Ebern

Frist-Frust bei FTE-Mitarbeitern

In Ebern stehen mehrere FTE-Mitarbeiter vor dem Ausscheiden aus der Firma, weil ihre Verträge auslaufen. Das sorgt für Unverständnis.
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Das FTE-Logo: An seinem Hauptstandort in Ebern beschäftigt das Unternehmen knapp 2000 Mitarbeiter, weltweit sind es insgesamt etwa 3800 Mitarbeiter. Der Automobilzulieferer ist einer der größten Arbeitgeber im Landkreis Haßberge. Foto: Friederike Stark/Archiv
Das FTE-Logo: An seinem Hauptstandort in Ebern beschäftigt das Unternehmen knapp 2000 Mitarbeiter, weltweit sind es insgesamt etwa 3800 Mitarbeiter. Der Automobilzulieferer ist einer der größten Arbeitgeber im Landkreis Haßberge. Foto: Friederike Stark/Archiv
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Der Brief gleicht einem Hilferuf. Und passt so gar nicht zu den positiven Nachrichten dieser Tage. Die deutsche Wirtschaft brummt, volle Auftragsbücher, die Arbeitslosen-Statistik steuert Monat für Monat auf Vollbeschäftigung zu. Doch hinter den Zahlen stecken auch Schicksale, Existenzängste.
Das zeigte sich im Gespräch mit zwei FTE-Mitarbeitern aus dem nördlichen Landkreis Haßberge, deren befristete Arbeitsverträge in diesen Tagen auslaufen. Die Hoffnung auf eine Übernahme haben sich durch Aussagen der Geschäftsleitung bei einer Betriebsversammlung jäh zerschlagen. Von Betriebsrat und Gewerkschaftern erhoffen sich die beiden, die nicht die einzigen Betroffenen sind, keine Unterstützung. Am Samstag hatten sie zusammen mit Kollegen noch Sommerfest gefeiert. "Wir verstehen uns alle gut."


"Arbeit ist genug da"

Als Termin fürs Sommerfest wurden die wenigen Stunden gewählt, da alle frei hatten, weil sie auch am Wochenende und Feiertagen zur Schicht gehen: "Erst an Pfingsten wieder", erzählt der Mittvierziger Anton B. (Name geändert). "Arbeit ist genug da." Und sie macht ihm Spaß. "Wenn mich einer gefragt hat, wo ich jetzt arbeite, habe ich stolz geantwortet: bei FTE."
Damit soll es nun vorbei sein. "Am Anfang hat es geheißen, nach einer Befristung werdet ihr übernommen. Und dann diese Mitteilung der Geschäftsleitung bei der Betriebsversammlung. Das war wie ein Schlag in den Magen." Dabei gehe es doch mit der Firma ständig bergauf und "wir haben in unserer Abteilung wirklich viel zu tun".
Anton B. ist es nicht gewohnt, sich alle zwei Jahre einen neuen Arbeitgeber zu suchen. "Ich habe 22 Jahre lang in einer Firma gearbeitet." Als die Möbelfirma in einem Nachbarlandkreis Insolvenz anmeldete, begann für den Alleinstehenden die Arbeitsplatz-Odyssee: Zwei Jahre bei ZF in Schweinfurt, zwei Jahre bei FTE in Ebern.

Um einen neuen Job hat er sich zwar inzwischen selbst gekümmert ("Zur Arbeitsagentur gehe ich schon gar nicht mehr. Schade um jede Bewerbung, die du schreibst."), aber lieber wäre er in dem Beruf und der Abteilung, wo er sich eingearbeitet hatte und ein (Selbst)-Wertgefühl entwickelt hat, geblieben. Jetzt geht er zu den Fränkischen Rohrwerken, wie er berichtet, in eine völlig neue Umgebung und Aufgabe. "Wieder befristet auf zwei Jahre", so der gelernte Holzmechaniker aus einem Ort im Bereich der Verwaltungsgemeinschaft Hofheim.


Schwere Aufgabe

"Es ist nicht leicht, seinen Lebensstandard zu halten und den Unterhalt für die Familie zu verdienen", unterstützt ihn ein 17 Jahre jüngerer Kollege, ein dreifacher Familienvater, den es "jetzt schon vor dem nächsten Gang zur Arbeitsagentur graut". Der gelernte Kfz-Mechatroniker will die Hoffnung nicht aufgeben. "Dass wir gebraucht werden, erleben wir jeden Tag und unsere direkten Vorgesetzten bestätigen immer wieder, dass sie mit unserer Leistung zufrieden sind." Der Mann aus dem Bereich der Verwaltungsgemeinschaft Ebern sagt: "Ich habe in der Früh' nicht einmal überlegt: ,Gehst zur Arbeit oder nicht?' - weil ich mich gebraucht fühlte. Da war es keine Frage, am Samstag, am Sonntag oder an Feiertagen ins Werk zu gehen." Aber jetzt: Die Geschäftsleitung "hat mir die Luft aus dem Reifen gelassen".

Deswegen ist auch bei der Motivation die Luft raus. Die Sorgen, wie es weitergeht, überlagern alles. "Du kannst Dich nicht mehr zu 100 Prozent auf die Arbeit konzentrieren, wenn eine Lebensplanung nicht möglich ist." So hat er die Erfahrung gemacht, dass als Leih- oder Zeitarbeiter die Kreditwürdigkeit leidet. "Für einen Autokauf kriegst du kein Geld, von einem Hausbau ganz zu schweigen", weiß der 27-Jährige, der schon für eine Leihfirma in Ebersdorf/Coburg geschafft hat.


Für faire Bedingungen sorgen

Seine Forderung an Politik und Gewerkschaften: "Solche Arbeitsverträge dürfen nicht zur normalen Einstellungsstruktur werden. Wenn nach einem oder maximal zwei Jahren die Befristung des Vertrages eines Arbeiters ausläuft, dürfte der nicht durch einen anderen Arbeiter ersetzt und die Stelle mindestens ein Jahr nicht mehr besetzt werden." Und zum Schlagwort Politiker fällt ihm noch ein Nachteil ein: "Die fordern ständig, dass man sich um eine zusätzliche Altersvorsorge kümmern soll. In unserer Situation ist das doch gar nicht mehr möglich."


Von Anfang an befristet

Auf Nachfrage erklärt Antje Haase, Leiterin der Unternehmenskommunikation bei FTE, dass es sich bei den betroffenen Mitarbeitern um "befristete Beschäftigte" handelt, "welche bereits zum Eintritt in unser Unternehmen einen befristeten Arbeitsvertrag erhalten haben". Mehrere Kriterien spielen anschließend eine Rolle, ob es nach Ablauf der Frist weitergeht.

Haase: "Wir prüfen immer wieder die Möglichkeit, einzelne Mitarbeiter in ein unbefristetes Beschäftigungsverhältnis zu übernehmen, und setzen dies auch um, sofern sich ein langfristiger Bedarf abzeichnet und eine entsprechende Eignung der Mitarbeiter vorliegt." Zur Frage, warum in dem wachsenden Unternehmen derzeit eine erhöhte Anzahl befristet Beschäftigter benötigt wird (eine konkrete Zahl wurde dem Fränkischen Tag nicht genannt, da das Unternehmen "über weiterführende betriebsinterne Details" keine Auskünfte und Stellungnahmen abgeben will), erklärt Antje Haase: "Mit dem Auslauf von einigen Serienprodukten und dem Anlauf von neuen Produkten war ein erhöhter Personalbedarf verbunden."

Dieser Personalbedarf sei jedoch klar zeitlich befristet und sei auch nicht mit Zeitarbeit, etwa durch externe Dienstleister, sondern mit der Einstellung von befristeten Beschäftigten abgedeckt worden. "Des Weiteren investieren wir am Standort in Ebern in die Zukunft, schaffen zukunftsträchtige Arbeitsplätze, die zum Teil einen etwas geringeren Personalbedarf haben werden und so auch der demografischen Entwicklung Rechnung tragen." Es sei dem Unternehmen ausgesprochen wichtig, dies "mit einer leistungsstarken und hoch qualifizierten Stammbelegschaft umzusetzen, daher haben wir erst im Mai 2017 eine Standortsicherung für die kommenden Jahre, mit dem Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen, hier in Ebern vereinbart", erklärt die Kommunikationschefin.


Wirtschaftlichkeit gegeben?

Die Industriegewerkschaft Metall (IGM) Bamberg wünscht sich generell, dass befristete Verträge nach Möglichkeit in ein dauerhaftes Arbeitsverhältnis münden: "Wir setzen uns grundsätzlich für die Übernahme ein", erklärt Erster Bevollmächtigter und Pressesprecher Matthias Gebhardt. "Natürlich wissen wir auch, dass die Wirtschaftlichkeit gegeben sein muss." Trotz Befristung bewertet er positiv, dass die Verträge "vom ersten Tag an" nach geltenden Tarifvereinbarungen vergütet wurden, also eine faire Bezahlung gewährleistet war. Arbeitsrechtlich stellen die befristeten Verträge keinen Verstoß dar. Wenngleich eine unbefristete Übernahme wünschenswert wäre, so ist auch klar, dass darauf "kein grundsätzlicher Rechtsanspruch besteht".

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