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Eltmann
Gemeinwohl

Eltmanner Tafel muss in die Stadthalle ziehen

Die Eltmanner Tafel hat seit kurzem wieder geöffnet. In Zeiten von Corona hat sich jedoch einiges geändert. Um das Angebot auch in der Krise so üppig wie möglich zu gestalten, hatte eine Helferin eine besondere Idee.
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Marianne Kellner (links), Marianne Schmittlutz (Mitte) und Eduard Schmittlutz erproben das kontaktfreie Ausgabesystem in Eltmanner Stadthalle. Dort haben sie in Zeiten von Corona mehr Platz und können so den Abstand wahren.  Fotos: Sven Dörr
Marianne Kellner (links), Marianne Schmittlutz (Mitte) und Eduard Schmittlutz erproben das kontaktfreie Ausgabesystem in Eltmanner Stadthalle. Dort haben sie in Zeiten von Corona mehr Platz und können so den Abstand wahren. Fotos: Sven Dörr
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Weiße Punkte auf rotem Grund – schwarze Seepferdchen auf weißem Stoff. Bunte Blumen und Bälle zieren die restlichen Stücke, sogar eine farbenfrohe Variante mit Autos darauf ist dabei. Verschiedene Größen – auch an die Kinder wurde gedacht. "Wendemasken in unterschiedlichen Designs, mit Stoffen aus Omas altem Nähkästchen", fasst Marianne Kellner ihr Werk zusammen. Gemeinsam mit Ruth Wacker, einer Vereinskollegin aus der Schützenabteilung des SV Rapid Ebelsbach, war sie fleißig: "Da wir momentan kein Training haben, haben wir an der Nähmaschine trainiert", sagt sie und lacht.

Die fertigen Mund-Nasen-Schutze verkaufte sie für fünf Euro das Stück vor dem Rewe-Markt in Ebelsbach – sogar eine Familie aus Bamberg sei extra gekommen, um fünf Masken zu kaufen. Der Umsatz der Aktion floß in einen guten Zweck: Für die eingenommenen 500 Euro kaufte die Rentnerin Lebensmittel für den Tafelladen in Eltmann. Der war wegen Corona vorübergehend geschlossen, ist seit dem 28. April aber wieder geöffnet. "Ich war gleich von der Idee begeistert – überrascht hat mich wie viel dabei rumkam", beurteilt Marianne Schmittlutz die Spendenaktion. Die Ebelsbacherin ist zweite Vorsitzende der Haßfurter Tafel und leitet den Tafelladen in Eltmann.

Umzug in die Stadthalle

Der Eltmanner Laden ist recht klein und mit den aktuellen Abstandsregeln schwer zu vereinbaren. Also musste eine Lösung her: Übergangsweise stellt die Stadt Eltmann das Foyer der Stadthalle zur Verfügung – kostenfrei. Dort sind der Ein- und Ausgang voneinander getrennt und die Helfer haben genügend Platz. Einige von ihnen können allerdings aktuell nicht mitwirken, da sie mit ihren Vorerkrankungen in Zeiten der Pandemie Risikopersonen sind. "Wir sind die aktive Jugend", sagt die Leiterin und lacht. "Wenn's drauf ankommt, sind wir fit wie ein Turnschuh", fügt Kellner schmunzelnd hinzu.

Die Beiden geben weiterhin Lebensmittelpakete an die Bedürftigen aus. Dieser Tage allerdings zu festgelegten Zeitpunkten und nach erfolgtem Anruf. So wird der Kontakt zwischen den Kunden reduziert und ein geregelter Ablauf gewährleistet.

Mangel an Trockenwaren

Ein Zeitfenster von jeweils 15 Minuten pro Person ist vorgesehen – das sei jedoch sehr großzügig gerechnet, betont Marianne Schmittlutz. Auch da die Helfer aktuell "nur" ein Grundpaket ausgeben können: Für Obst und Gemüse seien die neuen Räume schlichtweg ungeeignet, erklärt die Leiterin. Ein generelles Problem gebe es mit Trockenwaren, wie Mehl, Nudeln und Reis. Diese Produkte haben eine hohe Mindesthaltbarkeit und werden deshalb meist im Supermarkt verkauft – die Tafel, die auf Produkte angewiesen ist, deren Verfallsdatum beinahe erreicht ist, geht dann oft leer aus.

Zu Beginn der Corona-Ausbreitung in Deutschland seien aber durch die Hamsterkäufe auch andere Waren für die Tafel-Kunden sehr begrenzt gewesen. Das sei nun nicht mehr der Fall, erzählt Schmittlutz. Ehe die nächsten Kunden in die Stadthalle kommen, kann sie gemeinsam mit Helfern fleißig Kartons packen – die vielen Bedürftigen werden's danken. Mit Blick auf diese betont Kellner: "Es ist eine Schande, dass Lebensmittel weggeworfen werden. Es ist auch eine Schande, dass es so etwas wie die Tafel geben muss. Es ist allerdings absolut keine Schande, zu uns zu kommen, wenn man bedürftig ist."