Ebern
Gedenken

Eine Mahnung für den Frieden

Eine Eberner Abordnung gedachte in der französischen Partnerstadt Trun dem Ende des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren. Bei der feierlichen Zeremonie wurden den Toten beider Seiten gedacht, die Opfer faschistischer Ideologie wurden.
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Franzosen und Deutsche gedachten den Toten des Ersten Weltkriegs - hier eine Fahnenabordnung der Veteranen.  Foto: pr
Franzosen und Deutsche gedachten den Toten des Ersten Weltkriegs - hier eine Fahnenabordnung der Veteranen. Foto: pr
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Vor 75 Jahren endete für die Menschen in der Normandie der Zweite Weltkrieg mit dem Sieg der Alliierten. Auch in Eberns Partnerstadt Trun wurde dieser Tage an das Ende der Kämpfe erinnert. Trun war bereits im Juni 1944 bombardiert worden, um die deutschen Truppen zu bremsen, die nach der Landung der Alliierten an den Stränden der Normandie vom Hinterland heranrückten. Als der Krieg vorbei war, war die Stadt zu 70 Prozent zerstört. Die Region hatte bis dahin zudem über 140 000 Flüchtlinge aus dem Gebiet von Caen aufgenommen, die vor den Kämpfen ins vermeintlich sichere Hinterland geflohen waren.

In einer Doppelzeremonie erinnerten die Städte Trun und Falaise an die Befreiung vor 75 Jahren. Sowohl Jacques Prigent als auch der Bürgermeister von Falaise, Eric Macé, bezogen in das Gedenken die deutschen Soldaten ein - also junge Männer auf beiden Seiten, die zu Opfern der faschistischen Ideologie wurden. Auf deutscher Seite wurden in den Kämpfen im Sommer 1944 rund 50 000 Soldaten getötet oder verwundet, bei den Alliierten knapp 40 000. Bürgermeister Macé wies auch darauf hin, dass Frankreich in der Zeit der deutschen Besatzung "nicht weiß war oder schwarz: Es war grau." Denn auch unter den Franzosen habe es Widerstandskämpfer und Kollaborateure gegeben .

Partnerschaft seit 50 Jahren

Sowohl in Trun auch als in Falaise wehte die deutsche Flagge neben denen der Alliierten, und es wurde auch die deutsche Nationalhymne gespielt. Die Bürgermeister der beiden deutschen Partnerstädte nahmen an der Zeremonie teil: Seit 50 Jahren besteht die "Jumelage" zwischen Falaise und Bad Neustadt an der Saale. Bürgermeister Bruno Altrichter (Freie Wähler) war eigens für das Wochenende nach Falaise gereist. Eberns Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) war bei seinem Amtskollegen Jacques Prigent zu Gast. Dieser hatte in seiner Rede in Trun vor den Folgen des neuen Nationalismus gewarnt, der sich überall in Europa breitmache. Nach wie vor würden die Ereignisse vor 75 Jahren zum Frieden mahnen.

Veteranen und Hinterbliebene, Fahnenträger, eine Gruppe junger Scouts aus Polen, zahlreiche Abgeordnete und Bürgermeister nahmen an den Zeremonien teil. In Trun assistierten die Mitglieder des Jugendstadtrats bei den Kranzniederlegungen.

"Ich bin froh, dass das Beispiel von Major Baumann und Abbé Launay zeigt, dass auch im Krieg Menschlichkeit und Vernunft siegen können", sagt Jürgen Hennemann. Er ist sich mit seinem Kollegen Prigent in einem einig: Nur gemeinsam werde es möglich sein, den Frieden und Europa weiter zu entwickeln. "Die Franzosen haben nicht nur "Liberation" (Befreiung) gefeiert, sondern auch 75 Jahre "Paix" (Friede)", berichtet Hennemann. Deswegen müssten die Austausche, gerade der Schüler, weitergeführt und ausgebaut werden.

Ende der Kämpfe am 21. August

Vom 16. bis 21. August 1944 tobten erbitterte Gefechte zwischen der normannischen Stadt Falaise und dem kleinen Ort Chambois. Soldaten aus Großbritannien, Kanada, USA, Frankreich und Polen versuchten, der deutschen Armee den Rückzug aus dem Westen Frankreichs abzuschneiden. Im "Kessel von Falaise" sollten die Deutschen aufgehalten werden.

Die Kämpfe endeten am 21. August.

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