Ebern
Widerstand

Eyrichshöfer wollen den "Klotz" vor der Türe nicht

Ein geplantes Hochregallager im Eyrichshöfer Gewerbegebiet bringt Anwohner in Rage und eine Initiative in Fahrt.
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180 interessierte Bürger kamen zu der Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative. Christian Licha
180 interessierte Bürger kamen zu der Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative. Christian Licha
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Großen Zulauf findet die Bürgerinitiative gegen das geplante Hochregallager in Eyrichshof. 180 Interessierte kamen am Sonntag auf das Gelände der Metzgerei Fuchs, die in unmittelbarer Nachbarschaft zum nicht gewollten Neubau liegt. Auch Zweiter Bürgermeister Harald Pascher und einige Stadträte waren vor Ort. Bereits im Anschluss an die Kundgebung unterzeichneten 130 Bürger das Bürgerbegehren, mit dem der 21 Meter hohe Bau verhindert werden soll.

Die Informationsveranstaltung lief sehr geordnet und professionell ab. Hans-Peter Fuchs ist der Sprecher der Initiative und zeichnet mit Norbert Arndt und Adalbert Holzberg verantwortlich. Die Stellvertreter sind Kerstin Fertsch-Angermüller, Klaudia Kaiser und Freiherr Hermann von Rotenhan.

Schönheit der Natur ist Alleinstellungsmerkmal

Als "Eyrichshöfer Gewächs" bezeichnete sich Angelika Joachim, die die Moderation übernahm. Lange war sie weg von ihrer Heimat, wie etwa in Genf oder Avignon. Dort hat sie zusehen müssen, wie die Landschaft zugebaut wurde und will das nun in dem Eberner Stadtteil verhindern. Die Schönheit der Natur ist hier ein Alleinstellungsmerkmal und sei ein Pfund, mit dem Ebern wuchern kann, sagte Joachim.

Pläne wurden zunichte gemacht

Hans-Peter Fuchs, der 100 Mitarbeiter beschäftigt, wollte vor den Toren seiner Metzgerei ein Holzhaus und eine Erlebnisgastronomie bauen. Durch den "Klotz", wie der Mitgeschäftsführer sich ausdrückte, seien aber alle Planungen zunichte gemacht. Auch der Verkehrsbelastung in der Anliegerstraße sieht Fuchs beängstigt entgegen. Die Straße ist viel zu schmal, damit zwei Lastkraftwagen im Begegnungsverkehr aneinander vorbeifahren könnten. Aber auch hierfür hatte die Stadtverwaltung nach Fuchs' Anfrage eine Antwort, die die Leute zum Lachen brachte. Hier solle eine Ampelanlage an der Einfahrt des Neubaus und am Anfang der Straße abhelfen.

Was ist das Wort noch wert?

Seit Jahrhunderten tief verwurzelt ist seine Familie mit dem kleinen Tal und der Region rund um Eyrichshof, erklärte Freiherr Hermann von Rotenhan in einer bewusst von Herzen kommenden Rede. Für das, was der Stadtrat vorhabe, nämlich zum vierten Mal den Bebauungsplan zu ändern und damit die bisher geltende Regelung, dass nur Gebäude bis zehn Meter Höhe errichtet werden dürfen, außer Kraft zu setzen, fehle jedes vernünftige Maß.

"Wer will denn dann hier noch leben, wenn das 21 Meter hohe Gebäude die Sicht versperrt, fragte Rotenhan und mutmaßte, dass es dann auch für Gewerbetreibende nicht einladend sei, sich im Gewerbegebiet niederzulassen. Auch fragt sich von Rotenhan, was das Wort von Vertretern der Stadt noch Wert sei. Als seine Familie vor Jahren die Grundstücke für das Gewerbegebiet an die Stadt verkaufte, wurde zugesichert, dass sich dort Handwerker und kleinere Unternehmen ansiedeln sollen.

Mit der geplanten Änderung unterwerfe sich die Stadt den Anforderungen einer Firma. Auch andere Gewerbetreibende hätten Rechte, denn sie seien schließlich auch Gewerbesteuerzahler. In Sachen Uniwell ist sich von Rotenhan nicht so sicher, ob hier die gewünschten Gewerbesteuereinnahmen fließen.

Bei der derart hohen Investition werden wohl erstmal Abschreibungen gemacht, die die Gewinn vermindern, mutmaßte er. Außerdem könne niemand gewährleistet, dass der Konzern nicht eines Tages seinen Sitz in einen anderen Ort verlege. "Wir lieben unsere Heimat und kämpfen dafür", so rief der Baron auf, nicht tatenlos zuzusehen.

Mit Rechtsanwalt Dieter Czap, der seine Schwerpunkte im öffentlichen Bau, der Bauplanung und dem Baubeitragsrecht hat, war auch ein Fachmann vor Ort, der die Anwesenden über die geplante Höhe aufklärte.

Neuer Null-Punkt wird gesetzt

Mit der Änderung des Bebauungsplanes soll nämlich auch ein neuer Null-Punkt gesetzt werden und zwar auf der Höhe des Wendehammers in der Johann-Georg-Mäusel-Straße. Dieser liegt elf Meter über dem alten Null-Punkt, der sich an der Kreisstraße HAS 49 orientiert. Somit sei der Bau von dieser Straße aus gesehen sogar 32 Meter hoch. Außerdem liege das Gewerbegebiet im Naturpark Haßberge und das Landschaftsbild sei ein Schutzgut, so Czap.

Jedes Vorhaben müsse sich in das Landschaftsbild einfügen, wovon bei dem Neubau nicht die Rede sein könne. Der Rechtsanwalt zitierte Bürgermeister Jürgen Hennemann: "Wenn man von der Bundesstraße das Gelände betrachtet, werden die neuen beabsichtigten Gebäude immer noch vor den bewaldeten Hügeln sein und nicht darüber hinausragen... sich somit einfügen." Dies sei falsch, so Czap, denn in der Umgebung der Bundesstraße befinden sich keine Wohnhäuser und auch Radfahrer und Wanderer seien dort nur selten zu sehen.

Vielmehr sei für die Bewohner in Eyrichshof, Siegelfeld und den benachbarten Orten ein hoher Verlust der Lebensqualität und des Wertes ihrer Grundstücke zu erwarten. Auch stelle sich für ihn die Frage, ob es überhaupt eine wesentliche Zahl neuer Arbeitsplätze durch das Hochregallager geben wird. Mit den strengen Brandschutzanforderungen die dafür herrschen, wird nämlich ständig Stickstoff in das Gebäude eingeleitet, um den Sauerstoff und damit die Brandgefahr zu mindern. Unter diesen Bedingungen könnten dort keine Menschen arbeiten.

Über den geplanten LKW-Verkehr äußerte sich Adalbert Holzberg. Nach einer ganz groben Rechnung beläuft sich das Volumen der neuen Halle auf etwa 120 000 Kubikmeter. Ein Lkw fasst rund 70 bis 80 Kubikmeter, so dass er zu einem Rechenergebnis von 1500 Lkw am Tag kam.

Offiziell geplant seien 112 Lkw am Tag, die nach Meinung Holzbergs aber nicht realistisch sein könnten. Außerdem ist es ihm ein Rätsel, welche Waren Uniwell einlagern will, denn die Lagerkapazität sei wahrscheinlich um ein Vielfaches höher, was die Firma überhaupt produzieren könne.

Das stinkt zum Himmel...

"Das stinkt zum Himmel, wir kämpfen bis zum Letzten", animierte Holzberg seine Mitstreiter zum Widerstand.

Für das Bürgerbegehren werden rund 600 gültige Unterschriften von Bürgern aus Ebern und allen Stadtteilen benötigt. Unterschriftslisten liegen ab sofort im Fuchs-Bau, der Metzgerei Fuchs in der Rewe und bei Tabakwaren Heim aus. Weitere Anlaufpunkte sind geplant.

Werbung für das Bürgerbegehren

Bürger, die nicht aus Ebern kommen, sollen daheim Bürgermeister und Gemeinderäte informieren, was in Ebern läuft, damit diese sich ebenfalls einschalten könnten. Denn die zu erwartende Verkehrsbelastung interessiere auch andere Kommunen, wie es hieß.

Am heutigen Dienstag ist eine Veranstaltung der Stadt Ebern zu dem Thema geplant (20 Uhr im Feuerwehrhaus Eyrichshof). Es könnte eine kurzfristige Verlegung des Veranstaltungsortes geben, da die Bürgerinitiative mit an die 200 Besuchern rechnet.

Wohl nicht glücklich mit dem Treffen der Eyrichshöfer Widerständler ist die Stadt Ebern. Am Sonntagabend versammelten sich Gegner einer geplanten großen Halle im Talgrund. Großes Gelächter gab es, als Hans-Peter Fuchs erzählte, warum die Stadt die Veranstaltung nicht auf der Johann-Georg-Mäusel-Straße erlauben wollte. "Das ist eine öffentliche Straße, auf der auch am Sonntag mit hohem Verkehrsaufkommen zu rechnen ist", zitierte Fuchs die Verwaltung.

Tatsächlich verirrte sich in der über zweistündigen Veranstaltung kein fremdes Fahrzeug in die Straße, die den Anliegern im Gewerbegebiet als Zufahrt dient und vor dem Gebäude der Metzgerei Fuchs endet. Die Geschäftsführung Uniwell, die das Hochregallager bauen will, war eingeladen. Fuchs erhielt eine Absage, weil die Verantwortlichen nicht da seien. Die Baupläne ließ Uniwell nicht einsehen. Die Unterschriftenliste gegen das Vorhaben füllte sich schnell.

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