Haßfurt
Strafprozess

Geschwister bekamen es mit der Angst zu tun

Das Haßfurter Amtsgericht setzte eine Verhandlung gegen einen 38-Jährigen aus, der zwei junge Leute terrorisiert haben soll.
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Ist der 38-jährige Mann betrunken zu seiner "Ex" und deren zwei Kindern gefahren und hat dort an der verschlossenen Tür lautstark randaliert? Oder handelt es sich bloß um ein übles Komplott und einen Racheakt seiner Noch-Frau? Um das zu klären, erschien es den Juristen beim Strafprozess am Amtsgericht Haßfurt wegen Trunkenheit im Verkehr unverzichtbar, die jetzige Freundin - die sich zur Verhandlung am Gericht als Zeugin krankheitsbedingt entschuldigt hatte - in einem Fortsetzungstermin erneut zu laden und zu vernehmen.

Bei den beiden Kindern handelt es sich um eine 16-Jährige und ihren um zwei Jahre älteren Bruder. Zusammen mit ihrer Mutter wohnen sie in einem kleinen Dorf im Kreis Haßberge. Der Wohnort des Angeklagten befindet sich im Nachbardorf nur etwa fünf Kilometer vom angeblichen Tatort entfernt. Wenn es stimmt, was die beiden im Zeugenstand berichteten, gab es heuer am 17. Februar abends kurz vor 9 Uhr an ihrer Haustür Krawall.

Aber der Reihe nach: Die Frau besuchte an diesem Abend zusammen mit ihrem neuen Lebensgefährten eine befreundete Familie in den Haßbergen und war deshalb nicht zu Hause. Gegen halb neun Uhr erreichte sie ein Video-Anruf ihres Noch-Ehemannes. Dabei soll dieser in sichtbar angedüdeltem Zustand den Autoschlüssel in die Kamera gehalten und dabei angekündigt haben, dass er nun zu den beiden jungen Leuten fahren wolle.

Die Angerufene nahm dies sehr ernst und verständigte sofort ihre Kinder. Sie sagte ihnen, dass ihr "Ex" auf dem Weg sei und dass sie alle Türen verriegeln sollten. Wenige Minuten später hörten die Jugendlichen tatsächlich ein lautes Zetern am Eingang. Plärrend und polternd habe der Angeklagte an der Tür gerüttelt, sagten die beiden übereinstimmend. Da sie es mit der Angst zu tun bekamen, alarmierten sie die Polizei. "Er terrorisiert uns", versicherte der 18-jährige Sohn im Gerichtssaal.

Als dann kurz darauf ein Streifenwagen eintraf, hatte sich der Unruhestifter wieder verzogen. Nachdem die Beamten mit den Jugendlichen gesprochen hatten, fuhren sie zum Wohnort des Beschuldigten. Der saß zusammen mit seiner neuen Freundin im Wohnzimmer, wobei, wie sich einer der damals eingesetzte Ordnungshüter erinnerte, auf dem Tisch eine angebrochene Flasche Likör stand.

Da der Mann abstritt, mit seinem vor der Tür stehenden Auto gefahren zu sein, betastete einer der Polizisten die Bremsscheiben des Fahrzeugs. Er bestätigte im Zeugenstand, dass sie noch warm waren und man daher davon ausgehen musste, dass jemand kurz zuvor mit dem Auto unterwegs war. Den mutmaßlichen Fahrer nahmen sie fest und brachten ihn zur Dienststelle, wo zwei Blutproben genommen wurden. Um 22.47 Uhr hatte er 1,48 Promille intus, eine knappe Stunde später waren es noch 1,29 Promille.

Später gab er bei der Polizei zu Protokoll, dass seine neue Freundin kurz vor dem Eintreffen der Beamten eine Probefahrt gemacht habe. Deshalb seien die Bremsscheiben noch warm gewesen. Jetzt wurde diese mutmaßliche Entlastungszeugin vom Gericht als Zeugin geladen. Sie hatte sich jedoch kurz vor dem Termin wegen einer Erkrankung entschuldigt. Aus diesem Grund brach Amtsrichterin Ilona Conver an dieser Stelle den Prozess ab und bestimmte, dass am 20. Dezember um 9.15 Uhr die öffentliche Sitzung fortgesetzt wird.



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