Den Elft- und Zwölft klässlern des Regiomontanus-Gymnasiums Haßfurt stellt sich langsam die Frage: "Was mache ich nach dem Abitur?" Eine mögliche Antwort gaben am gestrigen Freitag die ehemaligen Gymnasiasten Johanna Buchner und Christian Burkard. Sie berichteten von ihren Erfahrungen mit dem dualen Studium.
Johanna Buchner (Kleinsteinach) hatte die Leistungskurse Mathematik und Biologie belegt; Christian Burkard (Haßfurt) hatte sich für Mathematik und Physik entschieden. 2010 machten sie ihr Abitur. Unabhängig voneinander entschieden sie sich für das dreijährige duale Studium beim IT-Unternehmen Hewlett Packard (HP) und der dualen Hochschule Baden Württemberg in Stuttgart. Die Q11- und Q12-Gymnasiasten waren ganz Ohr.
"Ich habe auf der Messe ‚Startschuss Abi‘ in München meine jetzige Ausbildungsleiterin bei HP kennen gelernt und von dem dualen Studium erfahren", erzählte Johanna. Für die heute 21-Jährige war die Praxisnähe ausschlaggebend, Wirtschaftsinformatik zu studieren. "Mir gefällt besonders, dass die Gruppen klein sind, dass wir einen engen Kontakt zu den Dozenten haben und der Zusammenhalt sehr groß ist." Weniger schön findet sie, dass sie zwischen München und Stuttgart pendeln muss. Denn das duale Studium bedeutet Praxis bei HP in München und Theorie an der Uni in Stuttgart.
Christian Burkard erfuhr von einem Schulkollegen vom dualen Studium, bewarb sich bei HP und wurde in Böblingen angestellt. "Die Nähe zu Stuttgart ist optimal." Auch ihn hatte die Praxisnähe gereizt; sein Studiengang ist die "Angewandte Informatik". "Mir kommt entgegen, dass die Vorlesungen an der Hochschule nach einem Stundenplan abgehalten werden", meinte Christian, "auch wenn einem das weniger Freiheit als an einer normalen Universität gibt." In die Vorlesungen sind die Übungen integriert, so dass man nach dem Unterricht nicht mehr so viel lernen müsse.
Beide berichteten, dass sie mit dem Gehalt, das HP zahlt, gut auskommen "Wir erhielten im ersten Jahr 800 Euro, bekommen jetzt im zweiten Jahr 950 Euro plus die Tariferhöhung und im dritten Jahr 1100 Euro zuzüglich der Erhöhung", erzählten sie freimütig. Hinzu kommt Kindergeld, Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie ein Ausbildungsbonus, der zwischen 400 und 1200 Euro pro Jahr liegt. "Für meinen Zweitwohnsitz erhalte ich 300 Euro Wohngeld", fügte Johanna an. Und: Jeder Student hat 30 Tage Urlaub in der Praxiszeit.

26 000 Studenten


In ihrem Vortrag berichteten sie über das Unternehmen HP und die Hochschule mit ihren 26 000 Studenten an neun Standorten. In einer Gruppe befinden sich maximal 35 Studierende, Praxis und Theorie sind eng verzahnt, und sowohl das Unternehmen als auch die Hochschule sind international ausgerichtet. Angeboten werden Informatik und Wirtschaftsinformatik mit verschiedenen Schwerpunkten.
Jeweils drei Semester werden an der Hochschule und beim Unternehmen absolviert. Der Bachelor of Science (Informatik) oder der Bachelor of Science and Arts (Wirtschaftsinformatik) sind mögliche Abschlüsse. Das duale Studium bei HP gliedert sich in Fachwissen, Methodenwissen und Schulung der Persönlichkeit. Praktika wie Theorie sind im Ausland möglich. Nach dem Studium können die Absolventen bei HP in der Entwicklung von Software und Systemen, in Marketing und Vertrieb, in Verwaltung und Rechnungswesen, in der Kunden- und Anwendungsunterstützung oder an Projekten für Kunden und interne Bereiche arbeiten. Außerdem stehen ihnen ein duales Master-Studium, ein weiterführendes Studium an einer Fachhochschule oder einer Universität oder gar ein Wechsel zu einem anderen Unternehmen offen. Denn: Für die Studierenden gibt es keine Verpflichtung zur Weiterarbeit bei HP. "Das ist auch rechtlich gar nicht mehr möglich", gab Christian Burkard auf Nachfragen an.
Englischkenntnisse braucht man, weil HP weltweit agiert. Die Vorlesungen werden zum Teil auf Englisch oder Deutsch gehalten; Praktika im Ausland sind möglich. "Ich gehe beispielsweise heuer für drei Monate nach Bratislava", sagte Johanna Buchner.
Großen Wert legt HP auf Teamfähigkeit. "Mir macht die Arbeit großen Spaß", sagte Johanna daher, "und ich arbeite auch oft freiwillig länger." In Absprache kann man auch von daheim aus arbeiten.
Vera Häpp interessierte, ob das duale Studium nicht sehr stressig sei. Johanna und Christian meinten, Arbeit und Vorlesungen wären nicht stressig - nur die Prüfungen. Unter Umständen muss man in zwei Wochen 16 bis 18 Klausuren schreiben. Fazit von Sven Tropper aus Knetzgau (Q11): "Mir hat der Vortrag gut gefallen." Vera Häpp aus Nassach fand: "Der Vortrag hat mit einigen Vorurteilen aufgeräumt. Ich möchte mich gerne bei Daimler für ein duales Studium bewerben."