Haßfurt
Prozess

Ein Stein fiel vom Herzen des Angeklagten

Das Amtsgericht in Haßfurt ahndete Drogenbesitz und Widerstandshandlung eines 21-Jährigen mit Arbeitsstunden. Der Arrest bleibt ihm erspart.
Artikel drucken Artikel einbetten

Selten sieht man im Gerichtssaal einen verurteilten Mann, der so überglücklich ist. Der 21-Jährige bedankte sich beim Jugendrichter Martin Kober überschwänglich, dass er nicht - wie vom Staatsanwalt gefordert - eine Woche lang eingesperrt wird, sondern nur 40 gemeinnützige Arbeitsstunden ableisten muss. Wenn man bedenkt, dass er mit einer geringen Menge an Rauschgift erwischt wurde und sich gegen seine Festnahme durch die Polizei wehrte, kam er tatsächlich glimpflich davon.

Es war am 30. Mai letzten Jahres, als der Angeklagte in Schweinfurt mit einem Kumpel unterwegs war. Durch ihr sonderbares Verhalten fielen die beiden einer Polizeistreife auf. Die Beamten entschlossen sich zu einer Personenkontrolle. Als sich die Uniformierten dem Burschen näherten, ging er stiften. Hals über Kopf rannte er davon in Richtung Innenstadt.

Einer der Polizisten nahm die Verfolgung auf und sprintete hinter dem Flüchtenden her. Auf einem Autoparkplatz hatte er ihn eingeholt. Als er den Verdächtigen zwischen zwei Autos festnehmen wollte, ließ dieser sich zu Boden fallen und wehrte sich. Dabei erlitt der Ordnungshüter eine leichte Schürf- und Schnittwunde.

Doch am Ende nutzte es dem Heranwachsenden nichts, denn der Beamte konnte ihm Handschellen anlegen. Außerdem fand er das Tütchen, das der junge Mann bei seiner Flucht unter ein Fahrzeug geworfen hatte. Aus gutem Grund, denn darin befanden sich 2,14 Gramm Marihuana. Nach der Festnahme beschlagnahmten die Ermittler weitere 0,76 Gramm Haschisch bei der Durchsuchung seiner Wohnung.

Der ohne Verteidiger vor dem Jugendgericht am Amtsgericht in Haßfurt erschienene Beschuldigte legte ein umfassendes Geständnis ab. Dass er damals getürmt war, sei auf seine Panik zurückzuführen, meinte er. Sein damaliges Verhalten bezeichnete er als "Aussetzer." Den Polizeibeamten, beteuerte er mehrmals reumütig, habe er keinesfalls verletzen wollen, das tue ihm unendlich leid.

Die drei Vorstrafen, die in seinem Bundeszentralregister stehen, liegen schon etliche Jahre zurück. Vor sechs und sieben Jahren hatte ihn die Justiz schon mal am Wickel. Damals musste er Sozialstunden wegen Sachbeschädigung, Unterschlagung und illegalen Drogenbesitzes ableisten.

Die Jugendgerichtshelferin beschrieb die schwierige Kindheit des jungen Mannes. Er litt insbesondere unter der Trennung seiner Eltern und dem spärlichen Kontakt zu seinem Vater. Immerhin konnte er die Schule mit einem Realschulabschluss beenden und absolvierte anschließend erfolgreich eine Berufsausbildung. Aufgrund seiner Reifedefizite schlug die Pädagogin vor, das mildere Jugendstrafrecht anzuwenden.

Nachdem der Staatsanwalt unter Hinweis auf die einschlägige Vorstrafe einen einwöchigen Dauerarrest gefordert hatte, nutzte der Beschuldigte sein letztes Wort und bat inständig darum, Sozialstunden ableisten zu dürfen. Diesem Wunsch entsprach der Richterspruch. Als der Verurteilte sich erleichtert bedankte, konnte man förmlich den Stein hören, der ihm vom Herzen fiel.

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren