Altenstein

Fanclub in Altenstein für den Außenseiter Greuther Fürth

Der Altensteiner Greuther-Fürth-Fanclub hofft und bangt für den fränkischen Zweitligisten. Das erste Relegationsspiel um den Aufstieg verfolgten die Anhänger in der Kneipe. Bei der Entscheidung am Sonntag ist man vor Ort.
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Sie schauten gebannt auf den Fernseher: Werner Sülzle, Rudi Kraus, Roland Holzheid, Werner Florschütz, Wilhelm Deininger, Günther Kraus, Wilhelm Elflein, Walter Edelmann (ehemaliger Spieler bei Fürth, Anfang der 60er in der Rerserve, Regionalliga Süd) und Fredy Zweier.  Foto: Lösch
Sie schauten gebannt auf den Fernseher: Werner Sülzle, Rudi Kraus, Roland Holzheid, Werner Florschütz, Wilhelm Deininger, Günther Kraus, Wilhelm Elflein, Walter Edelmann (ehemaliger Spieler bei Fürth, Anfang der 60er in der Rerserve, Regionalliga Süd) und Fredy Zweier. Foto: Lösch
Knapp vorbei. Die Fürther haben sich gerade eine gute Tormöglichkeit erspielt. Die gesellige Runde in der Gastwirtschaft Prediger in Altenstein quittiert die vertane Chance mit einem Raunen. Etwas über eine Viertelstunde ist gespielt. 20 Männer haben sich hier getroffen, um das Relegationsspiel Hamburger SV gegen SpVgg Greuther Fürth zu schauen. Es geht um das Ticket für die Erste Fußball-Bundesliga in der kommenden Saison. Der HSV will oben bleiben, die Kleeblätter aus Franken haben was dagegen und wollen die ewige Bundesliga-Uhr im Volksparkstadion anhalten (der HSV ist als einziger Verein seit der Gründung der Bundesliga 1963 noch nie abgestiegen).

In der Altensteiner Gastwirtschaft schlagen 19 Herzen für Greuther Fürth. Und eines für den HSV.

"Ich hatte die Wahl zwischen Basketball Play-off live in Bamberg und Fußball am Fernseher in Altenstein", sagt Wilhelm Deininger.
Er hat sich für den Fernseher entschieden. Zusammen mit seinen Freunden vom Greuther-Fürth-Fanclub hofft er auf eine kleine Sensation. "Wir sind Außenseiter", erklärt Wilhelm Elflein die Zurückhaltung seines Freundes. Das war vor dem Spiel. In der ersten Halbzeit setzt Fürth den HSV gewaltig unter Druck, hat nach 30 Minuten bereits zwei Großchancen, die Führung wäre verdient gewesen. "Wir haben sie im Griff", sagt Elflein und nickt zufrieden.

Die Stimmung bei den Alten-steinern ist gut. Aber sie brechen keine Fußball-Fete vom Zaun. Warum auch? Das hier ist das Hinspiel. Die Entscheidung fällt erst am Sonntag. Außerdem steht es Null zu Null. Bei einem Treffer der Fürther sähe das ein bisschen anders aus. Aber erst mal ruhig bleiben. In Lauerstellung gehen die Altensteiner dennoch, immer wenn die Kleeblätter sich dem Hamburger Strafraum nähern. "Ein Tor müssen wir machen, egal wie's is", sagt einer aus der Runde.

Drei waren in Hamburg dabei

Die Männer, allesamt über 50, schauen jedes Spiel gemeinsam, bei den Heimspielen fahren sie ins Stadion. Drei Fans sind sogar zum Relegationsspiel nach Hamburg gefahren. "Drei Verrückte", sagt Elflein und nickt anerkennend.

Die Gemeinschaft der Fürth-Fans in Altenstein gibt es seit 1987, zunächst als Stammtisch, kurze Zeit später als offiziellen Fan-Club. In Fürth selbst hat das kleine Dorf aus dem nördlichen Landkreis Haßberge einen hohen Stellenwert: "Helmut Hack besucht uns jedes Jahr mindestens einmal", erklärt Roland Holzheid, der Vorsitzende des Fan-Clubs. Helmut Hack, das ist der Präsident von Greuther Fürth. Und der kommt nicht nur, um ein paar Grußworte zu sprechen und dann wieder zu verschwinden. "Der feiert mit uns", sagt Holzheid.

Mitte der zweiten Halbzeit verlagern sich die Spielanteile etwas zu Gunsten des HSV. Die Hanseaten machen jetzt Druck. Die Fürth-Fans kommentieren das mit Unbehagen und fragen sich, was mit ihrer Mannschaft los ist. "Die werden jetzt frech, du!", sagt Werner Florschütz über die Spielweise der Hamburger. Aber Fürth knickt nicht ein, sondern nimmt das Heft des Handelns nach einer kurzen Phase der Unsicherheit wieder in die Hand und erarbeitet sich weitere gute Chancen. In der 75. Minute die riesige Möglichkeit zur Führung, der Fürther Stürmer verfehlt die Flanke an den Fünfmeterraum nur haarscharf. "Des gibt's doch net", kommentiert Vorsitzender Roland Holzheid das Geschehen.

Ein Herz schlägt für den HSV

Ein bisschen hin- und hergerissen ist derweil Bernhard Marschall. Er ist zwar Mitglied im Altensteiner Fürth-Fan-Club und unterstützt die Franken in jeder Hinsicht, wäre da nicht diese Zeit gewesen, als er 15 Monate lang in Hamburg bei der Marine stationiert war. Damals begann sein Herz auch für den HSV zu schlagen. Die heutige Partie ist für ihn deswegen nicht unbedingt ein Vergnügen: Äußerst bedauerlich fände er es, wenn der HSV seine ununterbrochene Bundesliga-Zugehörigkeit nach über 50 Jahren unterbrechen müsste. Bedauerlich fände er es aber auch, wenn Greuther Fürth die Saison nach einer starken Leistung nicht mit dem Aufstieg krönen könnte. Marschall entschließt sich, das Ganze von der rein sportlichen Seite her zu betrachten. Sein Fazit für das Hinspiel: "Fürth war spielerisch besser. Ich bin überrascht, was sie in Hamburg abgeliefert haben."

Die anderen Zuschauer in der Gastwirtschaft nehmen ihm seine HSV-Sympathie keineswegs übel. "So sind wir nicht", erklärt Fredy Zweier. Auch wenn sich ihr Mitleid in Grenzen hielte, wenn der HSV absteigen müsste. Man komme hierher, um Fußball zu schauen und seinen Lieblingsverein zu unterstützen. Alles andere habe ja mit Fußball nichts mehr zu tun. Deswegen kann sich auch Adolf Korn beruhigt mit an den Tisch der Fürth-Freunde setzen. Und das, obwohl er Club-Fan ist. Die Kleeblätter mag er nämlich trotzdem. Sind ja auch nur Franken, erklärt er. Zweier wagt dann doch eine kleine Zwischenfrage: "Kennt ihr die kleinste Brauerei in Nürnberg? - Des is der Club mit seinen 25 Flaschen."

"Ein Achtungsergebnis"

Am Ende sind die Fürth-Fans mit dem Unentschieden zufrieden. Sie hätten nicht gedacht, dass sich die Millionen-Truppe des HSV gegen die relativ unerfahrene Zweitliga-Mannschaft aus Fürth so schwer tut. Das Null zu Null geht in Ordnung, findet Wilhelm Deininger: "Das ist ein Achtungsergebnis."

Letztlich war sogar mehr drin für die Fürther, sie hatten mehr vom Spiel und hätten den Sieg verdient gehabt. Mit einer solchen Leistung klappt das mit dem Aufstieg am Sonntag, glaubt Vorsitzender Holzheid: "1:0-Heimsieg", lautet sein Tipp für das Rückspiel. Der Altensteiner Fanclub wird diesmal live vor Ort sein. Im Stadion.

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