Gleusdorf
Justiz

"Fall Gleusdorf" wird verhandelt

Am Landgericht Bamberg beginnt am Mittwoch, 17. Juli, der Strafprozess zum Pflegeskandal in Gleusdorf (Kreis Haßberge). Drei Personen sind angeklagt.
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Die in die Schlagzeilen geratene Seniorenresidenz Gleusdorf in der Gemeinde Untermerzbach (Landkreis Haßberge)  Archiv
Die in die Schlagzeilen geratene Seniorenresidenz Gleusdorf in der Gemeinde Untermerzbach (Landkreis Haßberge) Archiv

Das Strafverfahren richtet sich gegen eine 59-jährige Frau sowie zwei 49 und 70 Jahre alte Männer, die an verantwortlicher Position im Seniorenheim oder im Umfeld tätig waren. Ihnen wirft die Staatsanwaltschaft mittäterschaftlich begangenen Totschlag durch Unterlassen, mittäterschaftlich begangenen versuchten Totschlag durch Unterlassen und andere Delikte vor. Verhandelt wird vor der Großen Strafkammer als Schwurgericht, wie aus einer Mitteilung des Landgerichts in Bamberg hervorgeht.

Die Frau war Heimleiterin, der jüngere angeklagte Mann Pflegedienstleiter der Seniorenresidenz Gleusdorf im Landkreis Haßberge und der ältere angeklagte Mann als Hausarzt für die ärztliche Versorgung der Heimbewohner tätig. Den Beschuldigten liegt laut Staatsanwaltschaft unter anderem zur Last, sich in drei Fällen "im gemeinschaftlichen Zusammenwirken aus Sorglosigkeit gegenüber dem Wohl der Heimbewohner als Herren über Leben und Tod verhalten zu haben und den Bewohnern die erforderliche medizinische Versorgung nicht gewährt oder die dringend gebotene Verlegung in ein Krankenhaus nicht veranlasst zu haben", was, so der Vorwurf weiter, "in einem Fall den Tod eines Heimbewohners und in zwei weiteren Fällen jedenfalls erhebliche gesundheitliche Beeinträchtigungen zur Folge gehabt haben soll". In einem vierten Fall sollen die Angeklagten einem Bewohner trotz dessen ausdrücklich in einer Patientenverfügung geäußerten Wunsches die gebotenen schmerzlindernden Maßnahmen vorenthalten und diesem dadurch erhebliche, vermeidbare Schmerzen zugefügt haben. Zudem soll der ehemalige Pflegedienstleiter einem psychisch kranken Heimbewohner, der die Nachtruhe nicht eingehalten hat, einen Faustschlag ins Gesicht versetzt haben.

Der für das Pflegeheim zuständige Arzt soll in drei Fällen unrichtige Todesbescheinigungen ausgestellt haben, indem er beispielsweise nach einem Sturzereignis einen natürlichen Tod bescheinigt oder unzutreffende Todesursachen angegeben haben soll, um die tatsächlichen Todesumstände zu verschleiern.

Nach dem Auftakt am 17. Juli hat das Landgericht Bamberg 27 weitere Verhandlungstage anberaumt. Dem Prozess sind umfangreiche Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft vorausgegangen. Der "Fall Gleusdorf" hat erhebliches Aufsehen erregt und für Diskussionen bis in die höchsten Ebenen der Politik hinein gesorgt. Eine Frage, die immer wieder im Zusammenhang mit Gleusdorf auftaucht, lautet: Wie können künftig solche Missstände in der Altenpflege verhindert werden?

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