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Feuertest und schwieriger Parkour: So läuft die Prüfung der Rettungshundestaffel Haßberge ab

Bei der Suche nach vermissten oder verschütteten Personen zählt die Polizei auf die Schnauzen der Spürhunde. Aber bevor die Vierbeiner in den Rettungsdienst dürfen, müssen sie einige Tests bestehen. Die Rettungshundestaffel Haßberge prüfte 21 Hunde aus ganz Bayern.
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Teamarbeit ist hier gefragt: Frauchen Pia Empfing (vorne) von der Rettungshundestaffel Main-Spessart muss mit durch den Parkour aus Duschvorhängen und herumrollenden Fässern. Foto: Lucie Homann
Teamarbeit ist hier gefragt: Frauchen Pia Empfing (vorne) von der Rettungshundestaffel Main-Spessart muss mit durch den Parkour aus Duschvorhängen und herumrollenden Fässern. Foto: Lucie Homann
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Schreie hallen über abgeerntete Felder. Qualm zieht auf. Eine Flotte von Rettungswägen quetscht sich den schlammigen Weg zum Trainingsgelände des Hundesportvereins Wonfurt entlang. Eine orangegekleidete Ersthelferin springt über die tiefen Pfützen am Wegesrand und scherzt: "Alles nur Übung!"

Rettungshundestaffeln aus ganz Bayern haben sich auf dem Vereinsgelände versammelt, um die vierbeinigen Retter in spe einem Stresstest zu unterziehen.

Nichts für schüchterne Hunde

Mit wedelndem Schwanz wuseln vor allem Mischlinge und Vertreter des "Mode-Hunds" Australian Shepherd zwischen den Beinen der Herrchen umher. Hier ein Kläffen fürs Leckerli, da eine sprunghafte Begrüßung - die Atmosphäre ist bereits Teil des Tests, verrät Bianca Herz, Staffelleitung der Rettungshundestaffel Haßberge. "Hier wird die Sozialverträglichkeit getestet, mit anderen Personen und fremden Hunden." Bei 21 zu prüfenden Tieren und fast doppelt so vielen Zuschauern ist das Trainingsgelände gerammelt voll. Kein Ort für scheue Vierbeiner.

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Im Katastrophenfall reagieren Verletzte hektisch, schreien oder schlagen um sich. Gegenstände rollen umher, Feuer bricht aus. Wie findet man heraus, ob die Anwärter solchen Einsatzanforderungen und der dort herrschenden Geräuschkulisse gewachsen sind? Indem man Rettungsszenarien durchspielt!

Rettungshunde: Nerven aus Stahl sind wichtig

Es beginnt mit dem Verkehrstest. Ein hupender Kombi fährt vor den angeleinten Hunden auf und ab. Einige Zuschauer halten sich die Ohren zu, während die Tiere zwar wachsam dem lauten Gefährt nachblicken, aber sonst keinen Mucks machen. "Schauen und schnuppern dürfen sie, aber sie sollen ruhig bleiben und nicht ängstlich oder sogar aggressiv werden", erklärt Herz.

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Beim Feuertest müssen die Hunde eine qualmende Feuerstelle umkreisen. Skeptisch gucken sie schon, lassen sich aber ohne Gegenwehr führen. Ein Feld weiter kämpft sich Frauchen Pia Empfing von der Rettungshundestaffel Main-Spessart samt Hund durch einen Parkour gespickt mit unebenen Untergründen, rollenden Fässern und wehenden Duschvorhängen.

Die Arbeit mit Hunden muss Spaß machen

"Kaum einer fällt hier durch", erzählt Herz. Denn für diesen Test ist der Charakter des Hundes entscheidend. Halter kennen ihre Tiere. Einen aggressiven oder fremdelnden Hund würde kein verantwortungsbewusstes Herrchen als Rettungshund ausbilden. Das Tier muss Spaß an der Arbeit haben, Zwang bringt nichts.

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Dennoch ist Aus- und Fortbildung auch für bereits geprüfte Rettungshunde unerlässlich. Zweimal wöchentlich findet das Training im Hundeverein Wonfurt statt. Auch Zuhause muss weiter erzogen und das Gelernte vertieft werden. Training alleine macht aber keinen guten Rettungshund, weiß Herz: "Wichtig ist das Verhältnis zwischen Hund und Hundeführer. Die müssen ein Team sein."

Durch den Stresstest müssen alle, ob Flächensucher, Trümmerspürhund oder die aus dem Fernsehen bekannten Mantrails. Flächen- und Trümmersucher stöbern alle - meist verschütteten - Menschen im Gelände auf. Mantrails sind nur auf die zu suchende Person fokussiert. Dafür brauchen sie eine eindeutige Geruchsquelle. Mal schnell ein Hemd vor die Schnauze halten und ab geht's - so einfach wie im Film ist es nicht, verrät die Staffelleiterin. "Wir werden meist für die Suche nach älteren oder suizidalen Personen eingesetzt." Kleidung und Handtücher gehen in Seniorenheimen durch zu viele Hände - besser funktioniert es mit einer Zahnbürste.

Nachts gab es einen Lebendfund

47 Alarmierungen verzeichnete die Hundestaffel 2019, berichtet Herz. "Vergangene Nacht hat meine Kollegin Brigitte Fiedler wieder einen Lebendfund gehabt." Bei Alarmierung wird über Bundesgrenzen hinweg benachrichtigt und so wurde Fiedler in der Nacht vom thüringischen Eisfeld angefordert. Ihr Mantrailer Lauser konnte die demente Frau im massiven Schneegestöber aufspüren. "Sowas motiviert besonders", erzählt Herz.

Die Mitglieder der Rettungsstaffeln arbeiten ehrenamtlich, ihre Einsätze sind kostenlos. Bedarf an neuen Mitgliedern, auch ohne Hund, besteht immer. Für das Training werden auch "Opfer" zum Aufstöbern gesucht. Und eines davon muss dann schreien.

Hier können Sie für die Hunde-Staffel spenden:

BRK KV Haßberge

IBAN: DE37 7935 1730 0000 0804 40

BIC: BYLADEM1HAS

Kennwort: "Rettungshunde"