Haßfurt
Strafprozess

Teure Hochzeit in Franken gefeiert, aber nicht bezahlt: "Ich fühle mich total verarscht"

Das Haßfurter Amtsgericht verurteilte eine 29-Jährige wegen Betrugs. Sie bezahlte eine hohe Rechnung nicht und versuchte, mit Tricksereien davonzukommen.
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Mehrstöckige Hochzeitstorte, erstklassiges Buffet, Getränke bis zum Abwinken: Die Betrügerin ließ es ordentlich krachen. Und hat dann nicht bezahlt. Symbofoto: Britta Pedersen/dpa
Mehrstöckige Hochzeitstorte, erstklassiges Buffet, Getränke bis zum Abwinken: Die Betrügerin ließ es ordentlich krachen. Und hat dann nicht bezahlt. Symbofoto: Britta Pedersen/dpa

Nobel geht die Welt zugrunde: Zuerst bestellte die Braut (29 Jahre) im Stil einer Hochstaplerin eine 1a-Hochzeitsfeier mit allem Drum und Dran, dann konnte sie nicht bezahlen und vertröstete die Hotelbesitzerin immer wieder mit fadenscheinigen Ausreden und nun kassierte sie dafür die Quittung. Wegen Betruges wurde sie vom Amtsgericht in Haßfurt zu einer Geldstrafe von 840 Euro verurteilt. Einen ähnlichen dreisten Fall gab es in Hagen, wo eine wilde Horde von Gästen am Buffet gleich mit den Händen aß.

Pompöse Feier mit erstklassigen Buffet und Getränken bis zum Abwinken

Bei der pompösen Hochzeitsfeier Mitte Juni letzten Jahres mit rund 70 Gästen durfte es an nichts fehlen: erstklassiges Buffet, mehrstöckige Hochzeitstorte, aufwendiger Blumenschmuck und Getränke bis zum Abwinken. Die Zeche für das Allererste-Sahne-Event lag mit 3634 Euro in dem Kostenrahmen, der vorher abgesprochen worden war. Als es dann ans Bezahlen ging, erlebte die Gastronomin ihr blaues Wunder.

Die frisch vermählte Angeklagte eröffnete ihr, dass sie nicht bezahlen könne. Die Geschädigte war daraufhin, wie sie im Zeugenstand formulierte, "wie vor den Kopf geschlagen." Sie appellierte noch an das Ehrgefühl und den Anstand der Kundin und machte ihr klar, dass es so einfach nicht gehe. Daraufhin versprach diese, mit ihrem Schwiegervater und ihrer Bank zu sprechen, um auf diese Weise an Kohle zu kommen.

Braut vertröstet Hotelbesitzerin

In den darauffolgenden Wochen und Monaten vertröstete die Angeklagte das Opfer ein ums andere Mal. Einmal ging die Betrügerin sogar so weit, eine Bankangestellte namens "Krines" zu erfinden. Am Telefon gab sie sich mit schlecht verstellter Stimme als diese Mitarbeiterin einer Bank aus. Die Geprellte roch aber Lunte und bemerkte die Betrugsmasche. "Ich fühlte mich total verarscht", sagte die Geschädigte. Es wurmt sie insbesondere, dass die Angeschuldigte im Internet noch damit prahlt, was sie sich alles leisten kann.

Die ohne Rechtsanwalt erschienene Beschuldigte räumte beim Strafprozess unumwunden ein: "Es war mein Fehler." Auf Nachfrage erklärte sie, dass ihr Mann damals längere Zeit krank gewesen sei und nur Krankengeld erhalten habe. Zudem sei unerwartet das Auto kaputt gegangen. Inzwischen hat sie mittels zwei Monatsraten insgesamt 1000 Euro an die Hotelbesitzerin bezahlt, um ihren guten Willen zur Wiedergutmachung des Schadens zu zeigen.

Bereits eine Vorstrafe

In ihrem Vorstrafenregister findet sich ein Eintrag. Ebenfalls wegen Betrugs wurde sie am 13. Mai dieses Jahres vom Amtsgericht Tettnang im Rahmen eines Strafbefehls zu einer Geldstrafe von 800 Euro verurteilt. Bei dieser Verfehlung ging es darum, dass sie die Rechnung für eine Autoreparatur nicht beglichen hatte.

Der Staatsanwalt hielt ihr vor, dass sie die Gutmütigkeit ihres Opfers lange mit Tricksereien ausgenutzt habe. Er forderte 80 Tagessätze und warnte sie, dass sie diese 80 Tage im Knast würde absitzen müssen, falls sie nicht bezahle. Die Strafrichterin Ilona Conver sprach von einem "klassischen Betrug" und reduzierte das Strafmaß leicht auf 70 Tagessätze zu je zwölf Euro, was insgesamt 840 Euro ergibt. Die geschädigte Geschäftsfrau muss darauf hoffen, dass die Verurteilte mit weiteren Raten ihre immer noch hohe Restschuld abbaut.

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