Ebern
Caritas-Angebot

Frühes Erkennen ist das A und O

In Ebern gibt es jetzt eine Frühförderstelle für entwicklungsverzögerte und behinderte Kinder. Die Berufsschule ist als Übergangsquartier gedacht. Zugleich hofft man auf Kinderarzt-Sprechstunden in der Stadt.
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Auffälligkeiten in der kindlichen Entwicklung sollten möglichst rasch diagnostiziert werden. Die neue Anlaufstelle der Caritas bietet Beratung, Diagnostik und Förderung im interdisziplinären Ansatz. Foto: Symbolbild/Rolf Vennenbernd/dpa
Auffälligkeiten in der kindlichen Entwicklung sollten möglichst rasch diagnostiziert werden. Die neue Anlaufstelle der Caritas bietet Beratung, Diagnostik und Förderung im interdisziplinären Ansatz. Foto: Symbolbild/Rolf Vennenbernd/dpa
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Ebern Auf ihre letzten Tage erlebt die ehemalige Berufsschule in Ebern ungewohnt viel frischen Wind. Die Räume des zum Abriss bestimmten Gebäudes bewährten sich in den letzten Jahren als Quartier des Foto-Kreativ-Kreises und jahrelang als Zentrale der Lebenshilfe Ebern, aktuell bieten sie Interimsräume für Kindergarten- und Krippengruppen, und neuerdings hat sich dort ein Angebot der Caritas eingerichtet: eine Frühförderstelle für entwicklungsverzögerte und behinderte Kinder. Ebern ist damit im Landkreis Haßberge nach der Kreisstadt der zweite Ort, der solch eine Einrichtung bietet.

Wie wichtig sie ist, zeigt die Statistik, weist doch deutschlandweit jedes dritte Kind im Verlauf seiner frühkindlichen Entwicklung Auffälligkeiten auf. Es geht darum, möglichst wohnortnah und rechtzeitig Hilfe zur Verfügung zu stellen. "Es ist nie zu früh ", lautet ein Motto der Frühförderstelle, die der Caritas-Schulen gGmbH als Träger angeschlossen ist. Dazu wieder gehören auch sonderpädagogische Förderzentren, Schulen zur individuellen Sprachförderung und zur Erziehungshilfe oder Schulen für Kranke und berufliche Schulen in Unterfranken.

"Es ist nie zu früh"

Die neue Anlaufstation ist als Angebot für Familien gedacht und bietet neben Beratung der Eltern auch Diagnostik fürs Kind und, bei Bedarf, individuelle Förderung. Klar, jedes Kind ist ein Individuum, und die Entwicklung kann jeweils deutlich anders verlaufen. Und doch gibt es auf dem Weg vom frisch Geborenen bis zur Schulreife oftmals Auffälligkeiten. Oft sind es Fachkräfte in den Kindertagesstätten oder aber Kinderärzte, die den Förderbedarf als erste erkennen. Was tun, wenn die motorischen Fähigkeiten, die Wahrnehmungsfähigkeit, die Sprachentwicklung, das emotionale und soziale Verhalten oder die geistige Entwicklung nicht altersgemäß sind? Die Caritas mit ihren Fachleuten steht Eltern Rede und Antwort, hilft beim Erkennen von Auffälligkeiten und unterstützt bei der gezielten Förderung.

Es gehe darum, möglichst vielen Eltern bereits in einem sehr frühen Lebensalter ihrer Kinder den Weg zur Frühförderung zu eröffnen, erklärt Margit Jäcklein. Bei Entwicklungsverzögerungen oder Behinderungen ist von einer Langzeitbehandlung auszugehen. Alle Einzelmaßnahmen werden über die Frühförderstelle koordiniert und abgestimmt, egal ob nun Heilpädagogik, Psychologie, Ergotherapie, Logopädie oder Physiotherapie gefragt sind. Einige Förderangebote gibt es vor Ort in der Förderstelle, andere sind zuhause umsetzbar.

Hilfe muss da sein

Besonders angebracht ist eine Hilfestellung nach einer Früh- oder Risikogeburt, aber auch bei Kindern mit Regulationsstörungen oder bei Aufmerksamkeits- und Konzentrationsdefiziten.

Dass die Berufsschule nur beschränkte Zeit zur Verfügung stehen wird - ihr Abriss ist für 2022 geplant - sehen die Verantwortlichen bei der Caritas nicht als Problem an. Im Gegenteil. Hier könne man sehen, wie das Angebot angenommen wird, sagt Rudolf Hofmann. Er ist der Geschäftsführer der Caritas Schulen gGmbH. Wenn sich die Frühförderung in Ebern etabliert, werde man sich nach einem anderen Domizil umsehen. Am liebsten in der Innenstadt oder zumindest in deren Nähe.

In Haßfurt gibt es die Förderstelle schon seit Jahrzehnten, 2017 zog sie in neue Räume in der Hauptstraße. Für den nördlichen Landkreis war bis 2006 die Fördereinrichtung bei den Salesianern in Pfaffendorf eine Anlaufstelle. Sie fiel neuen Rahmenbedingungen zum Opfer.

Seither war die Region um Ebern laut Margit Jäcklein in der Versorgung ein "weißer Fleck".

Die Heilpädagogin und Familientherapeutin leitet die neue Stelle in Ebern, für deren Einrichtung die Haßfurter Kinderärzte Arman Behdjati-Lindner und Christian Rein sich seit Jahren stark gemacht hatten.

Sie kennen ihre Patienten und wissen, wie groß der Bedarf im östlichen Landkreis ist. Im Umkehrschluss bestehen damit laut Eberns Bürgermeister Jürgen Hennemann Aussichten auf eine Außenstelle einer Kinderarztpraxis oder zumindest auf regelmäßige Sprechstunden in Ebern. Bisher gibt es solch ein Angebot nicht in Ebern.

Hennemann begründet dies damit, dass die Kinderärzte die Frühförderung verordnen und mit der Einrichtung zusammenarbeiten. Nachdem der Wunsch erfüllt sei, in Ebern Frühförderung anzubieten, "stehen die Ärzte im Wort nachzuziehen", sagt er. Künftige Räume könnten nebeneinander genutzt werden. Gespräche liefen bereits, sagt der Bürgermeister.

Kinderarzt ist eine Notwendigkeit

"Ich halte Sprechstunden eines Kinderarzts in Ebern für notwendig, damit die Kleinsten nicht so viel herumgefahren werden müssen", sagt der Bürgermeister.

Für eine Stadt in der Größe Eberns sei es "notwendig und angebracht, dass neben dem guten Angebot der Kinderbetreuung ab dem ersten Lebensjahr ein Kinderarzt für die jungen Familien zur Verfügung steht". Wenn die neue Kita an der Berufsschule fertig ist, bekommen laut Hennemann 100 Prozent der Kinder einen Platz: "Ein Kinderarzt würde das Angebot komplettieren."

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