Seit 1995 ist Martin Gehring Heimleiter der Kinder- und Jugendhilfe St. Josef in Eltmann. "Seitdem hat es viele Umstrukturierungen gegeben", sagte er im Jugendhilfeausschuss des Kreistags Haßberge in dessen Sitzung am Donnerstag vor Ort in Eltmann. Gehring meinte damit nicht nur Umbauarbeiten. Im Lauf der Zeit haben sich mehrere Bereiche gebildet, so auch der stationäre Bereich: "Es gibt vier Wohngruppen. Wir haben dort die Möglichkeit, Kinder in Obhut zu nehmen, wenn es zum Beispiel am Wochenende im Elternhaus eine Krise gibt und es schnell gehen muss." Jugendamt, Eltern, Erzieher und die betroffenen Kinder selbst entwickeln Maßnahmen für eine individuelle Betreuung und Freizeitgestaltung. Wie man sich das Leben in der Wohngruppe vorstellen kann, das zeigte der Heimleiter: "Da wir uns heute in der Einrichtung versammelt haben, möchte ich die Gelegenheit gleich zum Präsentieren nutzen", kündigte er an und lud zur Besichtigung ein.

Strukturen in der Wohngruppe

Die Mädchen Sura (11) und Anna (13) freuten sich schon darauf, den Besuchern ihre Wohngruppe zu zeigen. Elf Kinder im Alter von zehn bis 15 Jahren wohnen dort, tagsüber sind zwei Erzieher da, über Nacht einer.

Auf zwei Etagen innerhalb der Einrichtung ist für jede Gruppe eine Wohnung eingerichtet: Es gibt eine Küche mit Esszimmer, ein Wohnzimmer, ein Mädchen- und Jungenbad, eine Spielecke, ein Büro und Schlafzimmer sowie ein Erzieherzimmer.

Das Zusammenleben und der Tagesablauf müssen gut organisiert sein - ein strukturierter Tag gibt den Kindern Halt: "In der Küche hängt ein Zettel mit den Essenszeiten und Küchendienst, da steht zum Beispiel, wer den Tisch abräumen muss", erzählt Sura. Zweimal in der Woche wird selbst gekocht. Auch gibt es feste Putzdienste - Sura ist für die Sauberkeit im Mädchenbad zuständig. "Das ist dafür gut, dass die Kinder etwas für die Zukunft lernen und Selbstständigkeit erwerben", sagt Erzieherin Stefanie Descher.

Jedes Kind hat einen Tages- und Wochenplan, der Freizeitangebote wie Reiten, Fußball oder Bücherlesen beinhaltet. Wichtig bei allem ist die Drei-Punkte-Regel. Anna zählt auf: "Keine Toleranz von Gewalt, keine Toleranz von Beleidigungen und der Erzieher leitet einen."

"Strukturen sind das Grundlegende. Von der Struktur kommen wir zum Inhalt", erläutert Heimleiter Gehring. "Jüngere benötigen Sicherheit und Struktur, Ältere brauchen tiefgreifendere, selbstreflektierendere Arbeit", sagt die Erzieherin. Eine gute Maßnahme ist hierfür der "Verstärkerplan": "Jedes Kind hat einen eigenen Plan, man kann dort eintragen, worin man nicht gut ist und Punkte sammeln", sagt der Jugendliche Jakob. "Für die Punkte kann man dann zum Beispiel eine Cola oder eine spätere Bettgeh-Zeit einlösen." Im Plan gibt es Punkte etwa für Zimmerordnung, Führen von Sozialkontaken und Konfliktbewältigung.

Vernetzte Kommunikation

"Für uns ist es wichtig, dass die Kinder mitbestimmen", erzählt Gerhing und stellt das Kommunikationssystem vor: "Wir haben pro Wohngruppe einen jüngeren und einen älteren Gruppensprecher, die Anliegen und Wünsche der Gruppe an die Erzieher weitergeben." Neben Schaukel und Torwand fordern die Kinder ernsthafte Besprechungen - kleine Anliegen werden sogar zu Hausthemen. "Es kam der Wunsch auf, dass wir über Beziehungen untereinander in der Einrichtung reden. Das Interesse war groß!", erinnert er sich. "Wir sind erst einmal von der gesetzlichen Regelung ausgegangen und haben dann mit den Kindern eine Hausordnungsregelung entwickelt. Dabei greift die Regelung viel weiter, zum Beispiel, wie man sich verhält, wenn die Beziehung vorüber ist." Also: Nicht schlecht über den anderen reden, wenn Schluss ist....

Falls es doch einmal Streit gibt oder die Kinder allein sein wollen, können sie ins eigene Zimmer. "Wir versuchen, den Einzelzimmerstandard einzuhalten, damit das Kind eine Rückzugsmöglichkeit hat", so der Heimleiter. Denn nicht alle Kinder sind für kurze Zeit da. Viele bleiben länger oder wollen auch gar nicht zurück in ihre Familien. "Es ist wichtig, dass sie ihre Zimmer mit ihren persönlichen Sachen einrichten können", sagt Descher. Falls jemandem etwas besonders kostbar ist, kann es in das verschließbare Büro des Erziehers gebracht werden - dort hat jedes Kind eine Box, in der sein Lieblingsstück sicher ist.