Laden...
Heubach
Schrott

Fundstück der ranzig-rostigen Art: Ein alter Käfer im Wald bei Heubach schreibt weiter Geschichte

Auf einem ehemaligen Schuttplatz im Wald bei Heubach lag ein seltenes Exemplar eines VW-Käfer Cabriolets jahrzehntelang herum und rottete vor sich hin. Der Schauspieler und Käfer-Fan Jan Walter machte sich nun auf, das 1950 gebaute Auto freizulegen und zu bergen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Josef Mohamed und Jan Walter (von links) schleppen Fahrzeug-Schrott auf eine Lichtung. Nachdem sie Teile der Karosserie geborgen hatten, wurden auch endlich die markanten Rundungen des alten VW sichtbar. Das Heck lässt klar erkennen: Das war ein Käfer. Fotos: Andreas Lösch
Josef Mohamed und Jan Walter (von links) schleppen Fahrzeug-Schrott auf eine Lichtung. Nachdem sie Teile der Karosserie geborgen hatten, wurden auch endlich die markanten Rundungen des alten VW sichtbar. Das Heck lässt klar erkennen: Das war ein Käfer. Fotos: Andreas Lösch
+22 Bilder
Ein rostiger Haufen Schrott liegt da, erbärmlich zerknittert, umgeben von Erde, halb vergraben, eingewachsen von Gestrüpp; aus dem Boden ragen alte Flaschen und Plastikmüll, Schuhe und allerhand Unrat. Entschuldigung, aber uns wurde ein VW-Käfer versprochen. Wo ist er denn?

Jan Walter grinst und sagt, dass die Sache doch ziemlich eindeutig ist: "Es sieht zwar irgendwie aus wie ein Rosthaufen, hat aber noch alles, was ein Käfer braucht." Walter ist Schauspieler in Wien und hat eine Schwäche für den Käfer von Volkswagen. Der 31-Jährige stammt aus Bitburg in der Eifel (Rheinland-Pfalz). Seine Familie schwört auf dieses Auto, Eltern und Großeltern fahren damit, und seitdem Jan 18 ist, besitzt er einen Mexiko-Käfer 1600i Open Air von 1996. Dort wurde der berühmte VW noch in seiner Ursprungsform bis ins Jahr 2003 gebaut."Ich bin überall mit meinem Käfer unterwegs", sagt er, und wieder grinst er, vermutlich weil er das Wort Käfer gesagt hat.


Eine neue Art von Käfer

Aber immer noch fällt es schwer, in dem halb verbuddelten, verlotterten Metallhaufen im Wald einen solchen zu erkennen. Ein Auto: ja. Da ist ein Fahrwerk zu sehen, mit Brems- und Kupplungspedal dran, die Gummierung bröselt ab. Der Unterboden ist von Rost zerfressen, eine Fensterkurbel ragt aus einer verbogenen Tür heraus. Jan Walter ist ziemlich begeistert von dem Anblick. Ob er einen Käfer erkennen könne? "Ja, schon. Es ist halt eine neue Art von Käfer", erklärt er. Jeder wisse, wie ein Käfer ausschaut, wenn er noch fahrtüchtig ist, "aber nicht, wie er ausschaut, wenn er 40 Jahre im Wald lag". Und genau diese Geschichte soll das Fahrzeug nun erzählen. Dazu wird es in ein spezielles Museum gebracht.


Nur noch 44 Exemplare

Nachdem Jan Walter bei einem ersten Besuch in Ebern vor zwei Monaten anhand der Karosserie nummer herausgefunden hat, dass die Rostlaube im Wald ein Karmann-Cabriolet aus dem Jahr 1950 ist (wurde ab 1949 in Serie gebaut), war er entschlossen: Den hol ich da raus! Denn von diesem Modell 1950 gibt es heute nur noch 44 Exemplare, exklusive dem Heubacher Wald-Käfer.

Aufmerksam auf das Auto wurde der Wahl-Wiener übrigens durch einen Bericht im Fränkischen Tag: Redakteur Ralf Kestel hatte im Juli 2013 ein Foto des Schrotthaufens online gestellt, nachdem der Eberner Stadtrat den ehemaligen Schuttplatz besichtigt hatte. Da zeigt sich, welche Reichweite die Stadtratsberichte aus Ebern haben.


Zwei Jahre später fand Jan Walter endlich die Zeit, sich ans Werk zu machen und reiste mit seinem Schauspielkollegen Josef Mohamed an, um den Käfer freizulegen. Revierförster Wolfgang Gnannt hat die Aktion mit den Behörden abgeklärt und die beiden Freunde am Donnerstag in das Waldstück an eine Stelle geführt, wo ein Transporter nah an das Wrack heranfahren kann. Und so geschah es am Abend, dass die Betreiber des "Volkswreck-Museums" den Rostkäfer abholten. Bald wird er als Ausstellungsstück in der französischen Schweiz zu sehen sein:
www.musee-vw.ch


Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren