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"Es ist viel Hysterie"

Die Autohändler im Landkreis Haßberge sehen sich derzeit mit vielen Fragen der Kunden konfrontiert. Das "Dieselgate" schafft Unsicherheiten.
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Vier Auspuffrohre und 507 PS, ein "Spaßauto". Auch ein Benziner wie der Mercedes C63 AMG bläst ordentlich Abgase in die Luft.  Fotos: Brigitte Krause
Vier Auspuffrohre und 507 PS, ein "Spaßauto". Auch ein Benziner wie der Mercedes C63 AMG bläst ordentlich Abgase in die Luft. Fotos: Brigitte Krause
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"507 PS sind ein schlagendes Argument", sagt Karol-Jan Krupka und tritt genussvoll das Gaspedal des Mercedes-Kombi C63 AMG, handsigniert von DTM-Fahrer Bernd Schneider. Dunkles Brüllen, die vier Auspuffrohre spucken Höllendampf aus. Den Kunden geht die Freude an den "Spaßautos" auch in Zeiten von "Dieselgate" nicht verloren, meint Krupka, Verkäufer beim Autohaus Rainer von Marklowski in Haßfurt. Ob Benziner oder Diesel, VW, Audi oder Mercedes, "die sich's leisten können, schauen nicht drauf", beschreibt Krupka seine Erfahrungen. Ein "Spaßauto" wird auch nicht jeden Tag gefahren, sondern eher mal am Wochenende. Erst vor einer Woche hat er einen Ferrari verkauft, 570 PS, flach, schnell, laut, rot.
Freilich gibt es Kunden, die mit Zeitungsartikeln auf den Hof marschieren und die Verkäufer nun in Gespräche verwickeln. Krupka erinnert dann an die Katalysatoren-Diskussion in den 1980er Jahren. Die damals nachgerüsteten Autos fahren immer noch, sind sogar gefragte Oldtimer. Was ihn auch ärgert, sind die hochgeschraubten Vorgaben. "Die, die die machen, haben von Technik keine Ahnung". Auf dem Gebrauchtwagenmarkt orientiert man sich an alten Werten und Konstanten: Preis-Leistungs-Verhältnis, gepflegtes Serviceheft, Komfort.
Wie Krupka ist der Eltmanner Ford-Autohausbesitzer Gerhard Ankenbrand überzeugt davon, dass die Ökobilanz der jetzt so propagierten E-Autos keineswegs gut ist. Schlechter als Benziner, sagt Krupka. In der Energiebilanz kommt es nicht an den Diesel heran, urteilt Ankenbrand. Der Strom für ein Elektroauto kommt heute immer noch zum Teil aus Braunkohlekraftwerken. "Ich finde dann ein E-Auto gut, wenn auf der Garage Solar-Paneele liegen", erklärt der Eltmanner.
"Es ist viel Hysterie", sagt Ankenbrand und benutzt damit wie Krupka fast die gleichen Worte im Blick auf die aktuelle Dieseldiskussion. "Wir haben auch erlebt, wie der Diesel bevorzugt wurde" - alles politisch motiviert. Was wird aus dem Thema nach der Wahl? Ankenbrand kann sich gut vorstellen, dass es sehr viel ruhiger wird.
Der Eltmanner Geschäftsmann steht dem Umweltgedanken nahe und macht keinen Hehl daraus, dass er vom Diesel überzeugt ist, "die kann man nicht verbieten": Sie haben den geringsten CO2 -Ausstoß, sie sind sparsam, haben ein höheres Drehmoment, sind durchzugsfähig und, für Geschäftsleute das allerwichtigste, sie sind wesentlich kräftiger als ein Benzinmotor. Würde man einen Transporter oder Laster mit Benzin betreiben, bräuchte man ein Vielfaches an Kraftstoff. Erst am Morgen hat Ankenbrand einen Diesel mit Euro-6-Norm verkauft.


"Das ist die nächste Dummheit"

Die gegenwärtige Rabattschlacht um den Diesel "ist die nächste Dummheit". Der Autohaus-Chef in zweiter Generation findet sie energiepolitisch nicht gut: Schon die erste "Abwrackprämie hat viele Ressourcen zerstört", gute Autos wurden verschrottet und durch neue mit höherem Plastik- und Aluminiumanteil ersetzt. Tut das der Umwelt gut? Der Eltmanner würde sich jetzt Handeln mit Maß und Ziel wünschen im Blick auf die Frage "Wie können wir die Welt erhalten?"
Vor Jahrzehnten in der Schulzeit hat er einen Aufsatz über Verkehrsplanung und den damaligen Zukunftsplan Bahn geschrieben. Der Grundgedanke stimmt für ihn bis heute: "Ich fahre gerne mit der Bahn über lange Strecken." Warum gibt es beispielsweise für Billig-Reisebusse keine Straßenmaut? "Die fahren alle in die Städte rein."
"Die Kunden sind verunsichert, weil sie nicht wissen, wie es weitergeht", einen Aspekt, den die Kollegen auch genannt haben, führt die Leiterin des BMW-Autohauses in Haßfurt, Evelyne Eck, an, obwohl BMW nicht betroffen ist. Kommen Fahrverbote, wird der Diesel vom Markt genommen?


Modern: Euro-6-Norm

Die Kunden, die besorgt anrufen, ob sie mit ihrem Modell noch in die Städte fahren dürfen, kann man schnell beruhigen. Die modernen Drei- und Vier-Liter-Hubraum-Diesel haben Euro-6-Norm. Aber eins ist auch klar: Nach wie vor werden die großen, PS-starken BMW vorwiegend als Diesel gekauft.
Evelyne Eck spürt allerdings auch wie ihre Kollegen die Zurückhaltung der Kunden beim Autokauf: "Sie warten erst mal ab, was in den nächsten Wochen noch kommt." Für Evelyne Eck ist eines klar: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es den Diesel nicht mehr geben wird."
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