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Haßfurt
Körperverletzung

Faust aufs Auge wird teuer

Das Amtsgericht in Haßfurt verurteilte einen 27-Jährigen, der in der Nacht zu Neujahr in Knetzgau zugeschlagen hatte.
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Der Neujahrsmorgen 2019 endete für zwei Streithähne im Krankenhaus. Am Dienstag musste sich einer der beiden am Amtsgericht in Haßfurt am zweiten Verhandlungstag wegen Körperverletzung verantworten, weil er seinem Kontrahenten mit der Faust aufs Auge geschlagen haben soll. Dabei platzte die Augenbraue seines Opfers und musste im Krankenhaus in Haßfurt genäht werden.

Der Schlag kommt den 27-jährigen Angeklagten teuer zu stehen. Denn das Amtsgericht verurteilte ihn zu einer Geldstrafe in Höhe von 4500 Euro. Außerdem muss der Verurteilte 900 Euro plus fünf Prozent Zinsen und die Kosten des Verfahrens einschließlich der Nebenklage zahlen - insgesamt mindestens 6000 Euro.

Das Opfer saß am ersten Verhandlungstag im Gerichtssaal als Nebenkläger seinem mutmaßlichen Peiniger gegenüber. In Streit gerieten die beiden nach Angabe des Geschädigten, als er mit Bekannten gegen 3 Uhr morgens in Knetzgau nach einer Silvesterparty auf einem Bürgersteig auf ein Taxi wartete, das sie heimfahren sollte. In diesem Moment sei der Angeklagte mit seiner Verlobten auf dem Beifahrersitz mit seinem Golf mit überhöhter Geschwindigkeit auf sie zugekommen. Um den Angeklagten zum Bremsen zu bringen, habe er mit später ermittelten 2,2 Promille Alkohol in der Blutbahn einen Schritt auf die Straße gemacht. Der Fahrer habe daraufhin abgebremst und habe durch die geöffnete Scheibe der Beifahrertür gefragt: "Was soll das?"

Der erboste Fahrer sei dann ausgestiegen und es habe sich eine Diskussion entwickelt, schilderte das spätere Opfer weiter. "Wir haben keine Nettigkeiten ausgetauscht", gab der Geschädigte zu Protokoll. Die Situation sei eskaliert. Er habe den Wagen des 27-jährigen Fahrers berührt und einen Faustschlag aufs Auge erhalten. Er habe daraufhin stark geblutet und sei von einem Krankenwagen ins Krankenhaus gebracht worden. Selbst zugeschlagen habe er nicht.

Doch diese Darstellung widersprach der Aussage, die der Angeklagte über seinen Verteidiger Alexander Wessel gemacht hatte. Danach habe der Geschädigte auf die Beifahrerseite seines Autos getreten und den Angeklagten zuerst geschlagen, bevor dieser zurückschlug. Beide seien später im Krankenhaus behandelt worden.

Noch drastischer schilderte die Verlobte des Angeklagten den Vorfall. Der Geschädigte sei "wie aus dem Nichts" auf die Straße gesprungen und habe gegen das Auto getreten. Zwei der dort Stehenden hätten ihren Verlobten gehalten und der Geschädigte habe ihm einen Schlag ins Gesicht verpasst. Ihr Verlobter habe vor Schmerzen geschrien. Laut ärztlichem Attest erlitt er Schwellungen im Gesicht und habe Blut im Mund gehabt. Beim Losreißen habe der Angeklagte zugeschlagen und den Geschädigten getroffen.

Dieser Schilderung wiederum widersprach eine weitere Zeugin, die aussagte, dass der Angeklagte gezielt zugeschlagen habe. Er habe sich außerdem geweigert, seinen Verbandskasten aus dem Auto zur Verfügung zu stellen, um damit den blutenden Geschädigten zu versorgen, und sei aggressiv gewesen, sagte eine andere Zeugin.

Ein Unbekannter ist der 27-jährige Angeklagte vor Gericht nicht. Acht Eintragungen zieren seinen Bundeszentralregisterauszug. Fünfmal wurde er bereits wegen Körperverletzungen verurteilt. Auch Diebstahl, Sachbeschädigung, Urkundenfälschung und Schwarzfahren stehen in seinem "Portfolio". In den Jahren 2016 und 2017 wurde er wegen eines einschlägigen Delikts zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Die Staatsanwältin sah die Schuld des Angeklagten als erwiesen an. Sie forderte eine fünfmonatige Haftstrafe ohne Bewährung aufgrund des üppigen Sündenregisters für den Angeklagten, der zum Tatzeitpunkt zudem unter zweifacher einschlägiger Bewährung stand.

Nebenklage-Anwalt Stefan Wagner schloss sich dem Antrag der Staatsanwältin an. Man habe dem Angeklagten "eine goldene Brücke gebaut". Doch weder eine Entschuldigung noch ein finanzieller Schadensausgleich sei von der Gegenseite gekommen. Der Anwalt forderte daher ein Schmerzensgeld in Höhe von 1500 Euro plus Zinsen für seinen Mandanten.

Verteidiger Alexander Wessel plädierte auf Freispruch. "Wir wissen nicht, was sich wirklich abgespielt hat", argumentierte er. Die Zeugenaussagen seien widersprüchlich gewesen.

Dies wertete Richterin Ilona Conver anders. Sie sah keine Notwehrsituation gegeben. Der Angeklagte habe zuerst zugeschlagen. Der Angeklagte sei jedoch zuvor durch den Tritt gegen sein Auto provoziert worden. Ihn deshalb hinter Gitter zu schicken, sei jedoch nicht angemessen.

Der Angeklagte ist mit dem Urteil noch gut bedient. Denn bei einer Freiheitsstrafe wären wohl frühere Bewährungsstrafen widerrufen worden und er hätte sich auf längere Zeit von seiner Lebensgefährtin und dem gemeinsamen Kind verabschieden müssen.

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