Eyrichshof

Giftige Satirepfeile gen Haßfurt abgefeuert - und zurück

Seitenhiebe, verbale Schläge unter die Gürtellinie, Häme und Spott und doch nur gute Laune verbreitet: Die Altneihäuser Feierwehrkapell'n in Eyrichshof.
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Einzug der Gladiatoren: Die Altneihäuser Feierwehrkapell'n kündigte sich selbst an. Foto: Helmut Ölschlegel
Einzug der Gladiatoren: Die Altneihäuser Feierwehrkapell'n kündigte sich selbst an. Foto: Helmut Ölschlegel
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Ist das schon große Kunst? Da zieht einer über sein Publikum her, veräppelt es nach Strich und Faden, übergießt es mit Häm e und Spott und die Opfer amüsieren sich darüber köstlich. So skurril das Outfit der Altneihäuser Feierwehrkapell'n, so bemerkenswert das fast dreistündige Gastspiel (!) der Oberpfälzer um ihren Kommandanten und Macher Norbert Neugirg am Samstagabend im ausverkauften Schlosshof.

Die Blödeltruppe aus Windischeschenbach, bis auf den Chef alles Amateure, lebt von der Rivalität zwischen Franken und Oberpfälzern, die seit Jahrzehnten in den populären Fernsehübertragungen von "Fastnacht in Franken" aus Veitshöchheim stets nach dem selben Schema immer wieder zelebriert wird. "Irgendwann werden wir vom Bayerischen Fernsehen bei laufenden Kameras aus dem Saal geworfen. Dann sind wir unsterblich", verriet Neugirg, den in Normalkluft kein Mensch im Publikum erkannt hätte, seine Zielsetzung.

Der Trick mit der gegenseitigen Reiberei funktionierte auch in Ebern. Den Konflikt zwischen der einstigen Kreisstadt im Baunachgrund und den "Besetzern" aus Haßfurt stilisierten die Altneihäuser zum Bruderkrieg hoch, der die rund 2200 Besucher die Tränen (des Lachens) in die Augen trieb.

Und das funktionierte so: Zunächst zog der Feuerwehr-Kommandant über Ebern und den Schlossherrn her, um schnell festzustellen, dass er vom falschen Manuskript abliest.
Kaum hatte einer seiner Untergebenen das richtige Textblatt gereicht, wurde in gleicher Manier über die Haßfurter hergezogen und Ebern lobgepriesen.

Was nicht heißt, dass sich nicht doch ein paar Schwachstellen und Opfer in Ebern hätten finden lassen. Der Bürgermeister, der Pfarrer, der Stadtrat taugten dafür bestens. Für Lokalkolorit sorgten in der "Altneihäuser-Ansprache an das Volk von und zu Ebern und angrenzenden Liegenschaften", so Neugirg wörtlich, die Kreisverkehr-Bauorgie, die Tristesse in Todtenweisach, das erotische Dreieck und Feuchtgebiet im Itzgrund (Freudeneck, Busen- und Poppendorf) ebenso so auf wie die Kuhfladen-Schwaden von Losbergsgereuth.

Selbst der größte Schmäh und starke Tobak ging keinem die Nase hoch. Die Verspotteten lachten über die verbalen Schläge unter die Gürtellinie.

Doch das Niveau zielt nicht nur in die Region, wo sich Trommler und Schwergewicht Reinhard Stummreiter, der als Tollpatsch echt überzeugte, mit einem vermeintlichen Stringtanga herumärgert.

Nein, Neugirg schlupft in eine Rolle, die sich irgendwo zwischen Till Eulenspiegel und Heinz Erhard ansiedeln lässt. Dass er und seine Truppe sich akribisch auf jeden Auftritt vorbereiten, war deutlich zu spüren. Dass dabei die Feuerwehrleute die Deppen mimen, gehört zum ausgeklügelten Rollenspiel im Wechsel mit dem Musikspiel einer (fast) professionellen Blaskapelle.

"Wem's gefallen hat: Über einen Eintrag in unseren Internet-Gästebuch würden wir uns sehr freuen", ließ er nach dem Gastspiel im Schloss wissen, wo er seine Bücher erst signierte, hernach verkaufte - an "das beste Publikum, das wir je hatten - hier in Eyrichshof".

Weil die Ensemble-Mitglieder als Normalsterbliche zumeist als Fernfahrer, Bautechniker, Vollerwerbs-Landwirte oder Elektriker unterwegs sind, treten sie nur an Wochenenden auf. "Wir schlagen im Jahr bis zu hundert Anfragen aus", verriet Neugirg im Vorgespräch. Ob das Bayerische Fernsehen auch bald dazu zählt?



Einige Passagen aus den humoristischen Ansprachen des Kommandanten Norbert Neugirg im Wortlaut. Der Altbaron Eyring von Rotenhan hat sich - als "Opfer" - beispielsweise köstlich darüber amüsiert:

Schloss Eyrichshof, ein feuchter Schuppen
für wetterfeste Gauklertruppen,
hält ab und zu ein Open Air,
da regnet"s für gewöhnlich sehr,
und fällt dann kein Regen mehr,
dann kommt die Altneihauser Feierwehr,
worauf der Himmel nicht mehr weint,
weil die Oberpfalz erscheint!

Hermann Baron von Rotenhan
unterwarf sich Gaby Heyders Wahn,
zwecks Füllung seiner leeren Kassen
Fußvolk vor das Schloss zu lassen,
auf dass der Pöbel gegen Eintrittsgeld
auch wenn er friert und Regen fällt,
ausharrt, um im Wasserrauschen
feuchten Damen beim Gesang zu lauschen;
......
Es weiß ja, wer die Gegend kennt:
In Franken schifft es permanent.
Schade ist bloß, wenn es schifft,
dass es nicht nur die Franken trifft,
sondern dass es auch die Gäste
von außerhalb durchnässte,
die temporär in Franken weilten
und dieser Tage deren Schicksal teilten,
das Schloss Eyrichshof ersäufte,
wo nasses Volk sich häufte
und sich fühlte, als ob's auf dem Meer
am letzten Tag auf der Titanic wär".

Hermann Baron von Rotenhan
hat alles, was er kann, getan,
um mit seinen Wasserspielen,
die ums Haar ins Wasser fielen,
keinen Umsatz zu verlieren
und strategisch gut zu operieren.
So kam es mangels Hitze
zum Auskühlen der Sitze
und kalte Sitzflächen beschieden
diversen Gästen Hämorrhoiden.
Baron von Rotenhan hat unerschüttert
da sofort ein Geschäft gewittert,
kooperierte mit beherzten
am Gesäß geübten Ärzten,
und empfahl der stattlichen Besucherschar
die vom Malheur betroffen war,
sich, um die Sache zu beheben,
zu Medizinern zu begeben,
die für jeden Hämo, den sie attestieren,
Provision an den Baron abführen.
Auf Besuch bei seinem Sohn
weilt derzeit auch der Altbaron

Eyring von Rotenhan, der fliehen musste,
weil er zu viel vom Hermann wusste.
Baron Eyring wurde ausrangiert,
in den Osten exportiert
und lebt als ausgedientes Ross
in Thüringen im Ausnahmsschloss.
Es gibt Thüringer, die darauf drängen,
sich an Franken anzuhängen,
weil im Fall von Erichs Wiederkehr
dann Thüringen im Westen wär".

Baron Eyring ging, so wird gesagt,
rund um Ebern einst zur Jagd,
wobei noch heut" kein Reh erschrickt,
wenn es den Baron erblickt,
weil das Wild sich sicher fühlt,
jedes Reh weiß wie er zielt.
In Baron Eyrings Jagdrevier
kam recht selten Jagdgetier
durch einen Schuss von ihm zu Schaden,
meistens traf er Mückenschwaden
und löste er mal einen Blattschuss aus,
ging dem ein Querschläger voraus.

Seine Treibjagden war'n legendär,
und hob er sein Gewehr,
ging die Angst in Ebern um
und in den Dörfern rundherum,
beteten die Weiber
für ihre Männer, die als Treiber,
dort, schreiend durch die Wälder irrten,
wo Baron Eyrings Kugeln schwirrten,
und im Laufe seiner Jahre
wurden Treiber Mangelware.
Seit er Ebern verließ, herrscht Ruh"
und die Bevölkerung nimmt wieder zu.

In der Kreisstadt Haßfurt geht es rund,
in Ebern da verreckt der Hund,
kämpft auch der rote Hennemann
jetzt drei Jahre lang dagegen an,
die Erfolgsstatistik ist bescheiden,
Ebern ist"s gewohnt zu leiden:

Ein roter Bürgermeister, der regiert,
indem er "rechts vor links" einführt,
damit sich alles, was sich regt,
in Ebern langsamer bewegt
oder sich im Kreise dreht,
weil überall, dort wo es geht,
ein Kreisverkehr entsteht,
um die Bürger an die Stadt zu binden,
die nicht mehr aus der Stadt rausfinden
und - anstatt Benzin zu sparen -
in Ebern ihren Tank leer fahren,
so ein Bürgermeister, der Ebern lenkt,
indem Plüschwildsäu" verschenkt,
ist auf dem besten Wege auf Erden
noch zu Lebzeiten Legende zu werden.
Sieht man"s Ebern auch nicht an
unter Hennemann geht es voran,
Ebern fährt im ersten Gang
und man erkennt am Vorwärtsdrang
sobald man in die Stadt reinfährt:
Ebern will zurück zum Pferd!

Hennemann ist schneller als man denkt,
sofern man Facebook Glauben schenkt.
Die Bilder zeugen von Geschwindigkeit,
er ist überall zur gleichen Zeit,
und Facebook-Bilder zeigen ihn
oft schon bei einem Ortstermin,
noch bevor er diesen Ort erreicht,
im Facebook ist das Dasein leicht.
Von bösen Zungen wird gesagt,
immer, wenn der Stadtrat tagt,
stellt Hennemann von vornherein
Beschluss und Bild ins Facebook rein.

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