Haßfurt
Kultur

Großes Theater im Landratsamt

Brisantes Thema, ungewöhnlicher Spielort: "Weißes Mäuschen warme Pistole" heißt das Stück vom Theater im Gärtnerviertel (TiG), das als Gastspiel im Landratsamt Haßberge aufgeführt wird.
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Aus dem Theaterstück "Weißes Mäuschen warme Pistole" von Werner Lorenz, Bamberg: von links nach rechts: Benjamin Bochmann, Ursula Gumbsch, Stephan Bach  Foto: TiG Bamberg
Aus dem Theaterstück "Weißes Mäuschen warme Pistole" von Werner Lorenz, Bamberg: von links nach rechts: Benjamin Bochmann, Ursula Gumbsch, Stephan Bach Foto: TiG Bamberg

Seit einigen Jahren hat das Theater im Gärtnerviertel in Bamberg (TiG) eine Reihe aufgenommen, bei denen die Schauspieler an ungewohnten Orten im Stadtbereich auftreten. Nina Lorenz, die Regisseurin des TiG, hat dazu Stücke so bearbeitet, dass sie gut zum Ort passen und so eine ganz andere Atmosphäre als auf einer üblichen Bühne entsteht.

Dieses Modell will das Kulturforum Haßfurt mit dem Theater im Gärtnerviertel auch in Haßfurt auf die Beine bringen. "Wir haben uns zusammen überlegt, wo wir neue Spielorte in Haßfurt finden und sind relativ rasch auf die recht schönen Räume in den Ämtern in Haßfurt gestoßen", so Horst Hofmann, Vorsitzender des Kulturforums. Theater in Sitzungsräume und Foyers, das können die Spielstätten für eine kleine Serie von Aufführungen in Haßfurt sein.

Ein erstes Gastspiel wird das Ensemble des TiG am Dienstag, 24. September, um 20 Uhr im Sitzungssaal des Landratsamtes Haßberge am Herrenhof anbieten. Mit dem Stück von Olivia Wenzel "Weißes Mäuschen warme Pistole" bringen Nina Lorenz und die Darsteller ein brisantes Thema auf die Bühne.

"Döner-Morde" aufgegriffen

Rund zehn Jahre hatten die Rechtsterroristen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe unentdeckt in Zwickau gelebt und eine Mordserie geplant und ausgeführt: Acht türkischstämmige und ein griechischer Kleinunternehmer wurden zwischen September 2000 und April 2006 umgebracht. Die in den Schlagzeilen als "Döner-Morde" bezeichneten Taten wurden zunächst nicht aufgeklärt. Vornehmlich türkische Geschäfte traf dann ein Nagelbomben-Attentat in Köln, bei dem 22 Menschen zum Teil lebensgefährlich verletzt wurden. Auch der Mord an einer Bereitschaftspolizistin in Heilbronn blieb ebenso unaufgeklärt - bis 2011 der rechtsterroristische Hintergrund all dieser Verbrechen offenbar wurde.

Keine Dokumentation

Die Berliner Autorin Olivia Wenzel beleuchtet das Leben von Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, den Gründern des "nationalsozialistischen Untergrunds". Es ist keine Dokumentation der Ereignisse vor Ort. Vielmehr spielt es mit der Erwartungshaltung des Publikums. Um der Mythenbildung entgegenzuwirken, sucht die Autorin das Trio in seinem Zwickauer Wohnzimmer auf, wo auf der braunen Couch die rechte Revolution geplant wird.

Im laufenden NSU-Prozess stehen Aussagen gegen Aussagen, Böhnhardt und Mundlos sind tot, Beate Zschäpe hat einmal gesprochen, ansonsten schweigt sie nach wie vor und die Akten sind bis 2043 unter Verschluss, sofern sie nicht schon geschreddert wurden.

Es spielen Stephan Bach, Benjamin Bochmann und Ursula Gumbsch. Die Inszenierung, die Dramaturgie und die Ausstattung hat Heidi Lehnert erarbeitet. Die Bauten stammen von Benjamin Bochmann.

Möglichkeit zur Diskussion

Einlass zu der Aufführung ist um 19.30 Uhr am Haupteingang des Landratsamtes, Am Herrenhof 1, in Haßfurt. Die Vorstellung dauert ohne Pause etwa 65 Minuten. Im Anschluss gibt es eine Diskussionsrunde mit der Regisseurin und den Darstellern.

Karten gibt es im Vorverkauf beim Kulturamt der Stadt Haßfurt und bei der Buchhandlung Glückstein zu kaufen. Beide befinden sich in der Oberen Vorstadt in Haßfurt und beim Bibliotheks- und Informationszentrum am Marktplatz in Haßfurt. Im Vorverkauf beträgt der Eintrittspreis zehn Euro, für Schüler, Studenten und Mitglieder des Kulturforums kostet eine Karte nur sieben Euro. red

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