Das Oldtimer-Jahr kennt zwei Phasen. Zum einen den Winter: Da wird gebastelt, geschweißt und restauriert was das Zeug hält. Zum anderen die restlichen drei Jahreszeiten. Denn vom Frühling bis in den Herbst hinein finden bundesweit die unzähligen Oldtimertreffen statt, auf denen die ganze Arbeit vom Winter - hochglanzpoliert - präsentiert wird.
Eine Hochburg der Oldtimertreffen in der Haßbergregion ist in jedem Fall Frickendorf. Zum 13. Mal veranstalten die "Motorradfreunde Frickendorf" ihre weithin berühmte Zusammenkunft. Aus allen Richtungen rollen die blank geputzten Wägen an. Mancher Sammler befördert gleich mehrere auf einmal; ein Traktor hat zwei weitere im Schlepptau.

Dröhnende Motoren


Die Geräuschkulisse ist einmalig: Es tuckert, es knattert, es röhrt. Auch diejenigen, die ihren Parkplatz schon gefunden haben, lassen für ihre Bewunderer immer wieder gerne den Motor an. Schönheit ist eben nicht alles - auch der Sound muss passen.
Die historische Baunachbrücke ist an diesem Tag die Bühne der Oldtimerfahrer. Einer nach dem anderen bahnt sich seinen Weg durch die Menschenmassen, die immer wieder auseinander weichen, um die oft wuchtigen Wägen durchzulassen. In der Nähe der Anmeldung steht ein karminroter Cadillac deVille, an dem niemand vorbeigehen kann, ohne zu staunen. Unter der Windschutzscheibe liegt ein Papier mit den Angaben: 8 Zylinder, 7700 Kubikzentimeter Hubraum, 380 PS. "Ein richtiger Ami-Schlitten", sagt ein begeisterter Mann zu seiner Frau.
Auch auf der Wiese rechts von der Brücke steht ein ähnlich riesiges "Schiff". Ein Monterey aus den 60ern der Marke Mercury, die zum Ford-Konzern gehörte. Die Luxusaustattung mit hochwertigen Armaturen und den ledernen Sitzbänken bringt vor allem die Frauen ins Schwärmen.

Weibliche Formen


Als "weiblich" gilt auch eines der Ausstellungstücke: Der Opel Rekord C, "der beste Rekord aller Zeiten", hat im Vergleich zu seinem Vorgängermodell ein komplett neues Karosserie-Design verpasst bekommen, das sich vor allem in Rundungen im Heckbereich äußert. Das Hinterteil des Opels wird von Verehrern deshalb liebevoll als "Hüftschwung" bezeichnet. Obwohl der Wagen in Frickendorf, ein "Coupé 19S", schon 1971 vom Band rollte, war er werkseitig bereits mit einem Automatikgetriebe ausgestattet.
Der Aha-Effekt - die Erkenntnis, was sich in den letzten Jahrzehnten in der Autoindustrie getan hat - kommt aber erst im Nachhinein, wenn man in sein eigenes Auto steigt: "... ist der aber leise!"