LKR Haßberge
Abfallwirtschaft

Gelbe Tonne für den Landkreis Haßberge: Entscheidung naht

Dass der Kreis Haßberge die gelbe Tonne einführt, wird immer wahrscheinlicher. Und das womöglich sogar ohne Bürgerentscheid. Der Kreistag steht unter Druck.
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Die gelbe Tonne für den Landkreis Haßberge? Eine Bürgerinitiative fordert das und weiß tausende Bürger hinter sich. Ein Bürgerentscheid zur Einführung der gelben Tonne könnte deshalb die Entscheidung bringen. Foto: Fotalia
Die gelbe Tonne für den Landkreis Haßberge? Eine Bürgerinitiative fordert das und weiß tausende Bürger hinter sich. Ein Bürgerentscheid zur Einführung der gelben Tonne könnte deshalb die Entscheidung bringen. Foto: Fotalia
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Es muss jetzt alles ganz flott gehen. "Weil wir in einem sehr sehr engen Zeitkorsett sind, müssen wir das schnell abwickeln", sagte Wilfried Neubauer gestern bei der Sitzung des Kreistages im Landratsamt in Haßfurt.

Der Chef des Abfallwirtschaftsbetriebs Haßberge (awhas) sieht zwar persönlich keinen Grund, das Bringsystem im Landkreis Haßberge (Bürger sortieren ihren Leichtverpackungsmüll vor und fahren ihn zum Wertstoffhof) zu ändern, aber eine Bürgerinitiative (BI) hat ein Bürgerbegehren für ein Holsystem (gelbe Tonne) auf den Weg gebracht und damit gehörig Druck auf die Kreispolitiker und Behördenvertreter aufgebaut, die bislang überwiegend das bestehende System nicht in Frage gestellt hatten.

Ohne die BI, die im Oktober über 10000 Unterschriften von Gelbe-Tonne-Befürwortern im Landratsamt vorgelegt hatte (benötigt waren 4150), wäre die jetzige Diskussion wohl kaum an dem Punkt, an dem sie gestern angelangt ist. Die Kreisräte des Kreistages Haßberge überlegen nun, wie sie weiter vorgehen werden - Bürgerentscheid oder selbst die Entscheidung im Gremium fällen? Die Einführung der Gelben Tonne rückt dabei deutlich näher. Die Prüfungsfrist der Unterschriften läuft noch, aber dass das Bürgerbegehren rechtlich zulässig ist, davon geht der Landkreis aus.

Systemfrage: Was ist besser?

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Bei der gestrigen Sitzung hörten sich die Kreisräte die Ausführungen der Umweltingenieurin Sarah Tschachtli vom bifa-Umweltinstitut an, die zusammen mit ihrem Kollegen Thorsten Pitschke das bestehende Bringsystem im Landkreis Haßberge sowie ein mögliches Holsystem verglichen. Weil das Ergebnis relativ ausgeglichen ausfiel und beide Systeme gewisse Vor- und Nachteile aufweisen, ließen sie sich auch nicht zu einer Empfehlung hinreisen, wie von Kreisrat Harald Deringer gefordert. Immerhin war klar: Der Klimavorteil liegt beim Holsystem. 450 Tonnen Kohlenstoffdioxid ( ) ließen sich pro Jahr im Landkreis Haßberge einsparen, wenn die gelbe Tonne das Bringsystem ablöst, stellte das bifa-Umweltinstitut fest.

Klingt nach einer ordentlichen Menge, jedoch fand Kreisrat Kurt Sieber die Zahl "absurd", da sie bezogen auf den jährlichen Pro-Kopf- -Ausstoß in Deutschland recht niedrig ist: Der nämlich liegt bei etwas über neun Tonnen pro Einwohner, somit entsprächen die eingesparten 450 Tonnen dem -Ausstoß von 49 Bürgern (Deutschland hat rund 82,8 Millionen Einwohner ). "Deswegen ein funktionierendes System abzuschaffen" sollte man sich genau überlegen, sagte Sieber.

Klar ist aber auch: Viele Bürger im Landkreis wollen die gelbe Tonne. Deswegen besprechen die Kreisräte in den kommenden Wochen die Möglichkeiten. Denn, wie Wilfried Neubauer sagte, die Zeit drängt: Eine Systemumstellung kann aufgrund vertraglicher Vereinbarungen mit dem Dualen System Deutschland frühestens zum 1. Januar 2020 erfolgen. Dazu müssten aber bereits im Frühjahr 2019 Verhandlungen geführt werden, um die Umstellung realisieren zu können. Ansonsten wäre der Wechsel auf Holsystem erst wieder zum 1. Januar 2023 möglich. Der Umweltausschuss und der Kreistag müssen deswegen bereits im November in der Sache eine Entscheidung fällen. Derzeit favorisieren Neubauer und auch die Landkreisspitze um Landrat Wilhelm Schneider eine Lösung, die beiden Seiten gerecht wird: Eine Kombination aus Hol- und Bringsystem. Was wäre "ein Kompromiss, der schon Charme hat", sagte Neubauer.



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