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Ebern
Abstimmung

Grünes Licht für das Hochregallager: Ebern stimmt mit fast 80 Prozent dem Ratsbegehren zu

Nur 24,14 Prozent der Eberner gaben dem Bürgerentscheid ihre Stimme. Mit deutlichen 79,72 Prozent stimmte die Mehrheit der Eberner für das Ratsbegehren. Die Enttäuschung bei der BI ist groß, in der Stadt Ebern herrscht Erleichterung.
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Links liegt der Firmenkomplex Uniwell, rechts die Gebäude der Metzgerei Fuchs, dazwischen (etwa hinter dem blauen Protestanhänger) liegt ein schmaler grüner Streifen. Hier wird das Hochregallager mit 21 Metern Höhe gebaut. Ein Tag der Enttäuschung für die Bürgerinitiative Eyrichshof, deren Mitglieder sich aber geschworen haben, ein waches Auge auf die Entwicklung von Uniwell und das Hochregallager zu haben. Eines Tages, so sind sie sich sicher, könnte es heißen: "Wir haben es doch gesagt..." ...
Links liegt der Firmenkomplex Uniwell, rechts die Gebäude der Metzgerei Fuchs, dazwischen (etwa hinter dem blauen Protestanhänger) liegt ein schmaler grüner Streifen. Hier wird das Hochregallager mit 21 Metern Höhe gebaut. Ein Tag der Enttäuschung für die Bürgerinitiative Eyrichshof, deren Mitglieder sich aber geschworen haben, ein waches Auge auf die Entwicklung von Uniwell und das Hochregallager zu haben. Eines Tages, so sind sie sich sicher, könnte es heißen: "Wir haben es doch gesagt..." Foto: Eckehard Kiesewetter
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Für ihre aufmerksame, ja streitbare Natur sind die Eberner bekannt. Die Kontroverse, die jetzt um das geplante Hochregallager der Firma Uniwell hochkochte, nahm auch für Ebern schon extreme Ausmaße an. An diesem Sonntag wurden Bürgerentscheid und Ratsbegehren ausgetragen mit klarem Ergebnis: Die Eberner wollen der Firma Uniwell keine Steine beim Hochregallager in den Weg legen. Das Ratsbegehren gewann. Die Bürgerinitiative gegen das Hochregallager Eyrichshof ist mit ihrem Bürgerentscheid gescheitert.

Für das Ratsbegehren stimmten in den sechs Wahlräumen und per Briefwahl 79,72 Prozent, 24,14 Prozent gaben den Bürgerentscheid ihre Stimme. Im Einzelnen stimmten die Bürger in Losberg mit 80,96 Prozent für das Ratsbegehren, mit 23,22 Prozent für den Bürgerentscheid; in Heubach waren es 80,81 Prozent/20,12 Prozent, in Fischbach waren es 53,46 Prozent/50,93 Prozent; ferner Unterpreppach 87,50 Prozent/16,89 Prozent und Jesserndorf 86,86 Prozent/19,25 Prozent für den Entscheid. Die Wahlbeteiligung lag bei 57,48 Prozent.

Der Hintergrund

733 Unterzeichner hatte beim Bürgerbegehren das Vorhaben der Firma Uniwell auf den Plan gerufen, ein Hochregallager errichten zu wollen. Es hat gewaltige Maße für das Gewerbegebiet, das unauffällig in einer Talsenke liegt. 21 Meter hoch, 230 Meter lang, soll es eigene und fremde Ware aufnehmen können. Die Stadt und die Mehrheit des Stadtrats befürworteten das Vorhaben, weil es Gewerbesteuereinnahmen und Arbeitsplätze verheißt. Es sei vollkommen normal, so der Standpunkt der Stadt, dass man einem Gewerbetreibenden bei seinen Erweiterungswünschen so weit als möglich entgegenkommt.

Die Eyrichshöfer waren geschockt zum einen von dem harschen Umgangston, den die Geschäftsführung anschlug, um zu vermitteln, dass mit ihr nicht zu verhandeln sei. Dann auch von den reinen Ausmaßen des Vorhabens; die BI liest aus dem Plan sogar noch größere Möglichkeiten heraus und sie befürchtet vor allem, dass der Betrieb des Hochregallagers sehr viel mehr Verkehrsbelastung als bisher mit sich bringen könnte. Neben der ästhetischen Sünde kämen damit Gefahren für Leib und Leben auf die Eyrichshöfer zu.

Mit großem Für und Wider, mit empfindlichen beiderseitigen Vorwürfen, wurde der Streit in den letzten Wochen öffentlich ausgetragen. Am Ende säumten von beiden Seiten Plakate die Straßen.

Blick der Stadt

Eberns Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) war vom Ergebnis nicht überrascht, habe er doch laut eigener Aussage im Kommunalwahlkampf bereits ein gutes Stimmungsbild in der Gemeinde einfangen können. "Ich habe so mit 70 Prozent gerechnet", sagt er. "Es freut mich aber, dass es so klar ist. Es ist ein Ergebnis, das für die Stadt spricht und für die Politik, die wir gemacht haben." Es zeige, dass die Mehrheit der Bürger die Meinung des Stadtrates teilt, dass sich die Firma weiter entwickeln soll und dadurch auch mehr Arbeitsplätze in der Region entstehen können. " Es wäre keine gute Werbung für den Gewerbestandort Ebern für die Zukunft der Stadt Ebern gewesen, wenn dieser Bürgerentscheid zugunsten der Bürgerinitiative ausgegangen wäre." Und ebenso mache das Ergebnis deutlich, so Hennemann weiter, dass die Belange der Bürgerinitiative "in der Gesamtschau gar nicht so hoch sind". Umso mehr hofft der Bürgermeister, dass die lange Debatte durch die demokratische Entscheidung nun endlich ein Ende findet. "Es wäre sehr schade, wenn die Bürgerinitiative jetzt gegen die Firma direkt vorgeht", sagt Hennemann.

Der Stadtrat wird kommende Woche die Satzung für die Bebauungsplanänderung beschließen und das Einvernehmen der Stadt zum Bauantrag geben, wie er erklärt. Das Landratsamt kann auf dieser Grundlage den Bauantrag genehmigen.

Es ist ein schmerzhaft deutliches Wahlergebnis für die BI. BI-Sprecher Adalbert Holzberg dankte in erster Linie Dank den 733 Bürgern, die mit ihrer Unterschrift ein Bürgerbegehren machbar werden ließen. "Wir sind nicht euphorisch - wir sind ehrlich auch in der Niederlage", erklärte Adalbert Holzberg, die bittere Stimmung in den eigenen Reihen. "Die Bürgerinitiative ist aber damit nicht beendet", unterstrich er auch. "Wir werden die kritischen Punkte wie Verkehrskonzept und Baugröße im Fokus behalten und sehr genau hinsehen", kündigte er für die BI an. Bei diesem ersten Bürgerentscheid in der Geschichte der Stadt habe sich "Bürgermeister Jürgen Hennemann als ein großer Spalter" gezeigt, sagte Holzberg, "es war eine große Enttäuschung, mit welcher brachialen Gewalt und welchem Zeitaufwand die Stadt hier ihre Entscheidung verfolgt hat." Zu dem Ergebnis, selbst im eigenen Umfeld nicht die Mehrheiten binden zu können (Fischbach hat sich zu 53,46 Prozent für das Ratsbegehren und zu 50,93 Prozent für den Bürgerentscheid ausgesprochen) sagte Holzberg, die Arbeitsplätze seien das Totschlagargument gewesen. "Wir kämpfen für mehr, gegen die Zerstörung der Landschaft und das Verkehrskonzept."

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