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Haßfurt
Strafprozess

Fataler Sekundenschlaf

Ein 48-jähriger Autofahrer musste sich vor dem Amtsgericht Haßfurt verantworten, weil er einen schweren Unfall verursacht hatte.
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Völlig übermüdet fuhr ein 48-jähriger Autofahrer aus dem Maintal am 16. Juni vergangenen Jahres kurz vor 14 Uhr mit seinem VW auf der Staatsstraße bei Theres in Richtung Schweinfurt. Er schlief am Steuer für wenige Sekunden ein - mit fatalen Folgen. Er kam auf die Gegenfahrbahn und kollidierte frontal mit einem entgegenkommenden Audi. Dabei wurden die vier Insassen des Audi zum Teil schwer verletzt. Der Sachschaden betrug knapp 30 000 Euro.

Der Unfallverursacher erhielt einen Strafbefehl, in dem ihm neben einer Geldstrafe das Autofahren für sechs Monate untersagt wurde. Das gefiel dem 48-Jährigen nicht, da er nun in Zukunft mit Fahrrad und Bahn zu seiner Arbeitsstelle bei Bamberg fahren musste. Er legte Einspruch gegen den Strafbefehl ein und musste sich daher am Mittwoch am Amtsgericht in Haßfurt verantworten.

Dort argumentierte sein Verteidiger Alexander Wessel, dass sein Mandant bei der Polizei den Sekundenschlaf als Unfallursache sofort eingeräumt und sich damit "selbst ans Messer geliefert" habe. Der Unfallschaden sei zudem bereits durch die Versicherung beglichen.

Die Staatsanwältin belehrte den Angeklagten, dass es sich um einen erheblichen Unfall handle. Der "worst case" sei eingetreten. Er solle froh sein, dass niemand gestorben sei und ihm die Fahrerlaubnis nicht entzogen wurde. Dadurch müsse der Angeklagte den Führerschein nicht neu beantragen und ihm bleibe eine mögliche MPU ("Idiotentest") erspart, sagte die Staatsanwältin.

Der Verteidiger führte ins Feld, dass eine Übermüdung jeden treffen könne und weder Drogen noch Alkohol im Spiel gewesen seien. Doch dieses Argument ließ die Anklagevertreterin nicht gelten. Sie sagte, dass eine Übermüdung im Strafgesetzbuch einer Fahrt im Rauschzustand gleichgestellt sei. Eine Übermüdung kündige sich vorher an, beispielsweise dadurch, dass die Augenlider schwer werden. Der Angeklagte sagte, er habe 40 Kilometer Anfahrt zur Arbeitsstelle. Der Verteidiger bat um eine Reduktion des Fahrverbots von sechs auf vier Monate.

Doch sowohl die Staatsanwältin als auch die Vorsitzende blieben unnachgiebig. "Sie müssen ja nicht von Gückelhirn nach Oberaurach zur Arbeit fahren", argumentierte Richterin Ilona Conver. Verteidiger und Angeklagter sahen ihre Felle davonschwimmen und nahmen den Einspruch zurück. Damit wird der Strafbefehl rechtskräftig.

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