Oberschwappach
Aussagekraft

Gabi Weinkauf gewinnt den Kunstpreis 2018

Die Künstlerin siegt mit der Installation "Vergessen"beim Wettbewerb des Landkreises Haßberge. Der Publikumspreis geht an den Haßfurter Hans Doppel.
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Gabi Weinkauf (links) hat den Kunstpreis 2018 des Landkreises Haßberge erhalten. Mit ihr freuen sich Landrat Wilhelm Schneider und Kulturbeauftragte Renate Ortloff.Christiane Reuther
Gabi Weinkauf (links) hat den Kunstpreis 2018 des Landkreises Haßberge erhalten. Mit ihr freuen sich Landrat Wilhelm Schneider und Kulturbeauftragte Renate Ortloff.Christiane Reuther
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Die Freude steht Gabi Weinkauf förmlich ins Gesicht geschrieben: Die Künstlerin aus Güntersleben hat den Kunstpreis 2018 des Landkreises Haßberge für die Installation "Vergessen" erhalten. Während einer Feierstunde im Spiegelsaal von Schloss Oberschwappach, die von fünf Musikern vom "Musikbahnhof Gädheim" musikalisch umrahmt wurde, überreichte Landrat Wilhelm Schneider der Gewinnerin eine Trophäe und ein Preisgeld von 2000 Euro. Über den Publikumspreis, der mit 500 Euro dotiert ist, freut sich der Haßfurter Künstler Hans Doppel für sein Werk "Lebensstufen".
Seit 2016 hat der Landkreis Haßberge zum zweiten Mal einen eigenen Kunstpreis ausgeschrieben. Vor vier Wochen wurde die Ausstellung mit den eingereichten Werken von 13 Künstlern in Schloss Oberschwappach eröffnet. In dieser Zeit flanierten Kunstinteressierte an den Wochenenden durch die Ausstellung, um zu sehen, was die Kunst zu dem vorgegebenen Thema "Regionalreflexionen" zu zeigen und zu sagen hat.
Landrat Wilhelm Schneider freute sich darüber, dass die Ausstellung auf großes regionales und überregionales Interesse gestoßen ist. Die Besucher hätten sich intensiv mit den Werken beschäftigt und deren Aussagekraft auf sich wirken lassen. Vieler Helfer habe es bedurft, die zum Gelingen der Ausstellung beigetragen hätten. Hier dankte der Landrat stellvertretend Franziska Endres und Bernadette Klug vom Museumsverein Schloss Oberschwappach mit einem Blumenpräsent.
Für Renate Ortloff, der Kulturbeauftragten des Landkreises, war die Auszählung der Stimmen für den Publikumspreis eine große Freude. Es gab für alle beteiligten 13 Künstler Stimmabgaben. Dies zeige, dass man den Geschmack der Besucher getroffen habe.
Für das zu behandelnde Thema "Regionalreflexionen" war eine kritische Auseinandersetzung mit dem ländlichen Raum gefragt, wofür die Künstler mit ihren Beiträgen Lösungsansätze lieferten. Als Gewinner des Publikumspreises hat sich der Haßfurter Künstler Hans Doppel überwiegend mit Themen um den Kreislauf des Werdens und Vergehens sowie den zeitlichen Ablaufprozessen von "Verwitterung" und "Transmutation" auseinandergesetzt. In diesen Themenkreis gehört die auf dem Vorplatz des Schlosses aufgebaute Holzskulptur "Lebensstufen", die durch das Auf und Ab einer hölzernen Brücke mit Rundungen, Ecken und Kanten den Weg des Lebens mit all seinen Leichtigkeiten, Unwägbarkeiten und Hindernissen symbolisieren soll. Hans Neumayer aus Haßfurt hatte dieses Objekt als sein "Lieblingskunstwerk" ausgewählt und wurde als glücklicher Gewinner mit einem Präsentkorb belohnt.
Der ausgeprägte Regionalbezug, den Gabi Weinkauf mit ihrer Installation "Vergessen" zum Ausdruck brachte, war es, der die Fachjury von Anfang an begeisterte. Die Jury setzte sich aus dem Kunsthistoriker Matthias Liebel, Gerd Kanz (Künstler und Gewinner des Kunstpreises 2016), Ulrike Brech (Kunstkennerin und ehemalige Schulrätin im Landkreis Haßberge), Jens Burmester (Vorstandsmitglied des Berufsverbandes bildender Künstler Oberfranken) und Christine Wehe-Bamberger (Vorstandsmitglied des Berufsverbandes bildender Künstler Unterfranken) zusammen. Die Weidenruten, die Gabi Weinkauf für ihren Wettbewerbsbeitrag sowohl als Raumzeichnung als auch in gebündelter Schichtung zum Einsatz brachte, stammen aus der Werkstatt ihres verstorbenen Schwiegervaters. Der Ehemann von Gabi Weinkauf ist gebürtig aus Knetzgau.
Der Titel "Vergessen" beziehe sich sowohl auf das aussterbende Handwerk des Weidenrutenflechtens als auch auf das Verblassen der Erinnerungen an die Menschen, die sich einst diesem Metier als Beruf verschrieben haben, wie es Matthias Liebel in seiner Laudatio hervorhob. Das Aufschichten von Weidenrutenbündeln, wie es vor Jahrzehnten noch ein vertrautes Bild in den Korbmacherregionen gewesen ist, habe die Künstlerin als Sichtbarmachung wider das Vergessen verstanden.
Für Gabi Weinkauf ist es der erste Kunstpreis, den sie gewonnen hat. "Ich habe es mir gewünscht", sagte die Künstlerin freudestrahlend nach der Bekanntgabe. "Es war ein längerer Prozess", klärte sie über die Entstehung ihres Objektes auf. Sie hatte es eigens für die Ausstellung, mit Bezug auf die hiesigen Raumverhältnisse, geschaffen. Nach einer Zeit der Inspiration und Experimentierfreudigkeit entstand am Ende eine Installation aus zusammengeknoteten Weidenruten mit einer Breite von über einem Meter, einer Höhe von zwei Metern und einer Länge von zweieinhalb Metern, die ihr den Sieg einbrachte. Das hätte die Künstlerin, die in der Region keine Unbekannte ist, wohl nicht gedacht.
Gabi Weinkauf hat bereits in Schloss Oberschwappach gemeinsam mit mehreren Künstlern ausgestellt. Momentan sind Bilder, Objekte und Installationen der Künstlerin unter dem Thema "Spitzenmäßig" in der Galerie im Saal in Eschenau zu sehen. Gabi Weinkauf wurde in Ochsenfurt bei Würzburg geboren und ist im Alter von zwei Jahren mit ihrer Familie nach Zeil gezogen. Dort verbrachte sie ihre Jugendzeit und besuchte die Schule in Haßfurt. Nach ihrer Ausbildung zur Erzieherin in Würzburg absolvierte sie ein Kunststudium in Essen, wo sie Malerei, Grafik und Bildhauerei studierte. Gabi Weinkauf lebt und arbeitet als Malerin, Videokünstlerin, Bildhauerin und Objektmacherin in Güntersleben.


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