Haßfurt
Prozess

Frau betrieb schwunghaften Handel im Internet

Das Amtsgericht Haßfurt verurteilte eine 35-Jährige wegen Diebstahls und Betrugs in zahlreichen Fällen.
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Ausgerechnet an ihrem 35. Geburtstag musste sich am Freitag eine junge Mutter aus dem nördlichen Landkreis Haßberge vor dem Amtsgericht in Haßfurt verantworten. Anlass zum Feiern gab es freilich nicht: Das Gericht verurteilte die Angeklagte zu einer eineinhalbjährigen Bewährungsstrafe wegen gewerbsmäßigen Diebstahls in vier und Betrugs in 61 Fällen.

Aus einem Geschäft in Königsberg ließ die Diebin bei zwei Gelegenheiten Geldbeutel, Goldketten, Kleidungsstücke und andere Gegenstände im Wert von 2664 Euro mitgehen, um sie auf einer Internetplattform zu verkaufen. Außerdem stahl sie aus einem Bekleidungsladen in Haßfurt Waren im Wert von 300 Euro und aus einer Haßfurter Buchhandlung Bücher für 30 Euro, die sie ebenfalls über das Internet verkaufte. Im Jahr 2016 bestellte sie im Internet Schuhe, eine Handtasche und Kleidungsstücke für 2635 Euro. Die Waren bezahlte sie nicht und verkaufte sie wiederum teilweise online.

Vor Gericht räumte die Angeklagte die Taten über ihren Pflichtverteidiger Stefan Wagner ein. Sie habe damals unter familiären Belastungen gelitten. Sie habe ihr Kind allein erziehen müssen, ohne eine Arbeitsstelle zu haben, schilderte die Frau.

Auf die Schliche kam der Angeklagten ein Bekannter der Inhaber des bestohlenen Geschäfts in Königsberg, der im Internet recherchierte und gestohlene Gegenstände anhand von handschriftlich ausgefertigten Preisschildern erkannte. Bei einem Scheinkauf stellten Polizeibeamte Fingerabdrücke der Angeklagten auf dem Verpackungskarton fest. Bei einer Anfrage bei der Internetplattform nach dem Inhaber des Accounts stellte sich heraus, dass die Angeklagte mit ihrem eigenen Namen und ihrer Adresse angemeldet war. "Das war unprofessionell, so dass die Tat herauskommen musste", sagte der Verteidiger. Bei einer Hausdurchsuchung stellte die Polizei gestohlene oder nicht bezahlte Ware kartonweise sicher.

Ganz unbekannt ist die Angeklagte vor Gericht nicht. Bereits im Jahr 2015 erhielt sie eine Geldstrafe über 900 Euro wegen Diebstahls. Die Staatsanwältin forderte eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren plus 80 Stunden gemeinnützige Arbeit. Der Verteidiger hielt ein Jahr und drei Monate auf Bewährung für ausreichend.

Die Vorsitzende Richterin Ilona Conver blieb zwischen den beiden Anträgen. Die Taten bezeichnete sie als einen "Hammer". Die Verurteilte habe einen schwunghaften Handel betrieben und erhebliche kriminelle Energie angewandt. Neben 40 Arbeitsstunden ordnete die Vorsitzende die Einziehung von Wertersatz in Höhe von knapp 4000 Euro an. Diesen Betrag muss die Angeklagte an die Staatsanwaltschaft zahlen, die ihrerseits die Zahlungen an die Geschädigten weiterleitet. Das Urteil ist bereits rechtskräftig. Die Geburtstagsfeier fällt wohl aus.

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