Haßfurt
Gericht

Fahrradunfall in Eltmann entlarvt einen Drogendealer

Ein 35-Jähriger aus dem Maintal ist wegen Rauschgifthandels zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.
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Beim Angeklagten wurde auch das gefährliche Crystal gefunden. Symbolfoto: Daniel Karmann/dpa
Beim Angeklagten wurde auch das gefährliche Crystal gefunden. Symbolfoto: Daniel Karmann/dpa

Wegen eines Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz musste sich ein 35-jähriger Arbeiter aus dem Maintal vor dem Amtsgericht Haßfurt verantworten. Das Schöffengericht verurteilte den Mann wegen des Besitzes von und des Handelns mit Drogen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde.

425 Euro "Drogengeld" gefunden

Der Beschuldigte hatte im April 2018 in Eltmann mit seinem Fahrrad einen Unfall gebaut. Bei der Aufnahme entdeckte die Polizei bei dem Mann laut Anklageschrift "Betäubungsmittel in nicht geringer Menge" sowie "Drogengeld" in Höhe von 425 Euro.

Verteidiger Jochen Kaller erklärte, dass sein Mandant etwa die Hälfte der bei ihm sichergestellten Betäubungsmittel selber konsumieren wollte. "Die andere Hälfte hätte er wohl verkauft", räumte der Anwalt ein. "Mittlerweile hat mein Mandant nichts mehr mit Drogen zu tun", sagte Kallerer. Er habe seinen Führerschein verloren und dürfe nicht einmal mehr Fahrrad fahren. Im Moment sei er dabei, sich wieder in das Arbeitsleben einzugliedern. Seine Arbeitsstelle hatte er nach dem Vorfall verloren.

Schädelbruch erlitten

Eine Polizeibeamtin schilderte, dass sie bei der Unfallaufnahme bei dem Angeklagten drogentypische Merkmale festgestellt und danach verschiedene Betäubungsmittel aufgefunden habe.

Zwei Beamte der Kriminalpolizei erklärten, dass der Angeklagte nach der Überführung zur Kripo Schweinfurt über Schmerzen und Unwohlsein geklagt habe. Der Notarzt habe den Mann sofort in ein Klinikum bringen lassen, wo unter anderen ein Schädelbruch festgestellt worden sei. Kurios: In einem anderen Krankenhaus war er zuvor als haftfähig entlassen worden.

Nach den Worten der Kriminalbeamten entdeckte man beim Angeklagten Listen mit Namen und Geldbeträgen, ebenso Kontakte in einem der vier sichergestellten Handys. "Anhand dieser Beweismittel konnte davon ausgegangen werden, dass Handel mit Betäubungsmitteln vorlag."

Die Vorsitzende des Schöffengerichts, Ilona Conver, verlas das Gutachten des Landeskriminalamts, in dem das Rauschgift untersucht worden war. Man habe einige "Kracher" entdeckt, so die Richterin.

"Nicht unter einem Jahr"

Der Staatsanwalt betonte, dass sich in dem Verfahren der Vorwurf bestätigt habe. "Dafür sieht das Gesetz eine Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr vor", sagte er. "Sie waren ja in gewisser Weise ein Gemischtwarenhändler und hatten ein breites Spektrum verschiedener Betäubungsmittel in ihrem Angebot." Auch attestierte der Anklagevertreter dem 35-Jährigen eine hohe kriminelle Energie, "da er mit Betäubungsmitteln mit hohem Wirkstoffgehalt einen florierenden Handel betrieb".

Auch harte Drogen wie Ecstasy oder Crystal seien darunter gewesen. Der Staatsanwalt beantragte eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten. Außerdem sollte er 2000 Euro an eine gemeinnützige Institution zahlen.

Schwerwiegende Konsequenzen

Der Verteidiger sprach von einem minder schweren Fall und beantragte ein Jahr zur Bewährung sowie eine Geldauflage von 1000 Euro, die sein Mandant in Monatsraten zu 100 Euro abstottern sollte. Der Anwalt verwies darauf, dass der Angeklagte bei dem Unfall selbst schwere Verletzungen erlitt und weitere schwerwiegende Konsequenzen tragen musste.

In seinem letzten Wort zeigte sich der Angeklagte reumütig. Er bedauere alles. "Ich habe mich geändert und will nichts mehr machen", beteuerte er.

Das Schöffengericht blieb unter der Forderung des Staatsanwalts. Der Angeklagte muss 1200 Euro in Raten an das Kinderheim in Eltmann zahlen und die Kosten des Verfahrens übernehmen. Außerdem wird ihm für die Dauer von einem Jahr ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt. "Es gibt keinen Zweifel, dass die nicht geringe Menge überschritten war und auch chemische Drogen mit im Spiel waren", sagte die Richterin.

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