Ebern
Luftfahrt

Feuer und Flamme fürs Ballonfahren

Fünf Frauen aus Ebern wagten sich, im Korb abzuheben. Zum Teil ihr erstes "Flugerlebnis" überhaupt. Nun dürfen sie sich als "Freifrauen der Lüfte fühlen".
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Der Ballon wird mit Heißluft gefüllt. Dabei helfen die Ballonfahrerinnen links und rechts des Brenners kräftig mit. Foto: Helmut Will
Der Ballon wird mit Heißluft gefüllt. Dabei helfen die Ballonfahrerinnen links und rechts des Brenners kräftig mit. Foto: Helmut Will
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Der Eberner Stadtteil bot den Startplatz. Am Kirchweihmontag von Unterpreppach sind sie in die Luft gegangen, nicht die Unterpreppacher, sondern Frauen aus Ebern haben das Wagnis auf sich genommen und sind zu einer Ballonfahrt gestartet. Bei lauem Westwind wurde der Ballon in Richtung Osten getragen, so dass die Ballonfahrer schon kurz nach dem Start über Ebern hinweg schwebten.

Gegen 17.45 Uhr wurde der Heißluftballon unweit des Holzlagerplatzes südlich der Staatsstraße 2278 startklar gemacht. Ballonfahrerpilot Georg Leupold und sein Helfer bekamen hierbei tatkräftige Unterstützung von fünf Frauen aus Ebern, denen schon vor dem Start die Spannung im Gesicht abzulesen war. Inge Günther, Christiane Herrmann, Gertrud Müller, Maria Hafenecker und Roswitha Krug, standen kurz vor ihrer ersten Ballonfahrt.
Sie packten mit an, als der Ballon mit Heißluft gefüllt wurde und die Hülle sich nach und nach aufplusterte, bis er schließlich senkrecht über dem Korb stand. Nur noch wenige Minuten bis zum Start.


Wichtige Anweisungen

Aber schon zuvor gab es vom Ballonpiloten Georg Leupold eine fachkundige Einweisung, was das Verhalten der Mitfahrer vor dem Start, vom Einsteigen in den Korb und über das Verhalten im Korb betraf. Dabei wurden die technischen Geräte erklärt und das korrekte Verhalten bei Start und Landung demonstriert. Angestrengt und mit Spannung im Gesicht folgten die fünf Frauen den Ausführungen des erfahrenen Ballonpiloten, der seit nunmehr 28 Jahren mit seinem Ballon in die Lüfte steigt.

"Noch Fragen?" Kopfschütteln, "alles verstanden".
Was ist nötig zum Ballonfahren? Vier "Ws": Gutes Wetter, Weitsicht, wenig Wind und eine Wiese als Startplatz. Alles war bei Unterpreppach vorhanden. Ideale Voraussetzungen also für eine erlebnisreiche Ballonfahrt, deren Vorbereitungen und dann schließlich auch der Start von Partnern, Bekannten und teils Enkelkindern der mutigen Damen mit Fotos und Filmkamera verfolgt wurden.
Ballonpilot Georg Leupold hatte natürlich schon vorher Windrichtung- und Stärke festgestellt, den genauen Wetterbericht eingeholt, um die lokalen Umstände am Startort und im vermutlichen Bereich der Ballonfahrt geprüft. Alles war so weit in Ordnung, so dass der Korb "aufgerüstet" werden konnte.


Die Vorbereitungen

Die Ballonhülle wurde in Windrichtung ausgelegt und mit dem liegenden Korb verbunden. Aus Sicherheitsgründen wurde der Ballon am Fahrzeug gesichert, um vorzeitiges Abheben zu verhindern. Der Brenner wurde montiert, die Fluginstrumente befestigt, der Funkkontakt zum Begleitfahrzeug getestet, der feste Sitz der Gasflaschen (Treibstoff für die Ballonfahrt) geprüft und eine Brennerprobe gemacht. Mit einem motorgetriebenen Ventilator wurde die Ballonhülle mit kalter Luft gefüllt, wobei, wie auch kurz danach bei der Füllung mit Heißluft die fünf Ballonfahrerinnen kräftig mit anpackten.

Auf der einen Seite des Brenners Christiane Herrmann und Maria Hafenecker, auf der anderen Seite Inge Günther, Gertrud Müller und Roswitha Krug. Sie griffen so fest zu, dass man den Eindruck hatte, dass sie den Ballon festhalten wollten, damit er nicht ohne sie davon flog. Beim Füllen des Ballons mit einem Propangasbrenner erwärmt sich die Luft in der Ballonhülle langsam, so dass sie sich schließlich vom Boden erhebt und den Korb aufrichtet.


Das erste Mal abgehoben

Roswitha Krug war noch niemals in einem Ballon gefahren oder mit einem Flugzeug geflogen. "Ich war einige Tage vorher ganz schön aufgeregt, um so mehr wundere ich mich, dass ich so kurz vor dem Start relativ ruhig bin", sagte sie. Gemischte Gefühle begleiten sie aber offensichtlich doch, wie sie zugibt, was auch den anderen vier so ging, wie man ihren Bemerkungen unschwer entnehmen konnte. Roswitha Krug griff in eine Tasche ihres Anoraks und holte einen Flachmann hervor. "Vielleicht hilft ja ein Schluck daraus kurz vor dem Start oder während der Fahrt", lachte die Seniorin.

Nun war für die erwartungsvollen Ballonfahrerinnen die Zeit gekommen, über die Bordwand in den Korb zu klettern. Ballonpilot Georg Leupold leistete gerne Hilfe bei der nicht ganz einfachen Kletterübung. Geschafft!
Durch weiteres Aufheizen erzeugte der Ballon immer mehr Auftrieb und hob schließlich sachte ab. Erste neugierige Blicke der Damen über die Bordwand des Korbes hinweg nach unten wirkten noch zaghaft. Ihre Hände klammerten sich fest in die Bordwand, so dass nur kurzes Winken für die am Boden Gebliebenen zu erkennen war.
Wohin die Reise führte, bestimmte der Wind. Unten am Boden klickten die Kameras der Ehepartner, der Bekannten und Verwandten. Enkel winkten ihrer Oma nach, die nach und nach kleiner wird, je weiter sich der Ballon in Richtung Ebern entfernte. Schon nach kurzer Zeit fuhr er über die Altstadt von Ebern. Für die fünf Ebernerinnen ein sicher toller und bisher unbekannter Anblick.
Weiter ging die Fahrt in östliche Richtung zwischen Hambach und Landsbach hindurch Richtung Itzgrund, bis der farbenfrohe Ballon schließlich aus dem Blickfeld verschwand.
Nach etwa 75 Minuten setzte der Ballon sanft bei Herreth im Itzgrund auf. "Wir mussten runter, weil es windstill geworden war", sagte Georg Leupold.


Felder und Kreisel

Ein Erlebnis, das wohl niemand der fünf Seniorinnen vergessen wird, ging zu Ende. Nach der Landung musste der Ballon wieder verstaut werden, wobei alle tatkräftig mit anpackten. Die fünf Damen aus Ebern wurden, ein Ballonfahrer-Ritual in den "Adelsstand" der Aeronauten aufgenommen, was mit Urkunden "verbrieft" wurde. Manche wurde so zu einer "Freifrau der Lüfte." Maria Hafenecker kam noch am nächsten Tag aus dem Schwärmen nicht heraus. "Es war großartig", sagte sie. Beeindruckt war sie von der Aussicht. "Wir konnten, als wir über Ebern fuhren, unsere Häuser erkennen und die Felder boten ein buntes Bild." Im Korb sei ob der gepflegten Felder der Satz gefallen: "Was haben wir doch für großartige Bauern." Auch die fünf Kreisel von Ebern konnte man von oben mit einem Blick erfassen, schwärmte Maria Hafenecker. Sie seien, wie sie auch für ihre Mitfahrerinnen versichern könne, hellauf begeistert.
Zufrieden mit seinen Fahrgästen war auch Ballonpilot Georg Leupold aus Bad Königshofen, der auch eine Ballonfahrerschule betreibt. Derzeit habe er acht Schüler, die sich zu Ballonfahrerpiloten ausbilden lassen. "Wir sind so 600 bis 700 Meter hoch gestiegen und eine Geschwindigkeit von zehn bis 15 Stundenkilometern gefahren", sagte Leupold. Er freut sich mit den fünf Damen aus Ebern, dass es denen so gut gefallen hat:. "Genau so soll es sein!"

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Daumen hoch. Der Ballon hebt sich mit seinem Piloten Georg Leupold (rechts) in die Lüfte. Die Ballonfahrerinnen auf dem Foto (von links): Christiane Herrmann, Roswitha Krug, Gertrud Müller, Inge Günther und Maria Hafenecker. Foto: Helmut Will

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Zages Winken von Maria Hafenecker nach unten kurz nach dem Start, mit der linken Hand den Korb fest umklammert, geht es nach oben. Foto: Helmut Will

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Den am Boden gebliebenen bleibt nur der Blick nach oben. Ihre Damen entschwinden Richtung Ebern und Richtung der Windräder am "Bretzenstein) (Hintergrund). Foto: Helmut Will

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Guten Mutes packen vor dem Start bei den Vorbereitungen Maria Hafenecker und Christiane Herrmann (von links) mit an. Foto: Helmut Will

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Der Ballon wird mit Heißluft gefüllt. Dabei helfen die Ballonfahrerinnen links und rechts des Brenners kräftig mit. Foto: Helmut Will

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Teamwork ist beim Einsteigen in den Korb gefragt. Foto: Helmut Will
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