Haßfurt
Strafprozess

Freispruch trotz der DNA-Spur

Der Aufbruch eines Zigarettenautomaten in Aidhausen am 7. März vergangenen Jahres bleibt wohl unbestraft.
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Das Amtsgericht in Haßfurt sprach am Freitag am zweiten Verhandlungstag den 47-jährigen Angeklagten frei. Der Mann war aufgrund seiner am Tatort gefundenen DNA-Spuren verdächtigt worden. Doch das reichte nicht für eine Verurteilung.

Der Nikotin-Entzug des Täters muss am späten Abend des 7. März vergangenen Jahres gewaltig gewesen sein. Mit einem Ast, den er aus einem in der Nähe befindlichen Busch herausbrach, hebelte der Dieb gegen 23 Uhr abends in der Ortsdurchfahrtsstraße in Aidhausen einen Zigarettenautomaten auf. Dabei erbeutete er Zigaretten und Bargeld im Wert von 261,50 Euro. Ungleich höher war der Schaden am Automaten, der sich auf 4635,85 Euro belief.

Dummerweise für ihn ließ der rabiate Raucher das Tatwerkzeug am Tatort liegen. Polizeibeamte konnten am nächsten Tag auf dem Ast DNA-Spuren sicherstellen, die das bayerische Landeskriminalamt auswertete - mit Erfolg. Die Ermittler fanden neben sogenannten Mischspuren auch eine DNA-Spur, die sie eindeutig dem polizeibekannten 47-Jährigen aus dem nördlichen Landkreis zuordnen konnten, der sich daher am 14. März wegen eines "besonders schweren Falls des Diebstahls" am Amtsgericht verantworten musste. Dort machte der Angeklagte, wie schon zuvor bei der polizeilichen Vernehmung, keine Angaben.

Eine Zeugin hatte zur Tatzeit einen schlanken Mann beobachtet, der mit den Händen auf den Zigarettenautomaten eintrommelte. Auf ihre Frage, was er da mache, habe der mutmaßliche Täter damals geantwortet: "Ich hol' mein Geld wieder raus", sagte die Zeugin vor Gericht. Erkannt habe sie den Mann nicht, da sie ihn nur von hinten gesehen habe und es dunkel war. Ein Zeitungszusteller entdeckte am frühen Morgen des nächsten Tages den demolierten Automaten und verständigte die Polizei.

Verteidiger Stefan Wagner wies darauf hin, dass der DNA-Treffer alleine vor Gericht nicht als Beweismittel verwertet werden könne, da es sich nicht um ein behördliches Gutachten handle. Zudem habe das Landeskriminalamt auch Mischspuren gefunden und eine Bushaltestelle befinde sich in der Nähe des Tatorts, so dass auch andere Personen als Täter in Frage kämen, argumentierte der Anwalt.

Der Staatsanwalt wollte damals - auch aufgrund der 14 Vorstrafen des Angeklagten - keinem voreiligen Freispruch des Angeklagten zustimmen. Er wollte sich zunächst noch aus dem Justiz-Archiv darüber informieren, ob der 47-Jährige schon einmal eine Automaten aufgebrochen hat. Doch es stellte sich heraus, dass dies nicht der Fall ist. Diebstähle hat er zwar bereits mehrere in seinem "Portfolio": Im Jahr 2013 kletterte er nachts über den Zaun auf dem Betriebsgelände eines Baustoffladens in Hofheim, warf mit einem Stein eine Fensterscheibe ein und erbeutete mehrere Waren. Doch wegen eines Automatenaufbruchs wurde der Angeklagte bislang nicht verfolgt.

Anklagevertreter Ilker Özalp beantragte daher - im Zweifel für den Angeklagten - einen Freispruch, dem sich sowohl der Verteidiger als auch die Vorsitzende anschlossen. Die gefundenen DNA-Spuren des Angeklagten seien zwar ein Indiz, das jedoch für sich allein nicht für eine Verurteilung ausreiche, sagte Richterin Ilona Conver in der Urteilsbegründung. Die Spuren könnten ja "sonstwie dorthin gelangt sein".



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