Haßfurt
Unglück

Nach dem Hubschrauber-Unglück am Flugplatz in Haßfurt: Wie geht es weiter?

Nach dem Unfall mit einem Bundeswehrhubschrauber, bei dem ein Mann ums Leben gekommen ist, bleibt der militärische Sicherheitsbereich am Flugplatz Haßfurt vorerst aktiv. Der Helikopter soll per Lastzug abtransportiert werden.
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Der Hubschrauber CH-53 steht auf dem Rollfeld am Haßfurter Flugplatz, nachdem er mit dem Tower kollidiert war. Fotos: Barbara Herbst
Der Hubschrauber CH-53 steht auf dem Rollfeld am Haßfurter Flugplatz, nachdem er mit dem Tower kollidiert war. Fotos: Barbara Herbst
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Das Bild, das sich Beobachtern in den vergangenen Tagen am Flugplatz in Haßfurt bot, hatte durchaus etwas Bedrohliches: Das Flugplatzgelände war abgeriegelt, mit Maschinengewehren bewaffnete Soldaten bewachten die Zugänge und patrouillierten entlang des Sicherheitszaunes. Schilder wiesen auf den Ernst der Lage hin: "Unbefugtes Betreten verboten. VORSICHT! - Schusswaffengebrauch".
Darunter steht "Der Feldjägerführer", der in Person von Oskar Haase federführend zuständig war für die Umsetzung und Einhaltung des am Unfallort eingerichteten "Militärischen Sicherheitsbereiches". Haase nahm am Dienstag an der Pressekonferenz teil und begleitete Journalisten über das Rollfeld zum Unfallort - ein bulliger, uniformierter Typ, der eine Schusswaffe trägt - und sehr freundlich sagt: "Wenn Sie sich bitte noch in die Liste am Eingang eintragen lassen, das ist fürs Protokoll. Danke." Also nicht so bedrohlich, wie es zunächst den Anschein erweckte.


Überblick verschaffen

Am Tag nach dem schweren Unfall, der sich am Montagmorgen, kurz nach 10 Uhr, ereignet hat, hatten sich die beteiligten Stellen und Ermittlungsteams einen Überblick verschafft und gaben den Medien bereitwillig Auskunft: Ein Transporthubschrauber der Bundeswehr mit vierköpfiger Besatzung war nach der Zwischenlandung in Haßfurt in Richtung Tankplatz gerollt, dabei geriet er zu nah an den Tower heran, die Rotorblätter streiften das Gebäude mehrmals. Teile aus dem Mauerwerk und des Rotors flogen wie Geschosse durch die Gegend. Tragischerweise wurde dabei ein 60-jähriger Flugplatzmitarbeiter, der sich im Freien aufhielt, von Trümmern getroffen und so schwer verletzt, dass er später im Krankenhaus starb. Die Ermittlung der Unfallursache wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen.
Über das Polizeipräsidium Unterfranken in Würzburg war am Dienstagmittag eine Pressemitteilung herausgegeben worden, zudem fand wenig später eine Pressekonferenz am Flugplatz in Haßfurt statt, bei der Medienvertreter das Flugplatzgelände betreten und den verantwortlichen Ermittlern und zuständigen Personen vor Ort direkt Fragen stellen konnten.
Der Hubschrauber CH-53 stand flugunfähig auf dem Rollfeld, exakt an der Stelle, an der er nach dem Unfall zum Stehen gekommen war, wie Bundeswehrpressesprecher Stefano Toneatto versicherte. Bei der Bundeswehr wird, wenn militärisches Gerät außerhalb eines Bundeswehrstützpunktes "unplanmäßig" zurückbleibt, immer ein militärischer Sicherheitsbereich eingerichtet: Feldjägerkräfte werden angefordert, die vor Ort das militärische Gerät absichern und bewachen müssen. "Das ist immer so in solchen oder ähnlichen Fällen", erklärt Andreas Schmidt, der Stabsleiter der Wehrtechnischen Dienststelle für Luftfahrzeuge und Luftfahrtgerät der Bundeswehr (WTD) 61 in Manching. Von dort aus war der Helikopter gestartet.
Am dritten Tag nach dem Unglück ist Schmidt immer noch an der Unfallstelle. Ob es neue Erkenntnisse gebe? Zur Unfallursache nicht, denn die Ermittlungen seien sehr aufwendig, da sehr viele Möglichkeiten in Frage kämen, die zu der Kollision geführt haben könnten - alle müssten genau untersucht werden. Dies werde noch viel Zeit in Anspruch nehmen.


Maschine ist flugunfähig

Zum weiteren Ablauf erklärte Schmidt am Mittwoch, dass der beschädigte Hubschrauber nun abtransportiert werden müsse. Da die Maschine flugunfähig sei und nicht vor Ort repariert werden könne, müsse ein Schwertransporter den fast elf Tonnen schweren Hubschrauber über den Straßenweg nach Diepholz (Niedersachsen) überführen. Dort hätte der Helikopter eigentlich planmäßig am Montag landen sollen, im dortigen Fliegerhorst war eine Wartungsmaßnahme geplant.
Gestartet war der Transporthubschrauber in Manching bei Ingolstadt, wo die WTD 61 stationiert ist. In Haßfurt war eine Betankung geplant. Mit einer Tankfüllung sei die etwa 480 Kilometer lange Gesamtstrecke (Luftlinie) nicht zu schaffen. Nach Angaben der Luftwaffe verbraucht der Transporthubschrauber CH-53 im Durchschnitt 800 Liter Treibstoff pro Stunde. In den folgenden Tagen soll die Maschine zunächst am Flugplatzgelände vom Rollfeld bewegt werden, damit der Flugbetrieb fortgesetzt werden kann. Der militärische Sicherheitsbereich wird laut Stefano Toneatto mindestens noch bis Ende der Woche bestehen bleiben. Wann er aufgehoben werden kann, stehe aber noch nicht fest.
Wie der Stabsleiter Andreas Schmidt im Nachgang zu dem folgenschweren Unfall erklärte, blieb die Besatzung des Hubschraubers zwar körperlich unverletzt, werde aber aufgrund der Schwere der Ereignisse psychologisch betreut. Der tragische Tod des Flugplatzmitarbeiters sei das Schlimmste an dem Unfall, auch in Hinblick auf die Trauer der Angehörigen. "Das kann man in Worten auch gar nicht ausdrücken", sagte er. Er erklärte, dass das Militär in solchen Fällen anbietet, über den Sozialdienst der Bundeswehr Hilfestellung zu leisten.


Keine Nachrichtensperre

Dass die Öffentlichkeit durch die Medien erst am Dienstag über den Flugplatz-Unfall informiert worden war, hatte laut Pressesprecher Stefano Toneatto nichts mit einer "Nachrichtensperre" zu tun. "So etwas gibt es bei uns nicht", sagt er. Die Situation nach dem Unglück war zunächst chaotisch und unübersichtlich, wie fast immer bei Unfällen. Das heißt: Alle Einsatzkräfte - Bergungsteams, Rettungskräfte, Polizei, interne und externe Ermittler - haben wenig Informationen und müssen sich schnell einen Überblick verschaffen und daraus die nächsten Handlungen ableiten. Laut Toneatto war am Montag bis in den Abend hinein noch Vieles unklar, vor allem war ungewiss, wie sich der Zustand des verletzten Flugplatzmitarbeiters entwickeln würde. Unterdessen wurden die militärische Abteilung "General Flugsicherheit der Bundeswehr", die Staatsanwaltschaft Bamberg, die Kripo Schweinfurt sowie freilich auch die Flugplatzbetreiber als Hausherren in die Abläufe involviert. Um "gesicherte Informationen" weitergeben zu können, müssten untereinander viele Absprachen getroffen und Informationen ausgetauscht werden, sagt Toneatto. "Wir müssen uns ja alle abstimmen." Als dann zudem der verletzte 60-Jährige in der Nacht auf Dienstag im Krankenhaus verstarb, änderte sich die Situation noch einmal grundlegend.
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