Ebern
Landesbaudirektion

Gasthof weicht der Behörde

In der Behelfsunterkunft im "Alten Rathaus" wird es der zentralen Staatlichen Stelle zu eng. Sie sucht nach weiteren Miet-Büroräumen in Ebern. Der Grunderwerb für den geplanten Neubau steht kurz vor dem Abschluss.
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Der Gasthof "Post" wird nach 115 Jahren zum Jahresende schließen. Er soll der neuen Landesbaudirektion weichen. Foto: Eckehard Kiesewetter
Der Gasthof "Post" wird nach 115 Jahren zum Jahresende schließen. Er soll der neuen Landesbaudirektion weichen. Foto: Eckehard Kiesewetter

Gut zwei Jahre ist es her, seit die Landesbaudirektion auf ihrer Suche nach einem repräsentativen Standort in Eberns Innenstadt fündig wurde. Auf dem Terrain nördlich des Kreuzungsbereichs Coburger Straße, Bahnhofs- und Kapellenstraße soll die zentrale Landesbehörde heimisch werden, die seit dem Jahr 2016 das Alte Rathaus als Interimsquartier nutzt. Ein sehenswerter Fachwerkbau immerhin, jedoch für eine geplante Personalstärke von etwa 100 Personen viel zu klein. Schon jetzt, bei insgesamt 27 Mitarbeitern angekommen, wird es der Behörde dort zu eng.

"Die Räumlichkeiten sind voll belegt", teilt auf Anfrage Johannes Nolte mit, der Präsident der Landesbaudirektion: "Wir haben inzwischen die "Immobilien Freistaat Bayern" gebeten, eine weitere Anmietung für uns zu suchen, denn es gibt einige neu eingestellte Kolleginnen und Kollegen, die derzeit in Nürnberg ihren Arbeitsplatz haben, aber gerne baldmöglichst in Ebern tätig sein möchten."

Suche nach Räumen

Übergangsräume suche die Landesbaudirektion schon länger, bestätigt Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD). Die Stadt habe bereits im Frühjahr 2018 eine Präsentation sämtlicher nutzbarer Leerstände in der Altstadt an die Behörde gegeben und Kontakte zu den Eigentümern hergestellt. Zu einer Anmietung kam es bislang aber nicht. So steckt die zentrale Behörde des Freistaats, die im Geschäftsbereich des Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr wirkt, selbst vor einem "Mietnotstand", denn bis das eigene Gebäude zur Verfügung steht, wird noch einige Zeit vergehen.

"Der Neubau wird kein Hochhaus, aber die Leute sollen schon merken, dass hier eine Behörde sitzt", hatte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann im August 2017 verkündet. Relativ rasch war damals ein erster Grundstückserwerb gelungen, der des einstigen Deltamarkt-Geländes (früheres Kino). Das Areal ist seither mit Bauzäunen eingerüstet - nicht weil schon Arbeiten begonnen hätten, sondern wegen der Verkehrssicherungspflicht. Eine Staatsbehörde ist da vorbildlich! Den Löwenanteil des anvisierten Baugeländes wird jedoch das Areal des Gasthofs "Post" (Gall), samt der Nebengebäude ausmachen - und da haben sich die Verhandlungen als langwierig erwiesen. Noch gehen die Gäste im Wirtschaftsraum und im Hotel aus und ein. Unter anderem ging es laut FT-Informationen bei den Verhandlungen um eine private Wohnung und um die Zukunft des Tabakladens in der Bahnhofstraße.

Letzte Details

Johannes Nolte bedauert die Verzögerung, hatte man doch ursprünglich das Jahr 2020 für die Fertigstellung des Neubaus ins Auge gefasst: "Leider konnten hinsichtlich des Grundstücksankaufs noch nicht alle Dinge abschließend geklärt werden, ich hoffe jedoch sehr, dass der Vertragsabschluss in diesem Jahr noch zustande kommt."

Zuversichtlicher gibt sich der Bürgermeister, da allle strittigen Fragen inzwischen geklärt seien. Jürgen Hennemann (SPD) hofft, "dass der Verkauf noch vor den Sommerferien zustande kommt und bekannt gemacht werden kann". Was die Stadt tun und beitragen konnte, habe sie geleistet. Aktuell soll, wie der FT erfuhr, jetzt noch eine Bodenprobe gezogen werden, um sicherzustellen, dass der Grund nicht durch die ehemalige Reinigung in der Bahnhofstraße kontaminiert wurde.

Wie gesagt, unterschrieben ist noch nichts, aber für Gasthofbesitzer Heinz Gall stehen die Zeichen auf Schluss. Mit inzwischen 82 Jahren hört er auf. Wohl zum Jahresende, so teilt er im Gespräch mit, wird er den Zapfhahn letztmals aufdrehen und die letzten Hotelschlüssel an den Nagel hängen. Den Betrieb, den er 1963 übernommen hat, hatten schon seine Eltern und Großeltern unterhalten. Seit 1904 war der Gasthof "Post" bzw. der frühere Gasthof "Zur Eisenbahn" eine gute Adresse in der Stadt. Immerhin wird er nun einer Behörde weichen, die Ansprechstation für alle Hoch- und Ingenieurbauprojekte des Bundes in Bayern ist und zentrale Schaltstelle für die Aufgaben der Staatsbauverwaltung

Belegschaft guter Dinge

Abgesehen von der räumlichen Enge geht es den Mitarbeitern in Ebern übrigens gut, versichert Präsident Nolte: "Schwierigkeiten mit der Infrastruktur gibt es nicht, die Netzanbindung ist sehr gut und auch die Stimmung bei den Kolleginnen und Kollegen in Ebern".

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