Sand am Main
Welthundetag 2019

Fehlende Konsequenz: Hundetrainerinnen aus Sand warnen vor typischen Erziehungsfehlern

Am 10. Oktober ist Welthundetag, das Leben von Anette Michler und Laura Valtenmeier dreht sich jedoch das ganze Jahr über um die Vierbeiner. Die Hundetrainerinnen erklären, welche Fehler in der Hundeerziehung Frauchen und Herrchen unbedingt vermeiden sollten.
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Anette Michler (re.) bekommt zum Welthundetag ein nasses Küsschen. Foto: Teresa Hirschberg
Anette Michler (re.) bekommt zum Welthundetag ein nasses Küsschen. Foto: Teresa Hirschberg
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Feucht, stürmisch und vor allem haarig, so fällt die Begrüßung bei Anette Michler aus. Gemeinsam mit Tochter Laura Valtenmeier betreibt sie eine Hundezucht und die dazugehörige "Hundeschule-Hassberge" in Sand am Main. Doch hinter der Entscheidung für diesen tierischen Beruf steckt ein einschneidendes Erlebnis.

Acht Jahre ist es nun her, dass Michlers ehemalige Postfiliale in Zeil überfallen wurde. Dass ein bewaffneter Mann ihre Schwester bedrohte. "Da ist die Welt zusammengebrochen", erinnert sich Michler. "Zwei Jahre später habe ich gesagt, ich kann das nicht mehr - und habe das Geschäft verkauft." Ihre mittlerweile verstorbene Hündin Lilli wollte sie nach dem Vorfall nur noch ungern mit in die Filiale nehmen, auch nicht zum Schutz. "Ich habe meine Hunde nicht zur Sicherheit", erklärt Michler. "Denn ich habe viel mehr Angst davor, dass ihnen etwas zustoßen könnte."

Hunde gehen vor

Mit den beiden Labrador-Weibchen Lilli und Emma begann die große Hundeliebe, vor zwölf Jahren startete Michler dann ihre eigene Zucht. "Hunde sagen mir mehr als manche Menschen", erklärt Michler und blickt zum großen Sofa, wo Rüde Anton bestätigend schnarcht. "Sie sind dir nie böse und sie sind immer für dich da, wenn es dir schlecht geht. Für mich ist das alles." Nicht jeder in ihrem Freundeskreis könne diese tierische Begeisterung nachvollziehen. Doch Michler möchte ihre Hunde nicht wegsperren, auch nicht für Besuch. "Wer unsere Hunde nicht akzeptiert, soll bitte draußen bleiben."

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Ein liebes, freundliches und ausgeglichenes Wesen, das zeichne die Labrador-Retriever aus - der perfekte Familienhund eben. Als Welpenaufzucht und Trainingsstunden für Michler alleine zu viel wurden, stieg Tochter Laura mit ein, hängte ihren Bürojob an den Nagel. Wie zuvor ihre Mutter ließ auch sie sich in einer Schweinfurter Hundeschule zur Trainerin und Verhaltenstherapeutin ausbilden. Das Mutter-Tochter-Gespann funktioniert gut, die Tierliebe verbindet. Nur gemeinsame Urlaube seien nun nicht mehr drin, jemand müsse schließlich immer zuhause auf ihre "Labis" aufpassen.

Rechtzeitig nach Hilfe fragen

Fehlende Konsequenz sei das größte Problem in der Hundeerziehung, findet Michler. "Oft werden die Tiere vermenschlicht", spricht die Trainerin aus Erfahrung. Immer wieder würden Kunden einen Hund planlos anschaffen, sich im Vorfeld nicht genug über die jeweilige Rasse informieren. Und dann gebe es diejenigen Hundebesitzer, die erst dann professionelle Hilfe hinzuziehen, wenn der Hund bereits zugebissen oder die gesamte Wohnung verwüstet hat. "Wenn der Hund nicht hört, ist meiner Meinung nach immer der Mensch schuld", stellt Michler klar.

In ihrer Hundeschule helfen Michler und Valtenmeier nicht nur bei der Grunderziehung von Welpen, sondern bereiten auch Kampfhunde wie Rottweiler auf den erforderlichen Wesenstest vor, üben mit Tier und Halter beispielsweise Zug- und Busfahrten oder Spaziergänge in der Stadt. Die beiden glauben fest daran, dass es für eine gute Erziehung nie zu spät ist, ungeachtet der Rasse und des Alters. "Solange die Besitzer gut mitmachen, funktioniert es auch."

8 Hunde leben bei Anette Michler und Laura Valtenmeier: sieben Labrador-Retriever und ein Border Collie.

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Erziehungstipps für Hunde

Kommandos Mit der Schleppleine lässt sich am besten der Ruf "Hier" üben, danach sind "Platz" und "Sitz" an der Reihe. Pfötchen geben und Rolle machen sind süß, aber eher Spielereien.

Auffälligkeiten Ängstliche, hyperaktive und aggressive Hunde gehören zum Klientel der Sander Hundeschule. Aber woran erkennen Besitzer, welches Verhalten noch normal ist? "Ehemalige Straßenhunde sind meistens sehr ängstlich, genauso wie Welpen aus schlechter Zucht", erklärt Laura Valtenmeier. "Und wenn Welpen nicht freudig auf fremde Menschen zugehen, stimmt etwas nicht." Bellattacken auf offener Straße und ein eingezogener Schwanz seien außerdem oftmals kein Zeichen von Aggressivität, sondern von Angst.

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