Altershausen
"Cool Running"

"Ente" war das originellste Rennmobil beim Seifenkistenrennen in Altershausen

Zum Mekka des Seifenkistenrennsports verwandelte sich am vergangenen Sonntag wieder einmal Altershausen bei Königsberg. Dabei stand der Spaß im Vordergrund.
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Den Kreativpreis für die schönste Seifenkiste bekamen in diesem Jahr Herr "W." und sein Sohn Pierre für ihre "Ente".Gerold Snater
Den Kreativpreis für die schönste Seifenkiste bekamen in diesem Jahr Herr "W." und sein Sohn Pierre für ihre "Ente".Gerold Snater
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Bereits zum 19. Mal fand im Königsberger Stadtteil Altershausen das Seifenkistenrennen unter dem Namen "Cool Running" statt. Was für eine große Faszination jener unmotorisierte Sport ausstrahlt, stellten mehrere Hundert Besucher entlang der Strecke sowie ein mit 17 Seifenkisten beachtliches Teilnehmerfeld unter Beweis. Letzteres setzte sich nicht nur aus Teams der unmittelbaren Umgebung zusammen, sondern weit darüber hinaus zog es Seifenkisten-Begeisterte ins sonst eher beschauliche Altershausen. Sogar aus Weiden und Erfurt war man gekommen, um hier die Betonrennstrecke unter die Räder zu nehmen.

Unterteilt in drei Klassen wurden auf der circa 700 Meter langen Strecke am Rande von Altershausen die schnellsten der fahrbaren Konstrukte ermittelt. In der Standard-Klasse durfte die Seifenkiste bis zu 150 kg wiegen, in der Kategorie für Anfänger und Einsteiger durfte das Gefährt nur 80 kg auf die Waage bringen. Darüber hinaus wurde in einer Profi-Klasse der Sieger unter denjenigen ermittelt, die sich mit entsprechend hochqualitativen Fahrzeugen auf den Parcours begaben. Außerdem wurde auch die von einer Jury ermittelte kreativste Seifenkiste mit einem besonderen Preis ausgezeichnet.

Fantasievolle Eigenfabrikate am Start

In insgesamt drei Wertungsläufen, nach denen die Gesamtzeit über den Sieg entschied, tasteten und kämpften sich die Fahrer immer näher an die Ideallinie heran, um im Ziel Geschwindigkeiten um die 60 km/h zu erreichen. Ganz besonders wichtig war dabei die richtig Kurventechnik in der langgezogenen Biegung vorbei an der Haßberghalle, die - angetrieben durch die tosenden Zuschauer und Fangruppen - mitunter mit waghalsigen Manövern gemeistert wurde.

Es waren die tollsten Eigenfabrikate, hergestellt mit viel Fantasie, am Start, die ebenso ideenreiche Bezeichnungen trugen: Von "Streitwagen" und "Gecko" über "Randstaa-Schrubber" und "Bratwurstflitzer" bis hin zum "Erfurter Blitz", mit einem der ältesten Teilnehmer, der bisher am "Cool Running" an den Start ging, reichten die Namen der Fahrzeuge. 77 Jahre war der Pilot des "Erfurter Blitzes" alt, was ihn nicht darin hinderte, mit seinem tollen Renner an diesem Tag die Strecke in der schnellsten Zeit aller Teilnehmer zu absolvieren.

Mit eingebautem Motorgeräusch

Manche waren auch mit einem neuen Rennwagen erneut dabei, so etwa der "Feuerblitz" in der Standard-Klasse, den Levin und Milan aus Haßfurt steuerten und der von ihnen in einem Zeitraum von sechs Monaten unter Mithilfe von Papa zusammengebaut worden war. Besonderheiten der Seifenkiste waren ein Kettenlenkrad, Lichter sowie Musikboxen und ein Motorgeräusch. Immerhin schafften sie es in ihrer mit sieben Fahrzeugen besetzten Klasse auf Anhieb auf den 5. Platz.

Rennerfahrung hatten dagegen schon Elias und Philipp Hetterich aus Zeil in der "Leichtgewichtsklasse" mit ihrem "Bratwurstflitzer". Und mit diesem kämpften sie dann auch mit um den Sieg in der 80-kg-Klasse. Nachdem sie sich im vergangenen Jahr knapp mit dem 2. Platz begnügen mussten, schafften sie es heuer mit insgesamt 2:41,47 Minuten auf den 1. Rang.

Vom dritten auf den zweiten Rang konnte sich auch Emil Hemetsberger aus Königsberg mit seinem "Gecko" verbessern. Mit 2:50,26 Minuten musste er sich nur um wenige Sekunden geschlagen geben. In diesem Fall hatten sich die Veränderungen gegenüber dem Vorjahr rentiert. "Wir haben das Fahrzeug feiner abgestimmt und die Lenkung verbessert", sagte der väterliche Techniker.

Auf dem dritten Platz landete in dieser Klasse der "ES-Racer" aus Zeil am Main mit Philipp Hetterich am Steuer mit einer Gesamtzeit von 2:51,82 Minuten.

Wirtsmobil aus Eichelsdorf siegt

Die traditionell wichtigste Entscheidung war aber das Wetteifern um das schnellste Gefährt in der Standard-Klasse, in der "Kisten" bis 150 kg Eigengewicht an den Start gehen durften. Hier hatte nach den drei Wertungsläufen dann doch das "Wirtsmobil" aus Eichelsdorf mit dem Piloten Jürgen Wagner mit 2:37,08 Minuten wie im Vorjahr verhältnismäßig klar die Nase vorn. Das "Rennvieh", gesteuert von Tobias Hetterich und Patrick Scherbaum aus Zeil, und das "Bad-Mobil" aus Schweinfurt/Hambach, gesteuert von Sven Schuler und Tilo Koch, belegten mit 2:44,94 beziehungsweise 2:47,69 Minuten die Plätze zwei und drei.

Zwei Teilnehmer gingen in der Profiklasse an den Start. Hier erzielte der "Erfurter Blitz" mit dem Piloten Jürgen Ludwig aus Klettbach mit 2:28,55 Minuten nicht nur die beste Gesamtzeit aller Starter, sondern im Ziel auch die schnellste Endgeschwindigkeit. Der "Glubbschi" mit seinem Fahrer Andreas Xourgias aus Wendelstein erreichte 2:32:50 Minuten.

Über 100 Stunden Bauzeit für "Ente"

Mit dem Preis für das originellste Rennmobil aller Teilnehmer wurde von einer Jury in diesem Jahr die "Cacotte" aus Weiden ausgezeichnet. Sie wurde in ihrer Klasse zwar mit weitem Abstand Letzter, aber es war jedes Mal ein Vergnügen, sie - von ihrem französischen Erbauer, Herrn "W.", oder seinem Sohn Pierre gesteuert - zu Tal "brausen" zu sehen. Denn Vater und Sohn hatten sich mit ihrer Seifenkiste etwas Besonderes einfallen lassen: Sie hatten einen 2 CV, eine "Ente", nachgebaut. Nach der Bauzeit gefragt, war die Antwort: "Bei über 100 Stunden habe ich aufgehört, zu zählen!"

Und warum gerade eine Ente? "Als Franzose kann ich doch keinen Audi- oder BMW- Rennwagen fahren!" Hinsichtlich des Cool-Runnings in Altershausen meinte Herr "M.": "Ich habe schon an vielen solchen Veranstaltungen teilgenommen. Die in Altershausen aber zeichnet sich durch eine besondere gemütliche Atmosphäre aus. Nächstes Jahr komme ich wieder. Hier macht es Spaß, mitzufahren." Dass beide, Vater und Sohn, ihren Spaß an der Veranstaltung hatten, sah man ihnen jederzeit an.

Start auch beim 20. Rennen

Bei allem Ehrgeiz war es gerade der Spaß, der für alle Teilnehmer im Vordergrund stand. Dieser Aussage schlossen sich mit Sicherheit alle Teilnehmer des Seifenkistenrennens an, und so versammelten sich zum Abschluss des langen Renntages alle Fahrer mit ihren Gefährten vor der Haßberghalle zum Fachsimpeln, und auch die Fragen interessierter Zuschauer wurden beantwortet. Mit der Siegerehrung und der obligatorischen Sektdusche endete schließlich das "Cool Running". Alle Teilnehmer waren sich einig, dass sie zusammen auch nächstes Jahr, dann beim 20. Rennen, wieder in Altershausen am "Cool Running" teilnehmen möchten.



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