Ebern
Geschichte

Erster Fund aus Eberns Steinzeit

Bei der Gartenarbeit wird Elisabeth Söhnlein gelegentlich zur Archäologin. Jetzt hat sie ein 8000 bis 9000 Jahre altes Steinbeil entdeckt.
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Elisabeth Söhnlein zeigt das Steinbeil, das aus der mittleren Steinzeit stammen soll. Gefunden hat sie es in ihrem Bohnenbeet.  Eckehard Kiesewetter
Elisabeth Söhnlein zeigt das Steinbeil, das aus der mittleren Steinzeit stammen soll. Gefunden hat sie es in ihrem Bohnenbeet. Eckehard Kiesewetter
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Für den Kreisheimatpfleger ist es "eine kleine lokalgeschichtliche Sensation"; der Regionalbeauftragte für Archäologie des Landesamts für Denkmalpflege spricht von einem "schönen Fund", aber auch "nichts Ungewöhnlichem". Es geht um einen rund 8 Zentimeter langen, 3 Zentimeter breiten und 1,5 Zentimeter starken Steinbrocken aus Basalt. Nun ist Basalt nichts Besonderes in der Region. Doch wenn das gute Stück vor Tausenden von Jahren von Hand bearbeitet wurde, dann wird Heimatpfleger Günter Lipp hellhörig. Erst recht, wenn es in Ebern gefunden wurde, woher bislang keine steinzeitlichen Funde belegt sind.


Entdeckung im Bohnenbeet

Anfang Mai hatte die frühere Lehrerin Elisabeth Söhnlein bei der Gartenarbeit auf ihrem Grundstück im Mühlenviertel den rätselhaften grauen Stein entdeckt. Archäologische Funde, eine Art Speerspitze, eine beinerne Ahle oder eine Spindel aus rotem Stein hatte sie dort schon in den vergangenen acht Jahren beim Umgraben der Gemüsebeete entdeckt. Dazu jede Menge Keramikscherben, Zähne und Knochen.

Biologie, Chemie und Erdkunde waren die Fächer der Pädagogin. Mineralogie und die Entwicklung des Menschen sind also seit Studienzeiten ihr Thema, und für prähistorische Stücke hat sie ein Auge entwickelt, nicht zuletzt, weil sie mit ihren Schülern in Regensburg gerne ins Naturkundemuseum ging.

Seit zwölf Jahren lebt die Unterfränkin wieder in Ebern. Anfangs hat ihr Mann die Gartenarbeit übernommen, als er pflegebedürftig wurde, sie selbst. Immer wieder, wenn sie etwas entdeckt hatte, hat ihr Mann die archäologische Begeisterung der Rentnerin gebremst. "Du redest Dir da was ein", sagte er, weswegen sie ihre Funde nur den Enkeln präsentierte, sonst aber für sich behielt.


Die Neugierde siegt

Der handliche Stein, den sie vor etwa sechs Wochen im Bohnenbeet fand, machte die Studienrätin a.D. nun aber neugierig. Er war, deutlich erkennbar, künstlich bearbeitet worden. Doch zu welchem Zweck? Um dies zu klären, schaltete sie den Kreisheimatpfleger ein, der sich wiederum an Oskar Gehring wandte, seit fast vier Jahrzehnten ehrenamtlicher Mitarbeiter des Denkmalpflegeamts und Mitglied der bayerischen Gesellschaft für Archäologie.

Der Spezialist für Bodenfunde aus Losbergsgereuth erkannte sofort das Steinbeil, das 6000 bis 7000 Jahre alt sein müsse, wie er mutmaßte. Solche Relikte aus der mittleren Steinzeit hat er selbst schon gefunden, beispielsweise bei Ottneuses. Damals begannen die Menschen in der Region sesshaft zu werden und Ackerbau und Viehzucht zu betreiben. Gerade in der Nähe eines Flusses, wie in diesem Fall unweit des Eberner Mühlbachs, sind Werkzeugfunde daher keine Seltenheit, weiß Oskar Gehring, der selbst Tausende von Fundstücken aus germanischer, römischer oder keltischer Zeit vorweisen kann.


Der weiße Fleck

Das in Ebern entdeckte Steinbeil sei an der Schneide stark abgenutzt. Der 68-Jährige vermutet, dass der Stein später auch für etwas anderes benutzt wurde.

In Heft 2 der "Heimatblätter" des Bürgervereins Ebern hat vor Jahren Fritz Klemm, sämtliche steinzeitlichen Funde in der Region dokumentiert. Demnach sind im Baunach-, Itz- und Lautergrund immer wieder Schaber, Bohrer, Steinbeile und andere Werkzeuge aus jener Zeit aufgetaucht. Nur nicht in Ebern und Pfarrweisach. Daher findet Günter Lipp den Fund Elisabeth Söhnleins so spektakulär. Der weiße Fleck auf der Landkarte steinzeitlicher Bodendenkmale kann gelöscht werden.


Fund von 1966

Am Denkmalpflegeamt in Schloss Seehof ist Ralf Obst für den Nordbayerischen Raum zuständig. Er hat sich bereits mit Elisabeth Söhnlein in Verbindung gesetzt. Obst wird den Fund begutachten und Ebern wohl den Punkt auf der Steinzeit-Karte verpassen.

Was sie mit ihrem Steinzeitbeil anfangen wird, weiß Elisabeth Söhnlein noch nicht. Durch ihre Schwester hat sie gerade erfahren, dass schon ihr Vater, Dr. Hermann Söhnlein, im Frühjahr 1966 eine einseitig geschliffene Klinge im Garten an der Hirtengasse gefunden hatte. Ein Stück, das sich den Angaben zufolge im Fundus des Heimatmuseums befinden soll.

Wenn heute, 50 Jahre später, die Tochter an gleicher Stelle im Garten arbeitet, fühlt sie sich einerseits "ein bisschen glücklich" und durch Oskar Gehring in ihrem Gespür für die speziellen Bodenschätze bestätigt. Andererseits nervt sie das Wissen um den historischen Boden auch: "Jetzt schau ich noch genauer hin, und das ist fast lästig."
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