Fatschenbrunn

Einbrecher steigen Heilig Abend ein

Der Kreis Haßberge ist ein sicheres Pflaster. Das hat die aktuelle Kriminalstatistik bestätigt. Trotzdem werden auch hier Bürger Opfer von Straftaten - so wie das Ehepaar Mai aus Fatschenbrunn. Der "Tag der Kriminalitätsopfer" stellt sie und andere Betroffene in den Mittelpunkt.
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Durch dieses Fenster drangen die Einbrecher in das Haus von Florian und Romy Mai ein.  Fotos: Katja Kölbl
Durch dieses Fenster drangen die Einbrecher in das Haus von Florian und Romy Mai ein. Fotos: Katja Kölbl
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Den 24. Dezember 2013 werden Romy und Florian Mai aus Fatschenbrunn nicht so schnell vergessen. Nicht, weil das Familienfest so schön war. Sondern weil ausgerechnet an Heilig Abend Einbrecher in ihr Einfamilienhaus eindrangen.

"Alle Schubladen und Schränke waren durchwühlt. Die Unterwäsche lag auf dem Boden. Die Täter haben hauptsächlich im Schlafzimmer nach Schmuck und Wertgegenständen gesucht", erinnert sich Florian Mai. Vor allem das Gefühl, dass Fremde ihre Sachen durchwühlt haben, stört Romy Mai. Die 28-Jährige hat die Verletzung ihrer Intimsphäre gut verkraftet. "Ich bin vor allem sauer", sagt sie. Bei ihrem Ehemann saß der Schock tiefer.

Die Täter waren vermutlich gegen 18 Uhr durch das Kellerfenster eingestiegen. In Krimi-Manier hatten sie zuvor die Scheibe zertrümmert und den Riegel umgelegt. So gelangten sie bequem in die Einliegerwohnung und von dort aus in den Wohn- und Schlafbereich in den oberen Stockwerken.

Das Lehrerehepaar war nicht da, als die Eindringlinge kamen. Es verbrachte Heilig Abend bei Verwandten nahe Plauen. Den Einbruch bemerkten aufmerksame Nachbarn. "Bekannte waren gekommen, um unsere Katzen zu füttern. Weil sie sie nicht fanden, sind sie ums Haus gegangen und fanden alle Türen offen!", erzählt Florian Mai. "Die sind durch das Kellerfenster rein und oben raus. Die Türen haben sie offen gelassen", ergänzt seine Frau.
Als die beiden die Hiobsbotschaft erfuhren, setzten sie sich sofort ins Auto und fuhren zurück. "Das war ein toller Heilig Abend", sagt der 32-Jährige sarkastisch.

Spurensicherung geht vor

Am schlimmsten sei es gewesen, vor dem Haus auf die Beamten der Kriminalpolizei in Schweinfurt zu warten. "Wir durften nicht rein, um keine Spuren zu verwischen", erzählt Romy Mai. Das Paar war heilfroh, dass nichts fehlte: Der Flachbildfernseher an der Wand, die Computer, die Küchengeräte - alles da. "Ein Kripobeamter hat erklärt, dass die Gauner nur Bares und Schmuck mitnehmen. Die Elektrogeräte haben Seriennummern und lassen sich darum nicht so leicht verkaufen", weiß Florian Mai.

Den entstandenen Sachschaden in Höhe von etwa 5000 Euro ersetzte die Versicherung. Bei Florian Mai blieb aber die Furcht, in den nächsten Wochen garantiert ausgeraubt zu werden. Nachts ließ er im Wohnzimmer das Licht brennen. Wenn das Ehepaar nicht da war, stand der Zweitwagen vor der Garage. "Anwesenheit vortäuschen", nennen die beiden ihr neues Sicherheitskonzept.

Kripo zeigt Sicherheitsmängel auf

Sie nutzten das Angebot der Kripo, das Haus mithilfe der Experten auf Sicherheitsmängel zu untersuchen und tauschten die Schließsysteme der Fenster aus. "Die warten, ob mit Einbruch der Dunkelheit Lichter angehen und wenn nicht, wissen sie dass niemand da ist", erklärt Florian Mai.

Mittlerweile hat der Lehrer keine Angst mehr, von Einbrechern überrascht zu werden. "Meine Ruhe hat sich auf ihn übertragen", sagt Romy Mai und lächelt ihren Mann an. Übrigens: In Fatschenbrunn wurde an Heilig Abend in ein weiteres Haus eingebrochen. Der Eigentümer überraschte die Täter, die ohne Beute flüchteten.


Tipps zum Schutz vor Einbrechern


Lassen Sie Ihre Wohnung oder Ihr Haus beim Verlassen nicht unbeleuchtet. Hierzu zählt auch die Außenbeleuchtung. Durch den Einsatz einer Zeitschaltuhr lässt sich zum Beispiel die Beleuchtung der Wohnräume gut regeln.

Schließen Sie beim Verlassen alle Fenster und Türen (vermeiden Sie Kippstellungen, ziehen Sie alle Außentüren nicht nur ins Schloss, sondern verriegeln Sie diese).

Sorgen Sie bei längerer Abwesenheit dafür, dass ihr Briefkasten geleert wird. Für viele Einbrecher ist der überfüllte Briefkasten ein Indiz für eine "verlassene" Wohnung.

Vermeiden Sie es, auf Ihrem Anrufbeantworter Abwesenheitszeiten zu benennen. Die Ansagen auf dem AB sollten darauf hinweisen, dass Sie nur kurzzeitig nicht erreichbar sind. Hinweise auf eine urlaubsbedingte Abwesenheit könnten potenzielle Einbrecher als eine Einladung verstehen.

Vereinbaren Sie mit Ihren Nachbarn oder Ihrer Verwandtschaft, dass die Rollläden am Haus tagsüber hochgezogen werden und abends ein Licht eingeschaltet wird.

Beobachten Sie stets Ihr Umfeld. Die Täter suchen sich die Ziele in der Regel bereits tagsüber aus und planen ihren Zugangs- und Fluchtweg. Melden Sie daher verdächtige Personen oder Fahrzeuge in Ihrem Wohngebiet sofort der Polizei. Wenn Ihre Mitteilung von den Beamten mit negativem Ergebnis überprüft wurde, hat es für sie als Mitteiler keinerlei Folgen. Teilen Sie deshalb jede verdächtige Beobachtung der Polizei mit. Nutzen Sie hierzu den kostenlosen Notruf 110. Ganz nach dem Motto: Lieber einmal zu viel anrufen als einmal zu wenig! Notieren Sie sich die Kennzeichen von verdächtigen Fahrzeugen.

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen sind dennoch viele Fenster, Türen, Rollläden und insbesondere Balkontüren für die Täter leicht zu öffnen, da sie oft nicht über entsprechende Sicherheitsverriegelungen und stabile Materialien verfügen. Beim Einbau etwas mehr Geld zu investieren, zahlt sich aus. Wie Sie die Sicherheit Ihres Hauses oder Ihrer Wohnung durch technische Hilfsmittel erhöhen können und vieles mehr erfahren Sie kompetent, neutral und kostenlos bei der Beratungsstelle der Polizei. Die nächste ist in Schweinfurt.


Wie die Opfer von Einbrüchen leiden

Wenn die Intimsphäre drastisch gestört wird, ist das eine psychische Belastung, die manche Menschen nicht wegstecken können." Helmut Will vom Weißen Ring weiß, wie es den Opfern von Einbrüchen zumute ist. Der Polizist im Ruhestand arbeitet seit 17 Jahren für die Organisation, die die Opfer von Straftaten mithilfe ehrenamtlicher Mitarbeiter betreut.

In der Zeit hatte ich mit den Opfern von fünf oder sechs gravierenden Einbrüchen zu tun. Hauptsächlich begleite ich die Opfer von sexuellem Missbrauch oder schwerer Körperverletzung."
Dann erzählt er von einer 35-jährigen Frau, in deren Sander Wohnung vor einigen Jahren eingebrochen worden war. "Die Frau war auch ein halbes Jahr nach der Tat noch völlig" fertig, erklärt er. Sie sei nach dem Einbruch traumatisiert gewesen. "Da kann man sich noch so lange vernünftig unterhalten. Plötzlich geht bei dem Betroffenen die Klappe runter und alles, was davor besprochen wurde, ist weg."

Der jungen Frau blieb schließlich nur noch der Auszug, den der Weiße Ring finanziell unterstützte. Die 35-Jährige hielt es nicht mehr in ihrer alten Wohnung aus und zog - ausgerechnet - in eine Großstadt.
"Rational wusste sie, dass in Großstädten die Kriminalitätsrate höher ist. Aber mit Vernunft kommt man bei solchen Ängsten nicht weiter", schließt Will.




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