Fischbach
Hehlerei-Verdacht

Fall FTE: Staatsanwalt leitet Ermittlungen ein

Die Wirtschaftsprüfer fieseln in Rechnungen herum, die Geschäftsleitung gibt sich noch bedeckt. Im Betrugsfall bei FTE ermittelt die Staatsanwaltschaft.
Artikel drucken Artikel einbetten
Was spielte sich hinter den Werkstoren wirklich ab? Staatsanwaltschaft und Wirtschaftsprüfer gehen der Sache auf den Grund.  Foto: Ralf Kestel
Was spielte sich hinter den Werkstoren wirklich ab? Staatsanwaltschaft und Wirtschaftsprüfer gehen der Sache auf den Grund. Foto: Ralf Kestel
Die Stimmung im FTE-Werk in Fischbach ist derzeit schlecht. Seit dem Bekanntwerden von kriminellen Machenschaften, die den Tatbestand von Betrug, Diebstahl und Hehlerei erfüllen dürften, und der Freistellung mehrerer Mitarbeiter, einer davon in leitender Funktion, geht das Misstrauen um. Auch von "Bauernopfern" ist die Rede, da deren Warnsignale an höheren Stellen missachtet worden sein sollen, einzelne Personen über große Handlungsfreiheiten verfügten.

Die Ungereimtheiten größeren Stils sollen bis ins Jahr 2013 zurückgehen. Und dabei handelt es nicht um ein paar Werkzeuge, die für den Hausbau übers Wochenende mal kurz mit nach Hause genommen wurden. Über sechsstellige Summen wird gemunkelt.

In Schriftform, teils anonymen Briefen, oder in vertraulichen Gesprächen haben sich Leute in unserer Redaktion, die exklusiv über die Vorgänge berichtet hatte, gemeldet. Diese Informanten hatten zum Teil selbst beobachtet oder sogar mit anpacken müssen, wie Altmetalle in Privatfahrzeuge geladen wurden. Andere wiederum fanden ihre (Computer-)Unterschriften auf Rechnungen wieder, die aufgrund eines Einkaufs von Elektrogeräten in heimischen Geschäften erstellt worden waren, obwohl sie ihren Angaben zufolge dort nie im Namen von FTE aktiv gewesen wären. Auch tauchte jüngst erst ein Schrotthändler auf dem Betriebsgelände auf, der mit einem Packen Geldscheine in der Tasche nach bestimmten Ansprechpartnern suchte ("Des habn wir doch immer so gämacht").

Mittlerweile hat die Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft in Hof, die auf Wirtschaftskriminalität spezialisiert ist, ein Ermittlungsverfahren der Bamberger Kollegen übernommen, wie ein Sprecher der Behörde bestätigte. Die Ermittlungen dauern noch an.

Dies unterstreicht auch eine Sprecherin des Unternehmens: "Wir bitten um Verständnis, dass sich die FTE automotive Gruppe aufgrund des noch laufenden Verfahrens weder an Spekulationen zum Sachverhalt beteiligen noch vorläufige Erklärungen abgeben kann und wird."

In der Firmen-Erklärung wird aber bestätigt, dass "im Rahmen einer an den Standorten Fischbach und Ebern in den letzten Wochen durchgeführten internen Revision von einzelnen Personen wiederholt gegen geltende Prozesse und Regeln verstoßen wurde". Derartige Verstöße würden mit entsprechenden Mitteln geahndet. Eine Zeugin berichtet, dass wegen der Ungereimtheiten bereits seit Juni Nachforschungen laufen.

"Die FTE automotive Gruppe nimmt ihre gesellschaftliche Verantwortung gegenüber Mitarbeitern, Kunden und der Öffentlichkeit weltweit sehr ernst. Daher legen wir als Unternehmensgruppe bei allen unseren globalen geschäftlichen Aktivitäten und Prozessen hohe ethische und rechtliche Standards zugrunde, die von unseren Mitarbeitern einzuhalten sind. Werden im Rahmen einer unternehmensüblichen internen Revision, die regelmäßig von einer unabhängigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft durchgeführt wird, Unregelmäßigkeiten aufgedeckt, so werden diese lückenlos aufgeklärt", heißt in der Firmenerklärung weiter.

Etwas mehr ist aber doch durchgesickert. Der Fall beschäftigt Angehörige sämtlicher (Führungs-)Ebenen - vom Fließband bis in obersten Etagen, auch die Betriebsräte.

Auch führen Spuren in die Nachbarlandkreise Rhön-Grabfeld und Bamberg, wo ein führender Mitarbeiter eines Maschinen-Lieferanten mit dem Drahtzieher bei FTE gemeinsame Sache gemacht, sogar eine (Schein-)Firma in China gegründet haben soll. Beide sind vor einigen Wochen am selben Tag von ihren Arbeitgebern zunächst freigestellt worden. Sie sollen ein Günstlingsgeflecht aufgebaut haben, das Leute, die "bei den krummen Dingern mitzogen", bei einer Postenvergaben bevorzugt habe, erzählt ein Mitarbeiter. Derzeit laufen wieder personelle Umbesetzungen auf verschiedenen Ebenen.
Verwandte Artikel

Kommentare (1)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren