Ebelsbach
Konzert

Gewaltige Klangfülle in Ebelsbach

Der Bezirksposaunenchor aus dem Dekanat Rügheim gastierte in der Magdalenenkirche und begeisterte mit einem breitgefächerten Programm.
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Eine tolle Kulisse und ein einmaliges Klangerlebnis bot der Bezirksposaunenchor unter der Leitung von Jürgen Koch.Günther Geiling
Eine tolle Kulisse und ein einmaliges Klangerlebnis bot der Bezirksposaunenchor unter der Leitung von Jürgen Koch.Günther Geiling
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Die Magdalenenkirche von Ebelsbach erlebt in ihrem Jahreslauf inzwischen eine ganze Reihe von Konzerten mit hohem Anspruch. Am Sonntagabend erfüllte den großen Kirchenraum aber eine gewaltige Klangpracht, die rund 80 Bläser des Bezirksposaunenchores aus dem evang.-luth. Dekanat Rügheim erzeugten. Die über 250 Besucher waren begeistert von dem immensen Klangvolumen sowie dem breitgefächerten Repertoire des Programms und belohnten dies immer wieder mit großen Beifallsbekundungen.

Schon der musikalische Auftakt mit der "Eröffnungsmusik" von Dieter Wendel brachte die gesamte Klangfülle des großen "Messingorchesters" zum Ausdruck und unterstrich das Motto "alles, was Odem hat, lobet den Herrn". Dem kamen die Musiker in vollem Maße nach mit dem Vergleich des Stückes mit den "Trompeten von Jericho", welche die Stadtmauern zum Einstürzen brachten.


Fröhliches Spiritual

"Welch gewaltige Töne und was kann umfassender sein, als dieser Klang", meinte auch Moderator Manfred Greinke bei seiner Begrüßung und sprach von einer "Kraft durch Freude an den Herrn". Und diese Freude gelte es einfach weiterzugeben. Dies geschah auch gleich mit dem schwungvollen und fröhlichen Spiritual "Kommt, sagt es allen weiter" von Richard Roblee aus dem Jahre 1943, der natürlich ins Ohr ging und bei dem man am liebsten mitgesungen hätte. Pfarrer Greinke spürte das und meinte, dass man dies auch durchaus dürfte und dazu bot auch das Lied "Dass du mich einstimmen lässt" den Aufruf.

Ganz anders dann die bereits im Jahre 1844 von Felix Mendelssohn Bartholdy komponierte Motette mit Texten aus dem Psalm 91, die er auch für sein Oratorium "Elias" verwendet hat. Die Worte sind inzwischen zu dem am meisten gewünschten Taufspruch geworden mit "Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf all deinen Wegen."


Die Orgel als Blasinstrument

Einem kirchenmusikalischen Programm ohne Johann Sebastian Bach (1685-1750) würde sicherlich etwas fehlen, und wenn man dazu eine große Hoffmann-Orgel in der Kirche hat, dann muss die natürlich zum Tragen kommen. Ludwig Wolf griff hierbei mächtig in die Tasten und das erfordert auch das "Präludium in C - BWV 542" von Joh. Seb. Bach. Das Werk des wohl berühmtesten Orgelkomponisten zählt inzwischen zu den am meisten gespielten Sätzen. Manfred Greinke bezeichnete dabei die Orgel ebenso als Blasinstrument, da sie über das Blasen der Pfeifen auch Töne wie Posaune oder Trompete abgebe und natürlich eine noch viel größere Klangfülle besitze. Dies wurde spürbar bei dem stufigen Satz, ähnlich einer Treppe, wobei auch die Klangfülle mit den Stufen anschwoll und mit einem dramatischen Schlussakkord endete.

Danach trugen die Bläser dann breit und gewaltig zwei Choralsätze von Joh.Seb. Bach mit dem bekannten Kirchenlied "Was Gott tut, das ist wohlgetan" vor, bei dem die Oberstimme in der zweiten Strophe prominent hervortrat und wie eine Verzierung zu den getragenen, tiefen Tönen wirkte. Dazu passte auch die "Partita" von Variationen des Alltagsliedes "o Gott, du frommer Gott". Fast heiter und auch für die Freiluftstimmung gedacht das Divertimento des "Chorale St. Antoni" von Joseph Haydn (1732-1809), das auf einen Wallfahrergesang zurückgeht und in seinem fünfstimmigen Choral eine besondere Dynamik mit dem Wechsel der Trompeten und der übrigen Blechblasinstrumente aufzeigte.


Big-Band-Sound

Ganz modern und temperamentvoll wurde es dann mit dem Big-Band-Sound bei "Lord" von Richard Roblee mit dem kleinen Bläserchor, getragen von den Posaunen mit der Melodie der Trompeten darübergelegt. Als eine musikalische Wucht und als ein wirklich prächtiges Stück boten die Laienmusiker mit "Splendor of Brass" von Martin Schlotz (1971), das zurecht den zweiten Preis beim Kompositionswettbewerb zum Evangelischen Posaunentag 2008 bekam. Es forderte auch vom großen Bläserchor in Ebelsbach eine besondere Herausforderung, bei der die gesamte Instrumentenpalette immer wieder auf die Trompeten antwortete und für einen mächtigen Sound im Kirchenraum sorgte bis hin zum besonderen Schlussakkord. Die Musiker meisterten dies mit großem Bravour und die Zuhörer spendeten deswegen auch spontan großen Beifall.

Dirigent Jürgen Koch bedankte sich bei den Zuhörern für dieses große Lob. Hinsichtlich des Klangvolumens könne er ja "nur" auf 80 Bläser zurückgreifen, während im Stadion in Leipzig das gleiche Stück von 18 000 Bläsern gespielt wurde. Dieses Klangerlebnis sei für alle beeindruckend gewesen, aber für die Kirche in Ebelsbach sei man dem nahegekommen.


Frenetisches Mitklatschen

In diesen modernen Darbietungsblock gehörte auch "Just a closer walk with Thee", das sogar mit einer James-Bond-Verfilmung und dem "leben und sterben lassen" in Verbindung gebracht wurde. Die ersten Takte klangen so, wie wenn jemand zu Grabe getragen wurde, aber dann schloss sich der doppelt so schnelle Tempowechsel an, bei dem alle Konzertbesucher den Rhythmus frenetisch mitklatschten. Das führten sie sogar in ihrem Beifall fort.

Nun waren die Zuhörer so richtig warm und stimmten auch gleich in das nächste Lied "Vergiss nicht zu danken, dem ewigen Herrn, er hat dir viel Gutes getan" mit ein, das aus einem Psalm entstanden ist und inzwischen eine sehr große Popularität erreicht hat. Ein toller Sound kam dann auch noch einmal bei dem "Halleluja, suchet zuerst Gottes Reich" des Ansbacher Kirchenmusikers Helmut Lammel auf und Dirigent Jürgen Koch vergaß auch nicht, seinem großen Bezirksposaunenchor dafür ein großes Lob auszusprechen. "Es ist schon immens, wie sich dieser große Bläserchor zu einem Klangkörper entwickelt. Über die Qualität des Einzelnen kommt es über die Gruppendynamik zu einem unbeschreiblichen Sound. Dieses Kirchenkonzert ist ohne Zweifel das musikalische Highlight des Jahres."


Zwischen 13 und 80 Jahre

Dabei könne man von einem generationsübergreifenden Projekt sprechen, denn der älteste Bläser ist schon über 80 Jahre alt, während der jüngste erst 13 Jahre sei. Wie alle diese Bläser ihre Gemeinschaft aktiv begleiten und leben bis hin zu solch einem Kirchenkonzert, sei schon sehr selten und in Nordbayern habe man damit vielleicht sogar damit ein Alleinstellungsmerkmal.

Dirigent Jürgen Koch merkte man seine Begeisterung am Dirigentenpult sichtlich an. Er ging mit den Händen, den Armen und dem ganzen Körper den Rhythmus mit und unterstütze damit auch die Tempiwechsel oder das Crescendo der Laustärke. Ihm ist ja auch sehr bald vom Vater die Musik in den Schoß gelegt werden, als er mit sieben Jahren seine Trompete blies, schon 25 Jahre den Posaunenchor in Holzhausen leitet und seit 14 Jahren nun auch den Bezirksposaunenchor.


Finale mit "Amazing grace"

Mit dem Lied "Nehmt Abschied Brüder, ungewiss ist alle Wiederverkehr" setzte der Klangkörper den vorläufigen Schlusspunkt, der in seinem Arrangement aber auch den "Abschiedsschmerz" in den Tönen zeigte. Der Dirigent wies deswegen schon vorher auf diese reinkomponierten Stellen hin mit den Worten: "Wenn es auch nicht so klingt, wir spielen richtig". Natürlich kam das Bläser-Orchester bei stehenden Ovationen um Zugaben nicht herum und mit "Amazing grace", das als das beliebteste Kirchenlied der Welt gilt, setzten die Musiker einen besonderen Schlussakkord.
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