LKR Haßberge

Glatteis im Landkreis Haßberge: Streuen, aber womit?

Wenn es auf Straßen und Gehwegen glatt wird, greifen viele noch zum Streusalz. Dabei gibt es längst wirkungsvolle Alternativen, die Natur und Tiere nicht belasten. Asche, Sand und Splitt funktionieren zwar, haben aber ihre Nachteile.
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Tierärztin Barbara Rakow untersucht die kleine Lotti. Das schwarze Fellknäuel mag den Untersuchungstisch nicht so gerne. Foto: Lucie Homann
Tierärztin Barbara Rakow untersucht die kleine Lotti. Das schwarze Fellknäuel mag den Untersuchungstisch nicht so gerne. Foto: Lucie Homann

und Matthias LitzlfelderWenn der Taureif auf dem Asphalt glitzert und das morgendliche Gassigehen zur Rutschpartie wird, dann ist die Allzweckwaffe schnell zur Hand: Streusalz. Aus dem Keller geholt und über das Glatteis geschüttet, greift die handelsübliche Zusammensetzung aus Natriumchlorid, also Koch- oder Steinsalz, Eis zuverlässig an und bringt es innerhalb weniger Minuten zum Schmelzen.

Aber gerade diese ätzende Wirkung birgt eine große Gefahr. Denn Salz greift nicht nur Eis und Schnee an, es schadet auch Bäumen und Tieren. Das Natriumchlorid gelangt mit dem Schmelzwasser in Boden oder Gewässer und verändert dort den Nährstoffhaushalt, das Grundwasser versalzt. So nehmen Pflanzen das Salz direkt mit dem Wasser auf. Die Folge: Die Wurzeln arbeiten nicht mehr richtig, und die Bäume am Straßenrand verdursten spätestens in den immer dürrer werdenden Sommern. Neben den Glatteiseinsätzen hat die Straßenmeisterei Zeil in den Wintermonaten daher alle Hände voll zu tun, das "Lichtraumprofil" der Bundes- und Staatsstraßen zu erhalten. Das Lichtraumprofil beschreibt den "lichten Raum" auf dem Fahrweg und dient bei der Straßenplanung als konstruktive Vorgabe für die Bemessung der vorgesehenen Fahrzeuge.

"Auch wir merken, speziell durch die trockenen Sommer, dass trockene Bäume an der Fahrbahn entstehen und wir versuchen jetzt natürlich, alle zu beseitigen", meint Franz Diem, Hauptstraßenmeister der Einrichtung des staatlichen Bauamtes Schweinfurt in Zeil.

Haustiere leiden unter dem Salz. Es greift Hundepfoten an. Speziell die sensible Haut der Zehenzwischenräume reagiert mit Rötungen und Ekzemen. Gegen den Juckreiz an den entzündeten Stellen lecken die Tiere, was die Haut nur weiter reizt. "Dort Spazierengehen, wo nicht gestreut wird. Zur Not auch mit dem Auto dorthin fahren", rät Barbara Rakow, Tierärztin in Zeil. "Und nach dem Gassigehen unbedingt Pfoten abwaschen und gründlich trocknen." Für besonders empfindliche Vierbeiner oder bei akuten Erkrankungen empfiehlt die Tierärztin Hundeschuhe, um die Pfoten vor dem aggressiven Taumittel zu schützen - "das mag aber nicht jeder Hund", fügt sie hinzu.

Eine weitere Nebenwirkung von Streusalz sind die Schäden an Gebäuden, häufig in Städten. Vor allem Natursteinfassaden reagieren äußerst empfindlich, weil sie das Salzwasser wie ein Schwamm aufsaugen. Verdunstet später das Wasser, bleibt eine Salzkruste zurück, die den Stein langsam zersetzt.

Dabei ist dieses Kochsalz je nach Strenge des Winters nur bedingt erfolgreich. Fallen die Temperaturen unter minus zehn Grad Celsius wird es schwierig. Dann bleibt das Glatteis.

So mancher kommunale Winterdienst greift in dieser Situation zu Chlorcalzium oder Magnesiumchlorid. Beide sind zwar wirksamer, dafür aber noch viel umweltschädlicher. Auch die Straßenmeistereien versuchen durch die Verwendung von Sole, eine Salzlösung, den Salzverbrauch zu verringern. Nach Angaben des bayrischen Verkehrsministeriums konnte der Verbrauch durch den Einsatz von Sole jährlich um 30 Prozent gesenkt werden. Da es für die öffentlichen Straßen noch keine zuverlässige Alternative zum Einsatz von Streusalz gibt, fällt die Schaden-Nutzen-Abwägung zu Gunsten der auftauenden Salze. Für Verbraucher gibt es umweltfreundlichere Alternativen.

Streusalz wird streng reguliert

Salz gehört in die Suppe und nicht auf den Gehweg, fordert der Bund Naturschutz (BUND) in Bayern. Und auch das Umweltbundesamt appelliert an die Verbraucher, sich umzustellen und Streusalz durch Alternativen zu ersetzen. In vielen Kommunen ist das Streuen von Salz bereits verboten oder zumindest eingeschränkt. Die Verordnungen von Haßfurt und Oberaurach erlauben wortgleich das Streuen von Tausalz nur bei "besonderer Glättegefahr (zum Beispiel an Treppen oder starken Steigungen)".

Statt auf auftauende Streumittel sollten die Verbraucher besser auf abstumpfende Materialien setzen. Diese schmelzen das Eis zwar nicht, verhindern beim Streuen aber direkt die gefährliche Glätte.

"Meine Mutter hat früher immer die Kaminasche auf den verschneiten Gehweg geworfen", erinnert sich eine Zeiler Passantin. Nach Kriegsende wurde Asche häufig als Streumittel eingesetzt. Und Asche wirkt bis heute - macht aber richtig Dreck an Schuhen und in Wohnungen.

Viele Kommunen empfehlen Sand. Der ist preisgünstig und umweltverträglich. Die kleinen Körner stumpfen aber die Glätte nur mäßig ab. Daneben hat der Sand noch zwei andere Nachteile: Sand hängt sich leicht an die Schuhsohlen und man muss ihn nach dem Tauen mühsam von den Wegen kehren. Am Schlimmsten aber ist: Empfindliche Untergründe, sprich die teure Schieferfliese, werden abgeschliffen wie von einem Schmirgelpapier.

Splitt ist ebenfalls preisgünstig. Viele Gemeinden stellen Streugutkisten bereit, an denen sich Verbraucher kostenlos die nötige Menge nehmen können. Splitt ist griffiger und einfacher zu handhaben. Allerdings hat er einen entscheidenden Nachteil: Für Tierpfoten sind die spitzen Steinchen sehr unangenehm, für Radreifen je nach Körnung schädigend.

Es gibt kein ideales Streumittel

Zu empfehlen sind daher mürbe Produkte, die sich beim Darauftreten leicht zerdrücken. Die Baumärkte bieten mittlerweile viel Auswahl. Experten empfehlen Blählava. Die Körner dieses natürlichen Lavagranulats sind so abgerundet, dass sie weder Hundepfoten verletzen, noch Fahrradreifen springen lassen oder aufschlitzen. Nach dem Abtauen werden sie mit dem Straßenkehricht eingesammelt, nochmals verwendet oder entsorgt.

Es gibt nur einen kleinen Haken. "Aufgrund der geringen Anzahl an Vulkanen und fehlender Abbaugebiete in Deutschland ist es nicht unbedingt die geeignete Wahl", meint Manuel Fernández, beim BUND in Berlin zuständig für Chemikalienpolitik, auf Anfrage.

Ob der Transport eines solchen global verfügbaren Rohstoffs mit dem Schiff nach Deutschland unter Umweltgesichtspunkten zu verantworten ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. "Beim Kauf von Streugut sollten Verbraucher nur zu solchen Angeboten greifen, die den Blauen Engel tragen", empfiehlt ein Sprecher des Umweltbundesamts. Davon gibt es eine ganze Reihe, auch Blählava. Unter"www.blauer-engel.de" und dem Stichwort "Streumittel" können sich Verbraucher über alle Möglichkeiten informieren.

Das Zauberwort bei allen Streugutmitteln lautet Maß halten: so wenig wie möglich, aber soviel wie nötig.

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