Haßfurt
Körperverletzung

Ein teurer Schlag mit dem Glas

Das Amtsgericht Haßfurt verdonnerte einen 30-Jährigen zu einer saftigen Geldstrafe. Und das dicke Ende kommt erst noch.
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Den Discobesuch am dritten Aprilwochenende dieses Jahres wird ein 30 Jahre alter Mann nicht so schnell vergessen. Weil er aus nichtigem Anlass einem 22-Jährigen ein Cocktailglas ins Gesicht schlug, musste er sich am Freitag wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Haßfurter Amtsgericht verantworten. Verurteilt wurde der Mann zu einer saftigen Geldstrafe von 7200 Euro. Dazu kommen noch Krankenkassenforderungen, Schmerzensgeld sowie die Gerichts- und Anwaltskosten: Insgesamt weit über 10 000 Euro!

Wie sich der Vorfall genau abspielte, ließ sich vor Gericht im Detail nicht klären. Das lag in erster Linie daran, dass damals sowohl der Angeklagte als auch das Opfer und ein Zeuge erheblich alkoholisiert waren. Von diesen drei Personen hatte jeder mehr als 1,5 Promille im Blut, was bei allen zu beträchtlichen Erinnerungslücken führte.

Immerhin ließ sich der Tatort zweifelsfrei lokalisieren: Der Eingangsbereich der Disco in Unterpreppach. Dort herrscht nach Aussage des neutralen Zeugen oft "ein Geschiebe und Gerangel", weil sich die Raucher dort versammeln. In diesem Treppenbereich stand gegen Mitternacht auch der Angeklagte, in der linken Hand eine Zigarette, in der rechten ein Cocktailglas. Als in dieser Situation ein ihm unbekannter 22-Jähriger wieder zurück auf die Tanzfläche wollte und sich deshalb durch den Pulk durchschlängelte, fühlte er sich offensichtlich provoziert und sah rot. Unvermittelt schlug er das Glas dem anderen ins Gesicht.

Sofort danach trennten andere Besucher und Sicherheitsmitarbeiter die beiden, um weitere Handgreiflichkeiten zu verhindern. Die Polizei wurde gerufen und ein Krankenwagen brachte den Geschlagenen ins Eberner Krankenhaus. Dort entfernten die Ärzte Splitterreste aus dem Mund und diagnostizierten eine Stichverletzung zwischen Oberlippe und Nase, die genäht werden musste. Eine Woche wurde der Verletzte daraufhin krankgeschrieben. Eine kleine Narbe wird ihn wohl zeitlebens an diesen Abend erinnern. Wie das Opfer im Zeugenstand schilderte, wird sein Anwalt bei dem Angeklagten in einem gesonderten Zivilverfahren Schmerzensgeld einfordern.

Namens der Staatsanwaltschaft betonte Ilker Özalp, dass der Angeschuldigte insofern großes Glück gehabt habe, weil nichts Schlimmeres passiert sei. Wenn das Glas nicht gegen den Mund, sondern gegen die Augen geprallt wäre, hätte das zur Erblindung des Opfers führen können. Die Folgen für den Angreifer, der sich vor Gericht schuldeinsichtig zeigte und bei dem Geschädigten entschuldigte, wären in einem solchen Fall weitaus drastischer gewesen.

Eine Körperverletzung mit einem gefährlichen Werkzeug oder einer Waffe wird normalerweise stets mit einer Freiheitsstrafe geahndet. Um eine solche Haftstrafe kam der Angeklagte nur deshalb herum, weil er sich bislang strafrechtlich nichts zuschulden kommen ließ. Als Anklagevertreter forderte Özalp eine empfindliche Geldstrafe von 9000 Euro.

Die Amtsrichterin Ilona Conver sprach von einer "Fehlreaktion" und einem "Augenblicksversagen." Sie verurteilte den Mann dazu, 120 Tagessätze á 60 Euro zu zahlen. Diese 7200 Euro sind nur ein Teil der hohen Zeche, die der Verurteilte zu zahlen hat. Hinzu kommen zum einen Forderungen der Krankenkasse für die Behandlungskosten des Opfers sowie für die einwöchige Lohnfortzahlung. Weiterhin muss er für die Gerichtskosten und für seine Anwaltskosten aufkommen und kann sich auf eine saftige Schmerzensgeldforderung gefasst machen.

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