Kirchlauter
Erntedank

Großartiger Erntedankumzug in Neubrunn

So ein prächtiges und farbenfrohes Erntedankfest hat es im Landkreis Haßberge schon lange nicht mehr gegeben.
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Der Obst- und Gartenbauverein  Eschenau mit seiner schönen Erntekrone.Günther Geiling
Der Obst- und Gartenbauverein Eschenau mit seiner schönen Erntekrone.Günther Geiling
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Der letzte Kreiserntedankzug fand nämlich vor zwölf Jahren statt. Bei schönstem Herbstwetter mit blauem Himmel und angenehmen Temperaturen kamen am Wochenende Tausende von Gästen in den kleinen Haßbergort Neubrunn, um hier einen Erntedankzug mit über 50 Wägen und Fußgruppen sowie über 800 Teilnehmern zu erleben.

Viele weitere Bilder des Erntedank-Umzuges gibt es hier

Die vielen Besucher waren begeistert und spendeten den aktiven Teilnehmern immer wieder großen Beifall. Selbst Bauernverbandspräsident Walter Heidl staunte: "Einen Erntedankzug in dieser großen Form gibt es in Südbayern nicht!"

Stimmungsvolle Hinweise

Schon bei der Anfahrt nach Neubrunn wurde auf Strohballen mit Plakaten auf die Bedeutung der Landwirtschaft für die Gesellschaft und den Einsatz der Bauern für die Ernte und für gesunde Lebensmittel hingewiesen. Neubrunn hatte sich richtig fein herausgeputzt, und die Organisatoren hatten alles bestens vorbereitet für ein richtigen Ansturm der Besucher aus dem Landkreis Haßberge und weit darüber hinaus.

Große Kirchenparade

Der große Erntesonntag begann mit einer Kirchenparade durchs Dorf und dem Festgottesdienst in der Kirche St. Andreas und St. Katharina, den Bischof a.D. Friedhelm Hofmann mit Pfarrer Dr. Matthias Rusin und Diakon Joachim Stapf zelebrierte. Dabei wurde als älteste Dorfbewohnerin auch die 99-jährige Frieda Geißendörfer willkommen geheißen.

Dank für die Ernte und für die Mitmenschlichkeit

Bischof Friedhelm Hofmann stellte in seiner Festpredigt die Bedeutung des Erntedankfestes heraus, dass man Gott loben dürfe für das vergangene Jahr, für die Ernte, aber auch die Mitmenschlichkeit. Die Kirche sei ja derzeit sehr unter Druck und dabei müsse man sich auf das Wesentliche besinnen, auf Jesus Christus. Er könne der Impulsgeber sein und seine Gemeinschaft müsse zum Türöffner werden.

Der heutige Sonntag sei aber auch eine gute Möglichkeit auf die wunderschöne Erde zu blicken. Dabei wisse man auch um die Gefährdung durch zerstörerische Eingriffe in diese Schöpfung. "Wir sind aufgerufen, die Welt zu gestalten und für Nahrungsmittel zu sorgen." Leider stehe bei manchen auch oft nur der Profit im Vordergrund. Die Fülle der Farben und jedes kleine Blatt am Baum sei doch ein einziges Wunderwerk. Dieses Wunder gelte es zu erkennen und hierin liege das eigentliche Problem unserer Zeit. Staunen sei ebenso ein Grundprinzip des Glaubens und Gott als den guten Hirten sollte man nicht aus den Augen verlieren.

800 Teilnehmer beim Umzug

Höhepunkt war dann der große Erntedankzug mit über 800 Teilnehmern durch den Ort in die gute Stube der Dorfstraße und des Dorfplatzes, der durch die vielen Besuchern nahezu aus den Nähten platzte.

Kreisbäuerin Cäcilie Werner betonte bei ihrer Begrüßung, dass die Landwirtschaft von heute eine nachhaltige Landwirtschaft sei, die sich dem Schutz der Schöpfung verpflichtet fühle. Aber auch der Verbraucher sollte daran denken, woher die Lebensmittel kämen und was an Geld bei den Landwirten ankomme. 55 Kilogramm Lebensmittel würden pro Person weggeworfen. Der Verbraucher gebe nur 10,3 Prozent seines Einkommens für Lebensmittel aus, während es in Kroatien 30 Prozent seien. 98 Prozent der Menschen glauben zu wissen, wie Landwirtschaft gehe, aber nur zwei Prozent der Bevölkerung seien auch wirklich Landwirte. So sei das Erntedankfest ein Appell, die Lebensmittel wertzuschätzen.

Bürgermeister Karl-Heinz Kandler freute sich über die vielen Besucher. Die Organisatoren und Bürger hätten ihren Ort auf Hochglanz gebracht. Den Landwirten wünschte er eine bessere Ernte als 2019.

Bischof a.D. Friedhelm Hofmann zeigte sich begeistert und meinte: "Es ist toll, wie Sie diesen Tag vorbereitet haben. Schöner könnte es einfach nicht sein in dieser Vielfalt." Wichtig sei auch der Austausch und die Begegnung in einer Gemeinschaft, die hier sichtbar werde. Es sollte die Dankbarkeit gegenüber Gott zum Ausdruck komm, denn die Dinge wachsen nicht allein.

Dem schloss sich Landtagspräsidentin Barbara Stamm an. "Es ist großartig, was hier auf die Beine gestellt worden ist. Wir im politischen Raum sind froh, dass wir den ländlichen Raum, die bäuerlichen Familienbetriebe und die Landfrauen haben. Wir wissen auch, was es bedeutet, wenn sich Menschen engagieren. So sollten auch die Verbraucher zu den Landwirten stehen, die die Kulturlandschaft erhalten und auch für gesunde Nahrungsmittel sorgten.

"Einen Erntedankzug in dieser großen Form gibt es in Südbayern nicht", gab auch Walter Heidl, der Präsident des Bayerischen Bauernverbandes, sein Erstaunen zum Ausdruck und erwähnte unter den vielen Gruppen auch die "Fleisch- und Wurstfreunde" aus Ebern, die quasi einen Gegenpol zu manchen Entwicklungen in der Gesellschaft darstellten. "Zum Dank gehören auch Gesundheit, der Arbeitsplatz und eine funktionierende Dorfgemeinschaft wie hier in Neubrunn. Es ist wichtig, dass wir uns bewusst sind, dass jeder einen Grund hat, entsprechend dankbar zu sein."

Schwierige Zeiten für die Landwirtschaft

Die Landwirtschaft stehe derzeit in schwierigen Zeiten und in Bayern liege der diesjährige Ertrag elf Prozent unter dem normalen Durchschnitt. Franken sei ja noch stärker betroffen. In anderen Bundesländern gehe der Ausfall bis zu 26 Prozent. Bei den Politikern bedankte er sich für die unbürokratische Hilfe, die allerdings noch nicht alles abdecke. Einzelne Betriebe kämen nämlich in Existenznöte und hier müsse man noch etwas machen.

Falsche Preisgestaltung

Wenn jetzt Nahrungsmittel teurer würden, liege das zum Teil auch am Weltmarkt. Leichte positive Preisbewegungen müsse man aber auch richtig einschätzen. "Wenn der Preis des Semmels jetzt ansteigt, muss man auch wissen, dass der Weizen nur ein Prozent am Semmelpreis ausmacht. Auch wenn wir das Getreide herschenken würden, wäre der Semmel nicht billiger." Ähnlich wäre es beim Bier mit dem Hopfen. Für einen halben Liter Bier mache der Hopfen nicht einmal den Preis für einen Kronkorken aus.

Präsident Heidl ging aber auch auf die Trockenheit in diesem Jahr und meinte, dass die Landwirtschaft sich auch an der zukünftigen Entwicklung des Klimas orientieren müsse. Aber das gehe nicht von heute auf morgen "und bei Waldbauern gehe das über Generationen."

Der Erntedankzug hatte bei ihm großen Eindruck gemacht und vor allem auch die Darstellung der verschiedenen landwirtschaftlichen Themen. "Hier konnte man deutlich sehen, wie Gemüse aussieht, wenn es genug zu trinken bekommt. Vieles zeigte uns aber auch, dass es nicht selbstverständlich ist, einen voll gedeckten Tisch zu haben. Wir müssen uns auch bewusst sein, dass hier die Regionalität auf dem Spiel steht. Unser großes Anliegen ist es dabei, auch den Bürger und Verbraucher als unseren Partner zu haben."

Auch den Hinweis auf die Tierhaltung und den Tierschutz ließ er nicht aus und kritisierte, dass die moderne Tierhaltung oft nur als Massentierhaltung hingestellt werde. Natürlich stünden vielleicht 120 Kühe in einem Stall, aber in einem modernen Laufstall "und dann entscheiden sie einmal, wo sie lieber Kuh sein wollten." Beim Blick auf die vorbeifahrenden Oldtimer an Schleppern gehe es ihm fast ähnlich. Natürlich würden viele am Sonntag gerne mit ihren "Oldies" spazierenfahren. Am Montag damit aber auf dem Acker arbeiten, wolle bestimmt niemand mehr. "Auch hier brauchen wir moderne Technik auf dem Bauernhof."

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