Haßfurt
Jugendstrafprozess

Ein verheerender Faustschlag bringt Arbeitsstunden ein

Das Amtsgericht Haßfurt verurteilte einen 20-Jährigen, der auf dem Altstadtfest zugeschlagen hatte, zu gemeinnütziger Arbeit.
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Beim Haßfurter Amtsgericht ist es fast schon ein Klassiker: ein Prozess wegen Körperverletzung, begangen bei einem Fest, diesmal beim letztjährigen Altstadtfest in Ebern. Angeklagt war ein 20-jähriger Mann. Nachdem er sich bedroht fühlte, schlug er einem anderen Festbesucher (22 Jahre) so wuchtig ins Gesicht, dass dessen Kiefer brach und der Getroffene in der Kieferchirurgie und im Klinikum Bamberg ärztlich versorgt werden musste. Wegen Körperverletzung kassierte der Angeklagte eine Jugendstrafe von 40 gemeinnützigen Arbeitsstunden.

Bei bestem Sommerwetter drängte sich eine große Menschenmenge am 23. Juli letzten Jahres durch die Altstadt von Ebern. Gegen 22 Uhr abends war immer noch die Hölle los. Der Angeklagte, ein staatenloser Palästinenser, quetschte sich zusammen mit seinem zwei Jahre älteren Bruder und seinem Cousin durch die Menge. Als sie sich neben einer Gruppe von jungen Burschen durchdrängten, spürte der Angeschuldigte, wie jemand mit seinem Ellenbogen ihn am Oberkörper traf. Ob mit Absicht oder aus Versehen, konnte nicht aufgeklärt werden.

Schon bei der polizeilichen Vernehmung und auch im Gerichtssaal schilderte der Heranwachsende glaubhaft, dass er sich in dieser Situation bedroht gefühlt habe und damit rechnete, von den Leuten aus der anderen Gruppe mit Fäusten attackiert zu werden. Deshalb reagierte er frei nach dem Motto:

Angriff ist die beste Verteidigung und schlug zu.

Der Staatsanwalt und der Jugendrichter betonten jedoch, dass keinesfalls eine rechtfertigende Notwehrsituation vorgelegen habe, da der junge Palästinenser nicht wirklich angegriffen wurde. Von daher bewerteten die Juristen diesen Präventivschlag eindeutig als vorsätzliche Körperverletzung. Auch die Tatsache, dass der Angeklagte nüchtern und das Opfer alkoholisiert war, ändert nichts an der juristischen Beurteilung.

Der Schlag selber hatte fatale Auswirkungen. Der Getroffene, ein 22-jähriger Maler und Lackierer, erlitt einen Kieferbruch und hatte wochenlang Schmerzen. Zwei Wochen wurde er von den Ärzten krankgeschrieben und die Behandlung zog sich monatelang hin. Zum Glück sind keine bleibenden Schäden zurückgeblieben und alles ist wieder verheilt.

Franz Heinrich von der Jugendgerichtshilfe zeichnete ein durchwegs positives Bild von dem jungen Asylbewerber. Nachdem er vor einigen Jahren in die Region gekommen war, habe er sich rasch sprachlich und schulisch integriert. Er sei intelligent, habe eine schulische Ausbildung für einen späteren Beruf begonnen und ein "gutes Potenzial."

In seinem Plädoyer hielt der Staatsanwalt dem Beschuldigten zwar zugute, dass er bislang strafrechtlich nicht aufgefallen sei. Aber er sprach dem aufmerksam Lauschenden nochmals eindringlich ins Gewissen und verdeutlichte ihm, wie er sich hätte verhalten müssen. "Da müssen Sie schnellstmöglich weiter- und weggehen", sagte er. Das rechtskräftige Urteil: Nach Weisung des Jugendamtes muss der Verurteilte bis zum 20. Juli 2019 insgesamt 40 gemeinnützige Arbeitsstunden ableisten.

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