

Zuzug aus Ballungszentren

"Grundstücke stehen nicht mehr so zur Verfügung wie vor 20 Jahren", sagt Paulus. Frei werdende Baugebiete seien "ruck zuck" wieder weg. Viele Knetzgauer würden zum Beispiel zurück in ihre Heimatgemeinde ziehen. Auch aus den Ballungszentren erhalte der Landkreis Zuzug.

In der Stadt Eltmann gibt es über mehrere Wohnblocks verteilt insgesamt 65 Sozialwohnungen. Diese bestehen schon seit Jahrzehnten und wurden zwischenzeitlich wieder hergerichtet und saniert, wie Bürgermeister Michael Ziegler (CSU) berichtet. Die Nachfrage nach den Wohnungen sei in etwa gleich geblieben, sagt er. Die Stadt habe so einen gewissen Bestand an preisgünstigen Wohnungen für Leute mit geringem Einkommen. Neubauten seien von Seiten der Stadt aktuell nicht geplant.

Einkommen unter dem Schnitt

Auch in der Stadt Haßfurt ist indes ein soziales Wohnbauprojekt angedacht (wir berichteten). Es war bereits im 2018er-Haushalt vorgesehen. Wie Bürgermeister Günther Werner (WG) erklärt, ist das Projekt auch weiterhin im Haushalt eingeplant. Allerdings habe man noch nicht alle Grundstücke zusammen. Wegen der niedrigen Zinsen seien Grundstückseigentümer aktuell weniger zum Verkauf bereit.

"Aber wir sind weiter dran", betont Werner. Rund 15 Wohnungen, mit Größen zwischen 40 und 90 Quadratmetern, sollen entstehen und Platz für Single- bis Vier-Personen-Haushalte bieten.

Der Bedarf sei über die Baugenossenschaft, die es in der Kreisstadt seit 1924 gibt, grundsätzlich gedeckt. Man dürfe sich als Kommune dem Thema sozialer Wohnungsbau jedoch nicht verschließen, sagt Werner und rechnet vor: Das Durchschnittseinkommen in Deutschland liege bei rund 35 000 Euro brutto im Jahr. Der Landkreis Haßberge rangiere mit einem Einkommen von 32 000 Euro unter dem Bundesdurchschnitt. Auch mit Blick auf die künftige Entwicklung der Renten bleibe da nicht mehr viel Geld übrig, schildert Werner.

Denn: Gleichzeitig liegen die Mietkosten in der Kreisstadt bei Neubauten zwischen acht und zehn Euro pro Quadratmeter, bei Altbauten bei etwa sechs Euro, wie Werner berichtet. Zum Vergleich: Laut Statistischem Bundesamt lagen die Nettokaltmieten 2018 im Bundesschnitt zwischen rund sieben und knapp acht Euro pro Quadratmeter.

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