Ein Vogelbiotop besonderer Art schafft das Wiesenbrüterprojekt im Süden der Gemeinde Pfarrweisach, das seit fünf Jahren in den Baunachauen läuft. Die Initiative ist sehenswert und wird von Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) gar als "Vorzeigeobjekt" gewürdigt. Die Ministerin aus Oberbayern war am Samstag eigens vor Ort, ließ sich in die Wiesen im Baunachgrund entführen und über die Geschichte des Umweltprojekts unterrichten, das im Grunde einer Privatinitiative erwachsen ist.

Am Anfang stand eine Idee von Michael Groß aus Pfarrweisach im Sinne von "Da müsste man was machen". Der Jäger mit ornithologischem Interesse hatte schon seit einigen Jahren die Vögel in dem Gebiet zwischen Kraisdorf, Pfarrweisach und Lohr beobachtet und festgestellt, dass einige seltene, teils sogar vom Aussterben bedrohte Arten hier im Baunachgrund leben.


2011 begann's

Und als er 2011 eine Wanderung durch das Gebiet führte, bei der auch der Geschäftsführer der Wildland-Stiftung, Eric Imm, zugegen war, wurde aus der Idee innerhalb kürzester Zeit eine Initiative. Denn schon im Mai 2012 wurde das Wiesenbrüterprojekt offiziell eröffnet.

Die Unterstützung durch Gemeinde, Landwirte und Behörden sowie die Wildland-Stiftung, so lobte der Mediziner, ist von Anfang an hervorragend. Bürgermeister Ralf Nowak ergänzt: "Unsere Gemeinde ist nicht so finanzstark, aber Natur haben wir und wir wollen, dass sich hier bei uns nicht nur die Menschen, sondern auch die Tiere wohlfühlen."


Einige Hektar groß

Kern des mittlerweile einige Hektar umfassenden Gebietes war denn auch eine Wiese der Gemeinde. Wurde sie vor sechs Jahren noch regelmäßig gedüngt und als Wirtschaftswiese intensiver genutzt, so ist sie jetzt mit sogenannten Wiesenseigen (Rinnen, in denen das Wasser ablaufen kann) durchzogen und bietet Lebensraum für 77 nachgewiesene Vogelarten, von denen 35 Brutvögel sind, also Vögel die hier tatsächlich leben und brüten, während die restlichen 42 Arten auf ihren Wanderschaften immer wieder vorbeikommen und sich stärken.
Dazu kommen zahlreiche Insektenarten, unter anderem auch 22 Arten von Libellen, darunter die äußerst seltene Grüne Flussjungfer, sowie zahlreiche andere Tier- und Pflanzenarten. Wobei hier eine genaue Kartierung noch aussteht. Die soll voraussichtlich im Zuge der Bauarbeiten an der Lohrer Straße 2018 in Auftrag gegeben werden. Daraus erhoffen sich alle Beteiligten viele Informationen und vielleicht auch schon erste Folgedaten.

Gemäht wird die Wiese, ebenso wie die umliegenden Wiesen, immer noch. Allerdings nicht mehr gedüngt. "Wir haben hier eine sehr klein strukturierte Flur", erklärte Michael Groß: "Das macht zwar die Verhandlungen schwieriger, aber die Vielfalt umso größer." Positiv daran sei auch, dass durch die Kleinteiligkeit unterschiedlich bewirtschafteter Wiesen die Mahd-Zeitpunkte variieren. So gibt es immer genügend Rückzugsraum für die hier heimischen Tierarten. Allerdings variiert die Bevölkerungsstärke gerade bei einigen Vögeln auch entsprechend dem Wetter. Ist es im Frühjahr zu trocken oder zu feucht, bauen sie ihre Nester doch lieber woanders. Doch so ist sie nun einmal, die Natur, und das ist auch gut so! Darin waren sich am Sonntag alle einig.


Mit Freude live dabei

Am Sonntag besuchten Wolfgang Schiefer und Dieter Sedlmayer, die Vorstände der Wildland-Stiftung, zusammen mit der bayerischen Umweltministerin Ulrike Scharf, der Parlamentarischen Staatssekretärin Dorothee Bär, MdB Steffen Vogel (alle CSU) und einigen interessierten Jägern das Projekt. Dass dieses Projekt für die Ministerin nicht einfach nur ein Wahlkampf-Termin war, sondern sie wirklich interessierte, wurde rasch deutlich. Sie hörte aufmerksam zu und stellte fachkundige Fragen.

Die Ministerin würdigte die engagierte Arbeit von Michael Groß und meinte: "Dies ist wirklich ein Vorzeigeobjekt. Ich habe schon einiges darüber gelesen, aber es selber zu sehen, ist was ganz anderes, als immer nur auf dem Papier davon zu lesen."
Die Ministerin, selbst ebenfalls Jägerin, deutete auch an, gerne nochmals vorbeikommen und eine Wanderung durch das Gebiet unternehmen zu wollen. Doch die Zeit für ihre Visite am Sonntagnachmittag war denkbar kurz bemessen.
Die beiden Vorsitzenden der Wildland-Stiftung nutzten da die Gelegenheit, vom "größten Hochsitz Bayerns", einem neuen Aussichtsturm aus, auch einen großen Biberbau, in dem den Angaben zufolge sechs Biber wohnen, zu erspähen. Allerdings mussten sie erkennen, dass sich der Bau hinter den Weiden am Fluss derzeit nur vage erahnen lässt.