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Wintermarkt

Gigantische Lichtinstallation: Wirner leuchtet den Ebernern heim

Im Schloss-Areal zu Eyrichshof erwartet die Besucher am Abend ein Spektakel mit Spektralfarben.
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Im Zeitraffer geht es bei der Lichtinstallation im Schloss-Areal zu Eyrichshof von der Amöbe über Mammut und Dinosaurier durch die Hochkulturen bis zur Startrampe des Raum-Shuttles von Cape Canaveral. Foto: Matthias Hoch
Im Zeitraffer geht es bei der Lichtinstallation im Schloss-Areal zu Eyrichshof von der Amöbe über Mammut und Dinosaurier durch die Hochkulturen bis zur Startrampe des Raum-Shuttles von Cape Canaveral. Foto: Matthias Hoch
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Das Beste kommt nicht zum Schluss, aber erst bei Einbruch der Dämmerung: Eine gigantische Lichtinstallation an der schmucken Südseite des Rotenhan-Schlosses bildet einen optischen Kontrapunkt zum geschäftigen Treiben bei der dritten Winterszeit, die vom morgigen Freitag bis Sonntag, 19 Uhr, Tausende ins Adels-Areal locken wird. Ein Spektakel mit Spektralfarben.

Mit modernster Technik und nach vielen Tagen der Vorbereitung führt Norbert Wirner die Besucher auf eine philosophisch angehauchte Zeitreise durch die Evolution. Im Zeitraffer geht es von der Amöbe über Mammut und Dinosaurier durch die Hochkulturen bis zur Startrampe des Raum-Shuttles von Cape Canaveral.

Und mit der ersten Animation auf der Schlossfront beginnt auch ein Kopfkino. Die Bilder wecken Assoziationen: Die Uhren erinnern an Pink Floyds "Time", der Abstecher ins All an das Album-Cover von Manfred Manns "Solar fire". Da verwundert es nicht, dass zum Pharao "Walk like an Egyptian" von den Bangles aus den großen Lautsprecher-Boxen tönt. Jules Verne's "Reise um die Welt in 80 Tagen" lässt grüßen, komprimiert auf neun Minuten Spieldauer.

Zum (Licht-)Künstler mutiert

Die Erschaffer dieses animierten Kunstwerkes haben sich viel Mühe gegeben bei den Vorbereitungen. Norbert Wirner und seine Lebensgefährtin Susanne Memmert mieteten sich vor rund 20 Jahren beim Schossherren, Baron von Rotenhan, ein und entwickelten dabei ein symbiotisches Verhältnis.

Wirner, ein gebürtiger Berliner, der in Regensburg als renommierter Immobilienmakler tätig war, schöpfte immer tiefer in seinen kreativen Potenzialen. Es begann mit einem beleuchteten Eisblock im Schlosshof, und danach mutierte Wirner komplett zum (Licht-)Künstler, der zuletzt bei "Zeil leuchtet" anlässlich der 1000-Jahr-Feier aufhorchen (besser: aufschauen) ließ. Die Inspiration zu diesem Abend hatte sich Zeils Bürgermeister Thomas Stadelmann vor genau einem Jahr bei der Winterszeit im Eyrichshöfer Schlosspark geholt.

Jetzt ist alles monumentaler

Zwölf Monate später ist alles monumentaler. "Ich habe mir zwei Hochleistungs-Projektoren gekauft. Ich liebe große Dinge, und die Schlossfassade ist so ein großes Ding", schwärmt der 50-Jährige über sein aktuelles Projekt, das einen enormen technischen Aufwand erfordert: Drei Computer, zwei Bildschirme und drei Mischpulte füllen den Leitstand im Schlosspark auf fünf Ebenen, dazu einige Gasflaschen und Feuerlöscher sowie unzählige Kabeltrommeln.

Das Video ist auf den Millimeter auf die Schlossfassade abgestimmt, die Lichtstrahlen lasern jede Mauerfuge. Rund 200 Stunden hat Susanne Memmert, die im Hauptberuf bei der Werbeagentur Marcapo beschäftigt war, für die Programmierung investiert.

"Das ist komplett ihr Metier. Sie hat 99 Prozent der Grafik ausgeführt", sagt Wirner. Er selbst zeichnet für Idee und technische Umsetzung verantwortlich sowie als Erzähler.

Trotz aller Elektronik: "Da steckt viel Handarbeit drin", betont Wirner. Für so manche Animation wurden 60 Bilder in der Sekunde aneinandergereiht. "Fast wie beim Zeichentrickfilm von Walt Disney", scherzt der Lichtkünstler. 18 spezielle Computer-Grafikprogramme kamen dabei zum Einsatz, die Musik dazu wurde auf die Sekunde abgestimmt.

Drei Veranstaltungstage

Die Lichtkunst wird an den drei Veranstaltungstagen, an denen die rund 120 Aussteller im Schloss, in den Nebengebäuden, im Schlosspark sowie im Guts- und Schlosshof ihre Waren präsentieren, bei Einbruch der Dämmerung, also nach 17 Uhr, im Zehn-Minuten-Takt gezeigt. "Ich brauche die totale Dunkelheit", erklärt der Strahle(n)mann und ärgert sich, wenn in einem Schlossfenster ein Licht aufleuchtet. So eine Konkurrenz braucht's nicht.

Auch bei der Illumination von Schloss- und Gutshof hat sich Wirner Gedanken gemacht: "Die Beleuchtung der Stände erfolgt heuer in Grün-Orange." Eine Reminiszenz an saftiges Grün, das ob der langen Trockenperiode heuer oft vermisst wurde, sowie an das gold-gelbe Laub des Herbstes.

Große Zukunftspläne

Norbert Wirner hat noch viel vor. So haben sich Kulturdezernenten und -amtsleiter aus verschiedenen bayerischen Städten zur Winterszeit angesagt, um sich sprichwörtlich ein Bild vom Werk des Künstlers zu machen. In Ebern selbst, wo er schon die Innenstadt wie auch die Eiswiese in ein Farbenmeer getaucht hat, wird der Wahl-Eyrichshöfer im November bei einer weltweiten Aktion zur Abschaffung der Todesstrafe beteiligt sein. Und auch die bunten Abende des Kulturrings will Norbert Wirner ins rechte Licht setzen.

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