Burgpreppach
Gefahrengut-Fund

Granate ruhte unterm Dach eines versteigerten Hauses in Burgpreppach

Die neue Eigentümerin der Schneidmühle in Burgpreppach entdeckte in Räumen, die der frühere Besitzer noch nutzt, eine Granate. Die war aber harmlos. Die Staatsanwaltschaft ermittelt dennoch wegen des früheren Besitzers. Auch sonst steckt in dem Fall viel "Sprengstoff".
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So stand die Granate am Samstagnachmittag in der Dachgeschoss-Wohnung herum. Fotos: Ralf Kestel
So stand die Granate am Samstagnachmittag in der Dachgeschoss-Wohnung herum. Fotos: Ralf Kestel
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An Kummer hat sie sich gewöhnt: Seit sie das Anwesen des früheren Bürgermeisters Karlheinz Denninger vor fast zwei Jahren ersteigert hat, kommt Margit Böhm (48) kaum zur Ruhe. Nicht nur, dass der frühere Eigentümer des Sägewerkes wegen seiner greisen Mutter das Feld nicht räumt, am Samstagnachmittag machte sie noch eine erschreckende Entdeckung: Hinter der Fensterfront eines ungenutzten Dachstudios stand plötzlich eine Granate - Kaliber 10,5 Zentimeter - die am Montag von Experten des Sprengmittel-Räumkommandos aus Feucht abgeholt wurde.

Eine neuerliche Eskalation in einem Verfahren, das seit Oktober 2012 Gerichte und Anwälte beschäftigt. Denn die Granate stand in einem Bereich des Hauses, der für die Eigentümerin bislang nicht zugänglich ist, da Denninger auf sein Bleiberecht pocht und ihr den Zutritt bislang stets verweigerte, sie bisweilen sogar hinaus bugsierte.
Selbst als ein Gerichtsvollzieher dabei war.

Wegen der beantragten Zwangsräumung, die vom Amtsgericht in Haßfurt bereits angeordnet worden war, steht aufgrund einer eingelegten Rechtsbeschwerde am Donnerstag am Bamberger Landgericht eine neuerliche Verhandlung auf der Tagesordnung.

Verfassungsgericht winkte ab

Dort ist Denninger schon mit früheren Beschwerden gescheitert, ebenso wie mit einer Eingabe beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, die dort gar nicht angenommen wurde.

Die Wohnung, die Karlheinz Denninger mit seiner 93-jährigen Mutter bewohnt, kennt die aus Neuburg an der Donau stammende Pferdeliebhaberin nur von einem fünfminütigen Besuch unmittelbar nach der Versteigerung am Amtsgericht in Bamberg am 5. Oktober 2012. "Ich habe die Räume aber noch genau in Erinnerung, und auch schon im Kopf, wie ich sie einrichten werde. Mei gfrei ich mich da drauf."

Die Powerfrau, seit 30 Jahren verheiratet, schöpft wieder Hoffnung. Seit 1. Juli ist sie komplett von der Donau in die Haßberge umgesiedelt, hat ihr Anwesen in Neuburg verkauft und auch schon einige ihrer Pferde und Kutschen nachgeholt. Die Koppeln sind schon aufgebaut.

Vom "Hausbesetzer", so dessen Nachfolger, Bürgermeister Hermann Niediek (CSU), trennen sie nicht nur ein paar Wände und ein Stockwerk, sondern auch ein Bauzaun, der entlang des Zugangs zu beiden Wohnungen aufgestellt wurde. "Sicher ist sicher", meint Böhm.

Mit Leiter aufgestiegen

Der Granatenfund geht auch nur auf eine Besteigung des Balkons vor dem Dachstudio mittels einer Leiter zurück. Den selben Wege nutzten denn auch die aus Ebern herbeigerufenen Polizeibeamten, die zunächst auch nicht schlecht über den provokativ aufgestellten Sprengkörper staunten.

Nach Auskunft des Sprengkommandos handelt es sich um eine Panzergranate aus dem Ersten Weltkrieg. "Die Granate war nicht mehr mit Sprengstoff gefüllt und der Zünder nicht mehr funktionsfähig, sodass zu keiner Zeit eine Gefahr für Leib und Leben oder Sachwerte gegeben war, " so die offizielle Einschätzung der Polizei in Ebern vom Dienstag nach den Experten-Untersuchungen.

Die Staatsanwaltschaft Bamberg habe dennoch die Ermittlungen wegen eines Verstoßes nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz aufgenommen, "insbesondere hinsichtlich der Verantwortlichkeiten des letzten Besitzers", so der stellvertretende Eberner Dienststellenleiter Siegbert Weinkauf auf Nachfrage unserer Zeitung.

Die Granate war nicht die erste Überraschung seit der Versteigerung. Wie Margit Böhm auflistet, die das Anwesen, das laut Gutachten 450.000 Euro wert sein sollte, für 270.000 Euro ersteigert hatte. Weil der angeblich vorhandene Kanalanschluss vom damaligen, überschuldeten Bürgermeister nie ausgeführt worden war, musste sie 35.000 Euro an Kanal-Ergänzungsbeiträge an die Gemeinde nachzahlen, zudem 16.000 Euro fürs (über-) fällige Hebewerk, 16.000 Euro für die Betonböden, 10.000 Euro für eine Mistgrube.

Enorme Nebenkosten

Die Heizung muss komplett ausgetauscht werden und der ungeliebte Untermieter sorgt auch für diverse Nebenkosten "Der hat 10.000 Kilowatt in einem Jahr verbraucht", las Böhm an den zum Teil antiken Zählerkästen und den Rechnungen des Energieversorgers ab.

So viel Ärger. "Ich würd's trotzdem noch einmal steigern", klingt Vorfreude an. "In 14 Tagen prangt der Name unserer Ranch auf dem Schild, das einst den Namen des Sägewerkes anzeigte."
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