Ebern
Gin-Tasting

Gin und Geschichten: Star-Tenor lobt Eberner Veranstaltung in höchsten Tönen

Bei der Winterszeit zu Schloss Eyrichshof bekamen Genießer eine Einführung in die Geschichte des Wacholder-Schnapses. Dabei wurden fünf Sorten probiert.
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Evi Stenz und Baron Hans von Rotenhan bei der Präsentation der fünf Gin-Sorten, die beim Gin-Tasting im Salon von Schloss Eyrichshof verkostet wurden. Foto: Ralf Kestel
Evi Stenz und Baron Hans von Rotenhan bei der Präsentation der fünf Gin-Sorten, die beim Gin-Tasting im Salon von Schloss Eyrichshof verkostet wurden. Foto: Ralf Kestel

Ob's eine Adelslinie zum britischen Königshaus gibt? Anglo-/Irophil gibt sich das Schloss an der Baunach nicht erst im nächsten Jahr beim Rösler-Open-Air, da sich mit Angelo Kelly und Rea Garvey Gäste von der Insel angesagt haben. Auch bei der Winterszeit, die am Wochenende Tausende in den Eberner Stadtteil lockte, spielten das Vereinigte Königreich und Inseln eine Rolle, so etwa beim Gin-Tasting im Salon des Prachtbaues, das sechsmal angeboten wurde und Genießer und einen Star-Tenor zusammenführte. Sie lauschten den Ausführungen von Evi Stenz aus Hersbruck, die in die Geschichte des Gins und seiner Sorten eintauchte, sowie den Lesungen von Baron Hans von Rotenhan, der aus zwei Büchern rezitierte. Der gebürtige Rentweinsdorfer, der 40 Jahre auf den Balearen lebte und in einer Anwaltskanzlei für Immobilienversteigerungen verantwortlich zeichnete, trug wortgewaltig Passagen aus seinem Buch "Mallorca ist anders, Ibiza erst recht" vor, augenzwinkernd und mit einem kräftigen Schuss Selbstironie versehen, da er als Protestant und Lektor schon fürchtete, dass die erzkatholischen Spanier die Inquisition einschalten.

Fünf verschiedene Gin-Sorten

Mittlerweile lebt von Rotenhan in Berlin, fliegt aber einmal im Monat nach Mallorca, um geschäftliche Dinge zu regeln. Sein erster Flug erfolgte aber aus ganz anderem Antrieb: "Ich bin nach Ibiza ausgewandert, weil das der beste Ort ist, um nicht erwachsen werden zu müssen."

Geistreich war auch das Rahmenprogramm zur Lesung, da fünf verschiedene Gin-Sorten gereicht und erklärt wurden. Evi Stenz ging auf die Ursprünge des edlen Getränkes ein. Dieser Wacholderschnaps wurde zunächst von einem französischen Arzt als Medizin gegen Magenbeschwerden erfunden. William III. förderte nach seiner Besteigung des britischen Throns die Herstellung, indem er auf Wacholder-Schnaps keine Steuern erhob, stattdessen französische Alkoholika wie Cognac mit erhöhten Zöllen belegte.

Reise durch die Destillerien

Während draußen vor den Fenstern die bebilderte Zeitreise von Norbert Wirner auf die Schloss-Fassade projiziert wurde, startete Evi Stenz ebenfalls durch die Jahrhunderte, die Destillerien von West-Yorkshire bis Edinburgh sowie durch die Geschmacksrichtungen und Rezepturen mit Sellerie, Heidekraut und Rose oder Orange mit Schoko. Sie empfahl zum Gin neben Tonic-Water auch Sekt oder Tomatensäfte - bei einem Alkoholgehalt bis zu 46 Prozent durchaus empfehlenswert. Im Schloss-Salon gab es schottische Bacon-Chips und Happen mit Leberwurst oder Schmalz.

Mit dem Gin-Act von 1791 entwickelte sich der Schnaps zum Getränk der gehobenen Gesellschaft. Die Schwarzbrenner hatten mit ihrem Badewannen-Gesöff keine Chance mehr. Wie bei den Heckenwirtschaften und dem Frankenwein signalisierten Symbole von schwarzen Katern (Tomcats), wo gerade am Getreidebrand gearbeitet wurde.

Ab 32 Euro aufwärts

Und letztlich erfuhren die Koster, dass der London Dry im Vergleich zum Dry Gin als hochwertiger gilt, was die Koster auch an den Kosten für eine Flasche (32 Euro aufwärts) ablesen konnten.

In den höchsten Tönen lobte ein Nürnberger die Veranstaltung: Alexander Herzog, das deutsche Mitglied der zwölf Tenöre, der sich in Eyrichshof noch einmal entspannte, ehe er fürs nächste halbe Jahr auf Welttournee geht.

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