Zeil am Main

Fachwerkhaus von 1568 in Zeil bald fertig renoviert

Ein kleines Fachwerkhaus in der Speiersgasse in Zeil ist wieder top in Schuss, weil Kurt Walter die Renovierung des über 400 Jahre alten Schmuckstücks auf sich genommen hat. Bald soll das Häuschen wieder bewohnt sein.
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Bauherr Kurt Walter und Denkmalpfleger Roland Müller (von rechts) zeigten Reporter Andreas Lösch vom Fränkischen Tag das renovierte Fachwerkhaus in der Speiersgasse in Zeil. Foto: Barbara Herbst
Bauherr Kurt Walter und Denkmalpfleger Roland Müller (von rechts) zeigten Reporter Andreas Lösch vom Fränkischen Tag das renovierte Fachwerkhaus in der Speiersgasse in Zeil. Foto: Barbara Herbst
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Den Niederländern hat's gereicht, sie wollten nicht länger unter der Herrschaft der spanischen Krone stehen. Also wehrten sie sich. Der Achtzigjährige Krieg begann, der tatsächlich so lange dauerte, wie er hieß. 1568 war das. In jenem Jahr wurde außerdem Papst Urban VIII. geboren und, ach ja, ein schönes Haus in der Speiersgasse in Zeil am Main wurde gebaut.

Der Krieg und der Papst sind Geschichte, das Haus in Zeil erzählt seine bis zum heutigen Tag weiter. Vor kurzem hat es der Weisbrunner Kurt Walter gekauft und renoviert. Bald kann in dem jahrhundertealten Schmuckstück wieder jemand wohnen. Für Walter liegt dann etwa ein Jahr Arbeit hinter ihm.


Keine normale Renovierung

Eigentlich nichts im Vergleich zum Alter des Hauses, aber gerade weil das Bauwerk unter Denkmalschutz steht, war es eben keine normale Renovierung, wie der 81-jährige Bauherr aus Weisbrunn (Stadt Eltmann) erklärt. Als er Anfang des Jahres bei einem Besuch in Zeil die Speiersgasse entlang lief, habe er das Haus gesehen und war fasziniert. "Die Ecksäule hat mir so gut gefallen", erinnert sich Walter an den schön verzierten Holzbalken, der dem aufmerksamen Fußgänger ins Auge stach. Als er dann das Haus näher betrachtete, habe er ein Schild "zu verkaufen" entdeckt. Nun begann, eine Entscheidung in ihm zu reifen. Walter beschloss, das schöne Fachwerkhaus zu kaufen. 55 000 Euro musste er dafür hinlegen - bereits ahnend, dass er das Drei- bis Vierfache davon noch einmal für die Renovierung benötigen würde. "Mir haben welche gesagt: Es wäre besser gewesen, ich wäre weiter gelaufen zum Göller und hätte mich betrunken", sagt der 81-Jährige und lacht.

Der gelernte Zimmermann und Architekt Walter zog den Rat von Roland Müller hinzu. Der ist Bauingenieur und Denkmalpfleger und konnte sich recht schnell für das schnörkelige Gebäude in Zeil begeistern, "weil es ja das schönste Haus in der Straße ist, vom Fachwerk her", sagt Müller.

Als sie das Haus erstmals begutachteten (es war noch bis vor wenigen Jahren bewohnt), war klar, dass einiges gemacht werden muss. Aber Müller, der schon mehrere Renovierungen alter Häuser begleitet hat, kann versichern, dass er "schon Schlimmeres" gesehen hat. Walter und Müller überlegten, wie sie das Haus am besten aufteilen konnten, denn der Bauherr wollte sich die Option offen halten, selbst darin zu wohnen, oder aber auch mehrere Wohneinheiten zu vermieten. An der Seite des Hauses, wo früher eine Scheune mit Stall zu finden war, gibt es nun ein kleines Nebengebäude und ein Carport - darüber entstand eine neue Wohnung, der Rest des Hauses ist geschichtsträchtige Substanz.

Ins Holz gebohrt und untersucht

Die Bauweise des Fachwerks stammt aus dem Spätmittelalter, das Baujahr des historischen Dachstuhls aus Eiche lässt sich auf das Jahr 1568 zurückdatieren. Mittels Dendrochronologie hat ein Experte der Universität Bamberg das Alter des verwendeten Holzes bestimmt: Mit einer Probe, die bei einer Bohrung entnommen wird, kann anhand der Jahresringe des Baumes und entsprechender Referenzwerte das genaue Alter ermittelt werden. Die Bäume wurden damals laut Müller in der Regel geschlagen und gleich verarbeitet.

Außerdem, so erklärt der Denkmalpfleger aus Stettfeld, wurden in dem Haus sogar noch ältere Bauteile aus dem 15. Jahrhundert entdeckt, allerdings ließ sich hier nicht bestimmen, ob sie aus vorherigen Bauten einfach wiederverwendet wurden, oder ob die Grundsteinlegung des Hauses tatsächlich noch weiter zurückliegt.
Anfang des kommenden Jahres soll nach Auskunft Kurt Walters das Fachwerkhäuschen bezugsfertig sein. Bis zu drei Wohnungen mit insgesamt rund 160 Quadratmeter Wohnfläche entstehen - mitten in der Altstadt.
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