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LKR Haßberge
Verkehr

Endstation: Der ÖPNV im Landkreis Haßberge

Bevor Corona den ÖPNV im Landkreis zum Erliegen brachte, haben wir uns den öffentlichen Personennahverkehr näher angeschaut und Fakten gesammelt. Doch nichts kann man beurteilen, bevor man es nicht selbst ausprobiert hat, deshalb ging es auf eine aufregende Fahrt durch den Landkreis.
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Meist sitzt man alleine an der Bushaltestelle. Julia Scholl
Meist sitzt man alleine an der Bushaltestelle. Julia Scholl
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Für die Meisten sind schlechte Busverbindungen kein Problem. Doch was, wenn man darauf angewiesen ist? Ich gebe dem öffentlichen Nahverkehr eine Chance.

Ein holpriger Start - Von Limbach nach Haßfurt

Nieselregen durchnässt langsam aber stetig meine Jacke. Ratlos stehe ich vor dem Fahrplan, denn der nächste Bus fährt erst in einer Stunde. Bis nach Hause sind es noch gut vier Kilometer. Warten oder laufen? Entschlossen schultere ich meinen Rucksack.

Acht Stunden zuvor: Von außen versuchen die Scheibenwischer den Regen fernzuhalten. Von innen beschlagen die Panorama-Fenster vom Atem der Schulkinder. Der Bus ist gut gefüllt. Müde lehne ich mich im Sitz zurück. 7.26 Uhr ist mein Bus abgefahren. Nicht meine Zeit. Aber eine andere Wahl hatte ich nicht, denn die nächste Busverbindung - mit der ich nicht fünf Stunden unterwegs bin - geht erst um 14.09 Uhr. Zu spät, um meine Rundfahrt durch den Landkreis zu beginnen.

In Haßfurt angekommen stelle ich fest, dass die Baustelle in Zeil Zeit gekostet hat. Also hetze ich durch den Regen, denn meinen Anschlussbus, der mich von der Berufsschule zum Bahnhof bringen sollte, habe ich verpasst. Ich kann laufen, aber was hätte jemand gemacht, dem das nicht so leichtfällt? Obwohl ich mich beeile, ist mein Bus nach Untertheres schon weg.

Aber ich bin nicht die einzige, die gestrandet ist. Auch eine Schülerin, die nach Obertheres muss, wartet an der Haltestelle. Sie darf aufgrund eines Zwischenfalls nicht mehr mit dem regulären Schulbus fahren und ist auf den Stadtbus angewiesen. Sie wollte heute zum ersten Mal mit der Linie fahren, aber der Bus sei nicht gekommen. "Ich habe keine andere Möglichkeit, zur Schule zu kommen", erklärt sie mir und geht wieder nach Hause.

Allein, allein - Von Haßfurt nach Theres

Ich beschließe trotzdem, nach Untertheres zu fahren und den Bus um 9.30 zu nehmen, da bleibt mir noch genügend Zeit, um eine Toilette zu suchen. Doch am Bahnhof in Haßfurt gibt es keine, also gehe ich in ein Café in der Nähe des Marktplatzes. Einen Latte Macchiato hat mich mein Toilettenbesuch dort gekostet. Zurück am Bahnhof ist der Bus bereits da und kann pünktlich abfahren, denn keine drängelnden Menschen haben ihn aufgehalten. Da ich der einzige Fahrgast bin, habe ich freie Platzwahl.

In Untertheres angekommen, spreche ich mit Einwohnern. Nur wenige Kilometer entfernt liegt Wagenhausen. Ein Dorf, das vom ÖPNV nicht bedient wird. Wie ich trotzdem dorthin komme, ruft mir eine ältere Dame im Vorbeigehen zu: "Da müssen Sielaufen." Doch so viel Zeit habe ich nicht, denn ich muss meinen Anschluss nach Hofheim erreichen. Also fahre ich zurück nach Haßfurt, auch dieses Mal bin ich alleine.

Am Bahnhof angekommen, spreche ich mit einer Haßfurterin. Sie lacht irritiert, als ich sie frage, wann sie das letzte Mal mit dem Bus gefahren ist. "Ich mache alles mit dem Fahrrad. Aber über einen besseren Busverkehr würde ich mich schon freuen, dann könnte ich mal in den Steigerwald", erklärt sie und geht weiter. Um mich vor dem Wind und Regen zu schützen, warte ich im Bushäuschen.

Teuer, teurer, ÖPNV - Von Haßfurt nach Hofheim

Rund 30 Minuten dauert die Fahrt nach Hofheim, doch dieses Ma l bin ich nicht alleine im Bus, denn Markus Spindler hat denselben Weg. Der Hofheimer hatte einen Termin in Haßfurt und ist deshalb mit dem Bus unterwegs.

Warum er nicht das Auto genommen hat? Er besitzt keines. "Ich fahre oft als einziger Fahrgast mit. Manchmal denke ich, ein kleinerer Bus wäre vielleicht angemessener." Er sei jedoch froh, dass überhaupt ein Bus fährt, aber glücklich ist er mit dem ÖPNV nicht. "Die Fahrtzeiten sind sehr beschränkt und teuer ist es auch. Für eine Fahrt von Hofheim nach Haßfurt zahle ich fünf Euro. Da verstehe ich, dass die, die nicht darauf angewiesen sind, mit dem Auto fahren." Mitfahrbänke als Alternative sind seiner Meinung nach sinnlos. "Ich habe es ausprobiert, aber die meisten, die vorbeifahren, haben keine Ahnung, wie sie funktionieren", erklärt mir der 42-Jährige.

Wir haben zu Hause mehr als ein Auto - bei uns gibt es selten Engpässe. Aber jemand ohne Auto, ist auf den Bus angewiesen. Nachdenklich beobachte ich Micha, unseren Busfahrer. Ab und an hebt er die Hand zum Gruß, wenn ein anderer Bus an uns vorbeifährt. Den Job macht er seit vier Jahren. Vorher war er LKW-Fahrer. Er macht seine Arbeit gerne, erzählt er. "Früh, um fünf Uhr, ist der Bus voll mit Schülern und Pendlern. Jetzt ist nicht so viel los, da ist der Bus meist leer." Er zuckt mit den Schultern. Wir sind da. Markus Spindler und ich steigen aus .

VGN: Tourismus profitiert - Von Hofheim nach Ebern

Bis zu meiner Abfahrt nach Ebern habe ich noch etwas Zeit. Warum also nicht bei der Tourismusinformation Hofheim nachfragen, wie der ÖPNV und vor allem die Anbindung an den VGN den Tourismus beeinflusst. "Seit der Anbindung an das VGN-Netz erreichen uns vermehrt gezielte Anfragen nach Fahrplänen und Tourentipps", erklärt Susanne Volkheimer. "Auch reisen viele Fahrrad- und Wandertouristen mit dem Bus oder Zug an. Wir bemerken einen pos itiven Effekt."

Die Anbindung an den VGN hat auch mir die Planung erleichtert. Ich konnte die Fahrzeiten übersichtlich online abrufen. Nur blöd, dass mein Internet jetzt nicht mitspielt und an der Bushaltestelle gibt es keinen Fahrplan für diese Strecke. Also hoffe ich einfach, dass mein Bus um 12.22 nach Ebern auch wirklich kommt. Und tatsächlich - ein Bus hält an. Erleichtert will ich einsteigen, als die Fahrerin mir mitteilt, dass sie eigentlich nicht bis nach Ebern fährt, denn bisher wollte noch nie jemand so weit mitfahren. Eine Lösung muss her.

Eine Odyssee - Von Hofheim über Ebern nach Bamberg

Nervös stehe ich in der Bustür, während die Busfahrerin mit ihrem Chef telefoniert. Sie legt auf: "Es kommt gleich ein Kleinbus, der bringt dich nach Ebern", erklärt sie. Ich steige aus und sie schließt die Tür hinter mir. Das nimmt ungeahnte Dimensionen an, denke ich, als ich an der Bushaltestelle auf meinen persönlichen Bringdienst warte. "Da haben Sie wohl für einige Verwirrung gesorgt", meint mein Fahrer, als ich in den kleinen Bus einsteige.

Auf dem Weg nach Ebern bestätigt er mir, dass die Linie seit diesem Schuljahr besteht, aber noch nie jemand mitfahren wollte, deshalb fahre der Bus oft nur bis Burgpreppach. Doch meine Odyssee ist noch nicht zu Ende. Kurz vor Kraisdorf muss ich am Rande eines Feldwegs in einen größeren Bus umsteigen, der mich dann jedoch pünktlich nach Ebern bringt. Dort hüpfe ich in letzter Minute in die Bahn nach Bamberg. Erleichtert will ich nur noch eine Fahrkarte lösen. Doch der Automat schluckt zwar mein Geld, spuckt aber kein Ticket aus. Gott sei Dank ist die Lokführerin zur Stelle und hilft mir. Müde komme ich 20 Minuten vor zwei Uhr in Bamberg an.

Und zurück? - Von Bamberg nach Ebelsbach

Einen großen Teil der Strecke habe ich geschafft, doch der Zug nach Ebelsbach fährt erst in einer dreiviertel Stunde. Die Zeit muss ich wohl aussitzen. Ich schlendere durch den Bahnhof und beschließe, mir ein Brötchen zu holen. Entspannt warte ich auf meinen Zug. Im Vergleich zu meinem chaotischen Tag läuft die Zugfahrt absolut reibungslos. Während der Fahrt nicke ich ein, den ganzen Tag durch die Gegend gefahren zu werden, ist anstrengender, als ich dachte. Ich schrecke auf, als der Zug im Bahnhof in Ebelsbach einfährt und steige hektisch aus. Ratlos stehe ich vor dem Fahrplan. Langsam aber stetig durchnässt der Nieselregen meine Jacke. Der nächste Bus fährt erst in einer Stunde. Bis nach Hause sind es noch vier Kilometer. Warten oder laufen? Entschlossen schultere ich meinen Rucksack, doch dann lasse ich ihn wieder auf den Boden gleiten.

Um 7.26 bin ich losgefahren. Jetzt, um 15.43 bin ich in Ebelsbach. Ich war über acht Stunden unterwegs. Nur knapp drei Stunden habe ich tatsächlich im Bus oder im Zug verbracht. Der Rest sind Wartezeiten oder Zeitpuffer, die ich einplanen musste. Mit dem Auto hätte mich die gleiche Strecke knapp zwei Stunden gekostet. Ich hatte nette Gespräche, hauptsächlich jedoch mit Busfahrern, denn zu ihnen hatte ich mehr Kontakt, als zu Fahrgästen. Mein Datenvolumen ist aufgebraucht, weil ich mehrfach meine Fahrtzeiten oder alternative Routen überprüfen musste. Ich bin erschöpft. Also zücke ich resigniert mein Handy und rufe zu Hause an. "Kannst du mich bitte abholen?"